CONTROLLER Magazin 5/2019

65 onsstätte oder die Durchführung von Innovati- onsprojekten. Bei Entscheidungen unter Sicherheit setzt das Controlling Optimierungskalküle zur Entschei- dungsunterstützung ein. Aufgabe des Control- lers ist die Ermittlung der Alternative mit dem höchsten Zielerfüllungsgrad. Bei Entscheidun- gen unter Risiko ist es die Aufgabe des Con­ trollers, die mit einer Alternative verbundenen Risiken zu ermitteln und durch Szenarioanaly- sen und Simulationen in die Bewertungsmo- delle zu integrieren. Wesentliche Entschei- dungskriterien sind der erwartete Ergebnisbei- trag und das Risiko einer Alternative. Bei Ent- scheidungen unter Ungewissheit sollte das Controlling die Informationslage der Manager verbessern, relevante Risikofaktoren z. B. durch Sensitivitätsanalysen identifizieren und robuste Alternativen mit einem zufriedenstellenden Zielerreichungsbeitrag ermitteln (vgl. Vanini et al. 2019, S. 1 ff.). Handlungsempfehlungen Der Controller soll- te die Unsicherheit einer Alternative systema- tisch in seine Analysen integrieren. Im Folgen- den werden drei Beispiele dargestellt: 1. Strategisches Controlling: Die Auswahl ei- ner Strategie ist i.d.R. eine Entscheidung unter Ungewissheit. Bei der Strategieauswahl sind nicht nur deren erwarteter Zielbeitrag – z. B. die Schaffung von Unternehmenswert – zu schät- zen, sondern auch die damit verbundenen Risi- ken z. B. durch Simulationen zu bewerten (vgl. Abbildung 1). Da bei Entscheidungen unter Un- gewissheit nicht alle Einflussfaktoren bekannt sind und in die Simulation einbezogen werden können, geht es um die Auswahl einer robusten Strategie, die auch bei unvorhergesehenen Ent- wicklungen zu relativ stabilen Ergebnissen führt (vgl. Gleißner 2017, S. 92 ff.). 2. Unternehmensplanung: Anhand von Sen- sitivitätsanalysen und Simulationen sollte der Controller die Unsicherheit wesentlicher Pla- nungsprämissen in der Unternehmensplanung berücksichtigen. Kann beispielsweise die zu- künftige Nachfrage als Normal- oder Drei- ecksverteilung abgebildet werden, können mittels Monte-Carlo-Simulation Verteilungen der Zielgrößen der Unternehmensplanung wie z. B. dem EBIT erzeugt und mittels statischer Kenngrößen ausgewertet werden (vgl. Gleiß- ner 2017, S. 245 ff.). Somit kann für jede Planalternative nicht nur ihr erwarteter EBIT, sondern auch ihr Risiko als Standardabwei- chung oder Wahrscheinlichkeit eines negati- ven EBIT abgebildet werden. Zudem kann der Controller die Maßnahmenplanung unterstüt- zen, indem er Ansätze zur Reduktion der Streuung des EBIT ermittelt. 3. Investitionscontrolling : Investitionsent- scheidungen erfolgen zumeist unter Risiko. Vor allem die zukünftigen Ein- und Auszahlungen sind unsicher. So kann der geplante Absatz der mit einer Maschine produzierten Produkte oft nur innerhalb einer Bandbreite geschätzt wer- den. Auch die Preisentwicklung wesentlicher Rohstoffe für die Produktion ist unsicher. Auf- grund von Erfahrungswerten lassen sich hier jedoch mögliche Verteilungen dieser unsiche- ren Faktoren bestimmen und mittels Simulation in Verteilungen der Renditen und Kapitalwerte der Investitionsalternativen überführen (vgl. Du- scher et al. 2012, S. 6 ff.). So lassen sich denn auch verschiedene Investitionsalternativen an- hand ihres Risiko-Rendite-Profils vergleichen (vgl. Abbildung 2). Ausblick Der Controller kann die Informations- grundlage unsicherer Managemententschei- dungen systematisch durch die Integration von Risiken in seine Analysen verbessern. Literatur  Duscher, I.; Meyer, M.; Spitzner, J. (2012): Vo- latilität kalkulieren und steuern im Sinne eines wertorientierten Investitionscontrollings, in: ZfCM Controlling & Management, 56. Jg Son- derheft Nr. 2, S. 6-11.  Eisenführ, F.; Weber, M.; Langer, T. (2010): Rationales Entscheiden, 5. Aufl., Heidelberg.  Gleißner, W. (2017): Grundlagen des Risiko- managements, 3. Aufl., München.  Vanini, U., Krolak, T.; Langguth, H. (2019): Controlling, 2. Auf., Stuttgart, Veröffentlichung in Vorbereitung. Sprecher dieser Artikelreihe: Prof. Dr. Andreas Wiesehahn, Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, E-Mail: andreas.wiesehahn@h-brs.de Wissenschaftlicher Beirat: Prof. Dr. Hanno Drews (Verhaltensorientiertes Con- trolling), Prof. Dr. Nicole Jekel (Marketingcontrolling), Prof. Dr. Britta Rathje (Operatives Controlling, insb. Kosten- und Erfolgsmanagement), Prof. Dr. Solveig Reißig-Thust (Controlling und Compliance, Value Based Management, Unternehmensbewertung, Controlling in Gründungsunternehmen), Prof. Dr. Andreas Taschner (Management Reporting, Investitionscontrolling, Supply Chain Controlling), Prof. Dr. Andreas Wiesehahn (Einkaufscontrolling, Nachfolgecontrolling, Nachhaltigkeitscontrolling) CM September / Oktober 2019 Abb. 2: Risiko-Rendite-Vergleich von Investitionsalternativen (Fallbeispiel) (Quelle: Duscher et al. 2012, S. 10) Autor Prof. Dr. Ute Vanini ist Professorin für Controlling an der Fachhochschule Kiel, Sprecherin des Arbeitskreises der Controlling-Professoren an Hochschulen sowie im Beirat der Risk Management Association (RMA). Ihre Forschungsgebiete sind die Integration von Risiko- management und Controlling sowie Fragen des Performance Measurements und der Bewertung von Intangibles. E-Mail: ute.vanini@fh-kiel.de

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