CONTROLLER Magazin 5/2019
61 Koordination und Überwachung von Projekten mit unterschiedlichem Komplexitäts- und Risi- kograd sowie voneinander abweichenden Lauf- zeiten. Zur Erreichung der Projektziele sind folglich projektindividuelle Analysemöglichkei- ten erforderlich, um die Transparenz in komple- xen Vorhaben zu erhöhen. In diesem Zusam- menhang stellt der Earned Value bzw. Fertig- stellungswert ein Maß für den Projektfortschritt als die bis zu einem Stichtag tatsächlich er- brachte Leistung dar. Auf diese Weise wird durch eine Unterscheidung zwischen Kosten-, Zeit- und Leistungsabweichungen eine reali- tätsgerechte Analyse der unterschiedlichen Ursachen für die vorhandenen Abweichungen im Projektverlauf ermöglicht. Im Abbildung 4 werden beispielhaft zwei mög liche Szenarien der Earned Value Analyse in Bezug auf den Projektfortschritt gezeigt. Für den Zeitverzug bietet sich die Zeiteffizienz (SPI: Schedule Performance Index) als Kennzahl an, die als Verhältnis von Fertigstellungswert zu Plankosten definiert ist. Um die Auswirkungen der Einzelrisiken auf das Portfolio abschätzen zu können oder Risiken zu erkennen, die sich nicht aus Einzelprojekten oder aus der unmittelbaren Beziehungsebene ergeben, ist eine Betrachtung aus einer überge- ordneten Portfolio-Perspektive relevant. In die- sem Zusammenhang treten oftmals Klumpenri- siken auf, welche die Konzentration eines be- stimmten Risikos innerhalb des Portfolios mit erheblicher Bedeutung für die strategische Aus- richtung bezeichnen. Klumpenrisiken können aus einer einseitigen Fokussierung auf einzelne Produkte oder wenige Kernmärkte resultieren und die Entstehung zusätzlicher Einzelrisiken bewirken. Im Rahmen einer projektübergreifen- den Risikoanalyse ist daher zusätzlich eine stra- tegische Beobachtung des Umfeldes, des Mark- tes und der Wettbewerber erforderlich, um Ver- änderungen frühzeitig wahrzunehmen. Nutzwertanalsye Eine häufig angewendete Methode ist in diesem Zusammenhang die Nutzwertanalyse, die durch die vorrangige Berücksichtigung von qualitativen Kriterien auch im strategischen Kontext einge- setzt werden kann. Im Rahmen einer mehrdi- mensionalen Betrachtung erfolgt auf Basis einer Gesamtbeurteilung eine Einbeziehung aller rele- vanten Kriterien mit entsprechender Gewichtung. Bei der Anwendung der Nutzwertanalyse wird für jedes Projekt ein Punktwert ermittelt, der die Grundlage für die Priorisierung bildet. Die- ser Punktwert zeigt den Nutzen der einzelnen Projektalternativen im Hinblick auf den Beitrag zur Unternehmensstrategie. Strategische Ge- sichtspunkte können durch dieses Vorgehen im Auswahlprozess messbar und damit auch ob- jektiv nachvollziehbar gemacht werden. Zur Be- urteilung der Strategiekonformität der Projek- talternativen können aus den strategischen Un- ternehmenszielen abgeleitete Teilziele als Be- wertungskriterien eingesetzt werden. Die anschließende Gewichtung der Teilziele erfolgt entsprechend ihrer Relevanz für die Unterneh- mensstrategie. Im nächsten Schritt werden die einzelnen Projektalternativen auf die Teilziele geprüft und je nach Erfüllungsgrad mit einer Punktzahl bewertet. Der daraus ermittelte Nutzwert zeigt die Attraktivität der Projektalter- nativen und wird als Vergleichskriterium der einzelnen Vorhaben verwendet. Auf dieser Ba- sis kann nun eine Priorisierung der Projekte in- nerhalb eines Portfolios erfolgen. Eine Projekt alternative mit einem hohen Nutzwert kann da- bei einen hohen Strategiebeitrag aufweisen und beinhaltet damit nur ein geringes Risikopo- tenzial für das Gesamtportfolio. Abb. 5: Beispielhafte Anwendung der Nutzwertanalyse (eigene Darstellung) Autoren Daniela Fröhlich arbeitet als Controllerin in der Nachkalkulation für die Baureihe Taycan bei der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG in Stuttgart. E-Mail: daniela.froehlich@outlook.de Prof. Dr. Nicolas Warkotsch ist Professor für Controlling, Rechnungswesen und Internationales Management an der Hochschule Augsburg. E-Mail: nicolas.warkotsch@hs-augsburg.de CM September / Oktober 2019
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