CONTROLLER Magazin 5/2019
60 schiedenen Analyseebenen angewendet wer- den. Im Folgenden werden mögliche Anwen- dungsperspektiven sowie vier dazugehörige Analysemöglichkeiten des Risikos innerhalb von Projektportfolios vorgestellt: Kapitalwert- methode, Value-at-Risk, Earned Value Analyse sowie Nutzwertanalyse. Auf Einzelprojektebene gilt es zunächst die Wirtschaftlichkeit eines Projektes als wesentli- chen Teil des gesamten Projektrisikos zu analy- sieren. Zur Einschätzung der Wirtschaftlichkeit eines Vorhabens stellt die Betrachtung der Zah- lungsströme im Rahmen der Kapitalwertmetho- de einen entscheidenden Anhaltspunkt dar. Bei der Planung der Einzahlungen gilt vor allem bei Produktentwicklungsprojekten, deren Markt- einführung noch weit in der Zukunft liegt, zu beachten, dass die Einschätzung des Markt- preises sowie der erzielbaren Verkaufsmenge mit hoher Unsicherheit verbunden ist. Der dar- aus resultierende Risikofaktor strategischer Projekte kommt im Rahmen der Kapitalwert- methode über den Kalkulationszinssatz zum Ausdruck. Da nicht jede Projektalternative das gleiche Risiko aufweist, wird das individuelle Projektrisiko in der Regel über einen pro- jektspezifischen Abzinsungsfaktor abgebildet. Je höher das für ein Projekt eingeschätzte Risi- ko, desto höher wird folglich auch der pro- jektspezifische Kalkulationszinssatz angesetzt. Die Methodik zur Ermittlung des Kapitalwertes wird in Abbildung 3 verdeutlicht. Durch die steigende Volatilität der Märkte und daraus resultierenden unvorhersehbaren Marktveränderungen gilt es weiterhin, das vor- handene Verlustpotenzial als Risikofaktor auf Einzelprojektebene abzubilden. In diesem Zu- sammenhang stellt der Value-at-Risk (VaR) ein geeignetes Risikomaß zur Messung des Markt- preisrisikos dar. Konkret bedeutet dies, dass mittels Bestimmung der höchsten zu erwarten- den Verlusthöhe unter Annahme eines be- stimmten Wahrscheinlichkeitsniveaus innerhalb einer definierten Zeitperiode insgesamt eine verbesserte Risikoeinschätzung der einzelnen Projektvorhaben ermöglicht wird. Wird für ein Projekt beispielsweise ein VaR von 100 T€ mit einem 95%igen Wahrscheinlichkeitsniveau in- nerhalb des nächsten Jahres ermittelt, können in dieser Zeit zwar Verluste von mehr als 100 T€ auftreten, die Wahrscheinlichkeit dafür be- trägt allerdings nur 5%. Es ist also mit 95%iger Sicherheit davon auszugehen, dass sich die maximale Verlusthöhe auf 100 T€ beschränkt. Eine Begrenzung des Marktpreisrisikos kann durch Festlegung von Risikolimits erfolgen, in- dem eine Verlustobergrenze für einzelne Pro- jekte definiert wird. Der Projekt-VaR muss dann unter dem definierten Risikolimit liegen. Eine ähnliche Vorgehensweise ist auch im Rahmen einer Anwendung des VaR auf den Kapitalwert im Sinne eines Net Present Value at Risk denkbar. Earned Value Analyse Neben der Wirtschaftlichkeit von einzelnen Vor- haben existieren weitere Unsicherheiten wie die Umsetzbarkeit, die im Rahmen einer gesamt- heitlichen Betrachtung des Risikos auf der Be- ziehungsebene eine entscheidende Rolle spie- len. Durch die technologischen Interdependen- zen und Verflechtungen von Projekten greifen häufig mehrere parallel laufende Projekte auf die gleichen Ressourcen zu, woraus insbeson- dere bei Produktentwicklungsprojekten häufig zeitliche oder wirtschaftliche Abweichungen re- sultieren. In diesem Fall ist die Earned Value Analyse eine bewährte Methode zur Überwa- chung des Projektfortschrittes hinsichtlich Ter- mineinhaltung, Fertigstellungsgrad und Kosten- entwicklung während der Projektlaufzeit. Durch die Kennzahlenermittlung zu bestimmten Zeit- punkten wird bei der Anwendung dieser Metho- de ein frühzeitiges Erkennen von Abweichun- gen sowie eine Prognose für die Zielerreichung zum Projektende ermöglicht. Insbesondere in großen und kostenintensiven Entwicklungspro- jekten ist die Einhaltung von Termin- und Kos- tenvorgaben von zentraler Bedeutung. Bei der Steuerung von Entwicklungsprojekten besteht jedoch eine besondere Herausforderung in der Abb. 4: Projektfortschritt in der Earned Value Analyse (eigene Darstellung) Risikobeurteilung von Projektportfolios Abb. 3: Methodik zur Ermittlung des Kapitalwerts (eigene Darstellung)
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