Controllermagazin 6/2020

48 Controller Magazin | Ausgabe 6 PRAXIS Heinz Steiner 67, ist freiberuflicher Mitarbeiter imControlling bei Trivadis AG, CH-Glatt- brugg, IBCS® Certified Consultant, aktiv beim neuen Arbeitskreis "Silver Professional Schweiz" und seit 32 Jahren Mitglied im ICV. Steinerbis@gmail.com Abb. 2: Die beispielhafte Auswahl von Diagrammen zeigt die möglicherweise vermeidbare visuelle Vielfalt. Quelle: Controller Magazin, Ausgaben 2018 bis 2-2020 entsprechen mehr als zwei Drittel der untersuchten Diagramme nicht oder nur in geringem Maße den Ge- staltungsvorschriften des Magazins. Nach dieser kleinen statistischen Auswertung wollen wir uns nun demjenigen Schaubildtyp näher widmen, der – neben den Tabellen – typisch für die Controllerarbeit ist, nämlich den Diagrammen. Es gibt Verbesserungsansätze bei den Diagrammen Nachfolgend möchte ich auf drei Ansatzpunkte für ver- besserte Diagrammdarstellungen eingehen, die mir bei der Durchsicht vor allem aufgefallen sind. Es sind dies erstens der Wunsch nach in jeder Hinsicht mehr Ruhe, Übersichtlichkeit und Vereinfachung, zweitens Anregun- gen für eine besser geeignete Diagrammwahl und drit- tens – ganz allgemein – der Wunsch nach besserer Ver- ständlichkeit. Visuelle Vereinfachung Ich beginne mit dem für die praktische Realisierung am leichtesten umzusetzenden Verbesserungsansatz: Wir vereinfachen unsere Darstellungen so weit wie möglich. 9 Es geht dabei um zwei wesentliche Ansätze: Erstens um eine Reduzierung des informationstechnischen «Rau- schen», alsoWeglassen von nicht informationstragenden Elementen wie unnötige 3D-Darstellungen, Farben, Rah- men, Ränder usw. sowie alle «dekorativen» Elemente. Zweitens geht es um die Vermeidung von «Redundanz», also unnötige, weil doppelte Bezeichnungen wie die Wiederholung des Jahres bei allen zwölf Monatsbezeich- nungen der Zeitachse oder die Ergänzung des Titels einer Umsatztabelle mit dem Hinweis «Tabellarische Darstel- lung». Wie Musiker und Ingenieure sind wir Profis bei un- seren visuellen Darstellungen, wir diskutieren nicht de- ren Schönheit und Anmutung, sondern den praktischen Nutzen für die Informationsvermittlung. Kein Komponist würde anfangen, seine Partitur nach der Fertigstellung noch farblich aufzuhübschen. Geeignete Diagrammwahl Wir sollten solche Diagramme einsetzen, die die beab- sichtigte Botschaft bestmöglich vermitteln – dabei gehe ich davon aus, dass die im nächsten Abschnitt diskutier- te Forderung nach Verständlichkeit imMittelpunkt unse- rer Bemühungen steht: Interessante Feststellungen, wichtige Erklärungen und möglicherweise Empfehlun- gen sollten der Anlass für die von uns verwendeten Schaubilder sein. Und hier gibt es Darstellungen, die meistens ungeeignet sind wie Netzdiagramme (radar charts), Tachometer (gauges) und solche, die schlichtweg falsche Eindrücke vermitteln wie Flächenvergleiche in Volumenanmutung, falsch eingesetzte logarithmische Achsen – und der häufigste Fehler überhaupt: Manipula- tionen infolge «abgeschnittener» (truncated) Achsen. Auch für die so beliebten Kreis- und Ringdiagramme gibt es meistens bessere Visualisierungsmöglichkeiten. Wir beginnen mit der Skalenmanipulation bei Diagram- men, meistens sind es Achsen, die nicht bei null beginnen oder aber Darstellungsobjekte, die in irgendeiner Form «abgeschnitten» sind. Wenn es im Beispiel von Abbildung 3

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