Controllermagazin 6/2020

50 Controller Magazin | Ausgabe 6 PRAXIS Da die Reihenfolge von 4, 5 oder mehr vonei- nander unabhängigen Achsen inhaltlich nicht argumentiert werden kann, quasi be- liebig ist, gibt es auch beliebige visuelle Pro- file, wie in Abbildung 4 gezeigt wird, also wirklich keine Hilfe zur Unterstützung des «visuellen Gedächtnisses» bei den Betrach- tenden. Zudem führen Veränderungen «weiter außen» zu stärkeren visuellen Effek- ten als die Veränderungen «weiter innen», weil in der Regel die lineare radiale Skala von Excel verwendet wird. Damit werden Radar Charts für unsere Darstellungszwecke gene- rell als unbrauchbar eingeordnet. Es gibt einige Ausnahmen in anderen Berei- chen, bei denen Radar Charts gute Dienste leisten können, so beispielsweise bei der An- zeige von Windgeschwindigkeiten in einer Kompassrose. Aber hier handelt es sich le- diglich um die beiden Dimensionen Nord- Süd und Ost-West, die in einer Fläche natür- lich gut zu visualisieren sind. Nutzen wir stattdessen das Balkendiagramm, das mit seinen Abweichungen erheblich bes- ser geeignet ist, den Inhalt des Originals in Abb. 4 in verständlicher Form zu kommunizie- ren. Abbildung 5 zeigt die Lösung, bei der auch die IBCS-Regeln (Botschaft, Titel, Her- vorhebung) konsequent angewendet werden. Warum ich Kreis- und Ringdiagramme sel- ten als geeignet ansehe? Sie können infolge ihrer Eindimensionalität nur banale Aussa- gen vermitteln und sind für eines vor allem nicht gut geeignet: Für Vergleiche, und diese sind nun einmal ein wichtiges Instrument im Controlling. Wir vergleichen beispielsweise zum Plan, zumVorjahr, zwischen den Stand- orten oder in der zeitlichen Entwicklung – für keines dieser Themen sind Kreisdiagram- me geeignet.Es gibt einige wenige gute An- wendungen für (unter Umständen auch un- terschiedlich große) Kreisdiagramme wie Ergebnisanteile in Portfoliodiagrammen oder Marktanteile in Landkarten; Kreise mit farbigen Kuchenstücken will ich in Facharti- keln aber lieber nicht sehen. Zum Thema geeignete Diagrammwahl möchte ich abschließend auf eine einfach umzusetzende IBCS-Regel eingehen, die in der Praxis bereits häufig umgesetzt wurde: Wenn immer möglich, sollte die horizontale Achse für die zeitliche Dimension vorbehal- ten werden und alle anderen Dimensionen sollten auf die vertikale Achse verwiesen werden – also: Zeit horizontal (Säulen oder Linien), Struktur vertikal (Balken, nie Linien). Den Vorteil dieser Regel möchte ich anhand von zwei Beispielen zeigen, die dies gerade anders herum – und wie ich meine, nicht be- sonders gut – gelöst haben (Abbildung 6). Da wir – wohl wegen unserer Schreibrich- tung – in aller Regel die Zeit (Monate, Jahre usw.) von links nach rechts laufen lassen, sollten wir dies auch bei unseren Diagram- men so tun. Wir können dann konsequent die Rubrikenachse bei der zweiten wichtigen Gruppe von einfachen Analysen, nämlich Strukturbetrachtungen (also Projekte, Regi- onen usw.) anders, also senkrecht zeichnen. Abb. 5: Der Vergleich von zwei Balkendiagrammen in Kombinationmit der sortierten Abweichung bietet eine deutlich bessere Lösung als das Netzdiagramm von Abbildung 4 (realisiert mit dem IBCS-zertifizier- ten Tool Chart-me von Hi-Chart GmbH) Abb. 6: Beide Diagramme entsprechen nicht der IBCS-Regel «Zeit mit horizontaler Achse, Struktur mit vertikaler Achse»

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==