Controllermagazin 6/2020

47 Controller Magazin | Ausgabe 6 PRAXIS Darstellung handeln, die lediglich als «eye catcher» verwendet wird. Meines Erachtens sollten aber sonst Schaubilder in fachlichen Artikeln ausschließlich zum besseren Ver- ständnis des Inhalts dienen und nicht zur Auflockerung eines langweiligen Textbildes. Schaubilder sind m.E. zu wichtig, als dass wir sie als dekorative Gestaltungselemente missbrauchen. Wir sind uns wahrscheinlich einig, dass die meisten Fotos und komplexeren Ablaufdar- stellungen diese Forderung erfüllen, da der- artige Inhalte nicht oder nur durch umfang- reiche und schwer verständliche Texte zu vermitteln wären. Ganz anders ist die Situa- tion bei einem Kreis- oder Ringdiagramm, das lediglich gewisse Anteile visualisiert, oder zwei nebeneinander gestellte Säulen, die den Ist- dem Planumsatz gegenüberstel- len: In diesen beiden Fällen ist die Informa- tionsdichte gering und der Zugewinn durch die Visualisierung nur klein. Wenn ich die Regeln des SUCCESS-Kon- zepts 4 als Orientierung verwende, so sehe ich folgende allgemeine Anforderungen an ein gutes Schaubild: Ein Schaubild sollte eine Botschaf t vermitteln, und der Leser sollte die Botschaft dadurch schnell(er) ver- stehen, indem sie vom Autor klar formuliert wird. «ABC-Analyse» wäre in diesem Sinne ein möglicher Schaubildtitel, aber natürlich keine Botschaft. Die zum Titel gehörende Botschaf t könnte beispielsweise lauten «52% der A-Teile (23 Stück) werden im Stammwerk produziert». Eine Botschaft ist dabei meistens eine Feststellung oder Erklä- rung, und sie sollte immer aus einem ganzen Satz bestehen. Im Schaubild kann eine Hervorhebung durch Pfeil, Farbe, Fettdruck u. a. sehr hilf- reich sein, damit Leser die Botschaft schnell zuordnen können (siehe Abbildung 3). Selbstverständlich benötigt daneben jedes Schaubild einen verständlichen Titel, der den Inhalt charakterisiert bzw. identifiziert, beispielsweise «Werk B, Personalkosten in mEUR, 2020 Q1». Schaubilder sollen eine ausreichend hohe In- formationsdichte haben, Edward Tuf te schlägt hier einen möglichst hohen «data per ink ratio» 5 vor, eine Kennzahl, die zum Aus- druck bringt, wie viele Zahlenwerte pro Flä- che in verständlicher Form abgebildet wer- den. Wenn die Informationsdichte gering ist (wie bei einem Kreisdiagramm), kann die Bot- schaft zwangsläufig nicht tiefschürfend sein. Wenn man die rein optische Vielfalt der Dar- stellungen vereinfacht , indem mit mög- lichst wenig unterschiedlichen Stilmitteln wie Farben, Fonts, Schriftgrößen, Linienstär- ken usw. gearbeitet wird, kann mehr Ruhe und dadurch mehr Übersichtlichkeit ins Lay- out gebracht werden. Es würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen, aber es wäre natürlich schön, wenn seitens des Controller Magazins auch einige grundsätzlichen Regeln der Semantik eingeführt werden könnten, beispielsweise die IBCS-Regeln, dass generell Planwerte ge- rahmt und Forecast-Werte schraffiert ge- kennzeichnet sind oder dass die Farben Grün und Rot ausschließlich für gute und schlechte Abweichungen genutzt werden. 6 Da wir uns nachfolgend auf Diagramme konzentrieren werden, möchte ich hierbei noch die Forderung nach einer richtigen Skalierung erwähnen: Achsen sollten nicht abgeschnitten werden, in der Regel sollten Diagramme die Nullachse zeigen. Abge- schnittene Achsen führen zu einer visuellen Manipulation. Stichprobenanalyse von Schau- bildern des Controller Magazins Damit ich über konkrete Daten schreiben kann, habe ich alle Schaubilder 7 der letzten mir vorliegenden Ausgaben 1 2018 bis 2 2020 des Controller Magazins untersucht. Ich gehe davon aus, dass diese 14 Ausgaben typisch sind und eine ausreichend große Stichprobe darstellen, mit der ich allgemein gültige Aussagen zum aktuellen Zustand der im Text gezeigten Darstellungen ma- chen kann. Bei der in Abbildung 1 gezeigten Auswer- tung habe ich die untersuchten Schaubilder in die vier Grundtypen Bilder (Fotos, Zeich- nungen), schematische Darstellungen, Dia- gramme und Tabellen unterschieden sowie die Diagramme zusätzlich in 5 Untertypen eingeteilt. Es gab nur zwei, drei Schaubil- der, bei denen diese Typisierung keine ein- deutige Zuordnung ermöglichte. Es wäre natürlich auch eine Typisierung nach fach- lich-inhaltlichen oder anderen Kriterien denkbar, aber für das Ziel, allgemeine visu- elle Verbesserungsvorschläge zu machen, erschienen mir die genannten Typen am besten geeignet. Abbildung 2 gibt einen Eindruck von der Vielfalt der Darstellungsvarianten. Hier ist leicht zu erkennen, dass die oben vorge- schlagene Reduzierung der Vielfalt an gra- phischen Stilmitteln mehr Ruhe in das Lay- out eines Hef tes bringen würde. Genau dies ist auch ein Ziel der Gestaltungsricht- linien des Controller Magazins 8 , aber mehr als die Hälf te der untersuchten 272 Dia- gramme hält sich nicht an diese Gestal- tungsrichtlinien. Wenn man noch die an- deren Gestaltungsvorschrif ten bezüglich des zu wählenden Diagrammtyps, der ge- eigneten Beschrif tung usw. anwendet, Abb. 1: Diagramme haben einen Anteil von 33 Prozent an den insgesamt untersuchten 819 Schaubildern (das Layout dieser Tabelle entspricht übrigens den IBCS-Gestaltungsrichtlinien). *2020 wurden nur 2 Ausgaben analysiert.

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==