CONTROLLER Magazin 5/2019
56 Betrachtung auch eine Zielkostenrechnung (Target Costing) enthalten und vor allen Dingen die Kostenentwicklung exakt abbilden, zum Beispiel in Bezug auf Inflationsrate, Zinsen, Währungs- und Volumenschwankungen oder Sonderzuschläge. Lassen sich zudem SAP-Stücklisten und -Ar- beitspläne komfortabel in das Add-On einbinden und für die Kalkulation von Produktvarianten wiederverwenden, ist das ein weiterer Vorteil, genauso wie die Möglichkeit, Stücklisten hier- archisch über sämtliche Fertigungsstufen hin- weg zu betrachten (vgl. Abbildung 2). Internen und externen Cost-Break-Down ermöglichen Mit Funktionen für den Cost-Break-Down (CBD) können die Kostenbestandteile eines Produkts über den ganzen Lebenszyklus hinweg struktu- riert aufgeschlüsselt und in großer Detailtiefe dargestellt werden. Die tatsächlichen Kosten für ein Bauteil, aber auch die Savings lassen sich so über mehrere Jahre hinweg realistisch abschätzen. Speziell in der Automobilindustrie ist es üblich, dass ein Zulieferer seine gesamte Kalkulation auch gegenüber dem Hersteller offenlegt, der ihn dann in die eigenen CBD-Analysen einflie- ßen lässt. Hier punktet ein Add-On, das die Kalkulation automatisch an das Kalkulations- schema des OEM anpasst und direkt in dessen CBD-Vorlagen überträgt. Das ist ein großes Plus, denn es bedeutet eine enorme Zeitein- menarbeit und den Wissenstransfer zwischen den Beteiligten. Das ist ein echter Mehrwert. Durchgängig IT-gestützt kalkulieren Da das Add-On den direkten Onlinezugriff auf aktuelle Daten wie Materialpreise, Lohnkosten, Maschinenstundensätze oder Frachtkosten er- möglicht, entfällt das Hin-und-her-Kopieren von Daten zwischen SAP und anderen Systemen mit all seinen Nachteilen. Die Kalkulationen werden durchgängig IT-gestützt auf der Grund- lage aktuellster Daten erstellt, exakt, schnell und unkompliziert. Den Mitarbeitern, die Kalkulationsaufgaben durchführen, bleibt dadurch mehr Raum für Kernaufgaben. Im Controlling zum Beispiel ist das die Analyse und Interpretation der ermittel- ten Zahlen und die Unterstützung der Ge- schäftsleitung bzw. des Managements bei Ent- scheidungen. Und der Vertrieb kann dank durchgängiger IT-Unterstützung die Kalkulatio- nen nahezu ohne Zeitverzug in Angebote über- führen und im gleichen Zeitraum mehr Angebote erstellen als vorher. Kostenentwicklung genau abbilden Um die Vorzüge eines in SAP-integrierten Pro- duct Lifecycle Costing bestmöglich auszu- schöpfen, ist das Add-On im Idealfall von Haus aus mit allen erforderlichen Funktionen ausge- stattet. Es sollte neben der Lifecycle-Costing- Hoher Kalkulationsaufwand, lange Durchlaufzeiten Das sowie die Tatsache, dass Excel den An- wender nicht strukturiert durch die Abläufe führt, erhöht den Aufwand bei der Kalkulation und damit ihre Durchlaufzeit. In der Folge ver- zögert sich dann auch die Angebotserstellung im Vertrieb – ein klarer Wettbewerbsnachteil. Außerdem lassen sich die Informationen, die sich in Excel-Dateien über die Jahre hinweg an- sammeln, aufgrund ihres großen Volumens kaum mehr verwalten. Die Excel-Programme können wegen ihrer sehr komplexen Berech- nungsformeln zudem nur von wenigen Experten gewartet werden. Auch Speziallösungen von Drittanbietern eig- nen sich nur bedingt. Sie stellen zwar die für eine Lebenszykluskostenrechnung nötigen Funktionen bereit, doch auch hier erfolgt die Datenhaltung redundant sowohl in der SAP- Software als auch in einer Nicht-SAP-Anwen- dung. Informationen werden per Schnittstelle ausgetauscht, was ebenfalls die Gefahr birgt, dass mit veralteten Daten und Zahlen gearbei- tet wird. Single Source of Truth: PLC in SAP integrieren Dabei gibt es für Unternehmen, die mit SAP- Software arbeiten, eine deutlich effizientere Alternative für die Abwicklung von PLC-Prozes- sen. Es handelt sich um ein Add-On, das sich komplett in das vorhandene SAP-System, sei es SAP ERP oder SAP S/4HANA, integriert, die relevanten Prozesse unterstützt und Planungen beliebig weit in die Zukunft erlaubt. Die Vorteile einer solchen in SAP integrierten Lebenszyk- luskostenrechnung sind vielfältig. Die PLC-Prozesse lassen sich abteilungs- und standortübergreifend einheitlich und vollständig transparent in der sicheren und stabilen SAP- Umgebung – Stichwort Single Source of Truth – abbilden sowie weitgehend automatisiert in hoher Qualität durchführen. Harmonisierte Kal- kulationen, sei es in Bezug auf Produktarten und -gruppen, Fachbereiche (Entwicklung, Einkauf, Vertrieb, Fertigung, Controlling), Sparten oder Standorte, die individuelle Kalkulationsschemata und -abläufe ersetzen, verbessern die Zusam- Autoren Philipp Kölbl ist Product Lead Product Lifecycle Costing bei der T.CON GmbH & Co. KG. E-Mail: philipp.koelbl@team-con.de Dr. Andreas Schaffry ist freiberuflicher IT-Fachjournalist aus Weyarn und auf Themen rund um SAP-Software spezialisiert. E-Mail: info@schaffry.net Product Lifecycle Costing in SAP
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