CONTROLLER Magazin 5/2019
54 Ein exaktes und transparentes Product Lifecycle Costing (PLC) ist ein kritischer Erfolgsfaktor für Zulieferer, speziell für Auftragsfertiger. Weil der SAP-Standard das PLC nur unzureichend unter- stützt, erstellen Firmen, die SAP-Software ein- setzen, die nötigen Kalkulationen meist manuell in Excel. Mit einem speziellen Add-On, das sich vollständig in das SAP-System integriert, lassen sich PLC-Prozesse jedoch deutlich einfacher, effizienter und flexibler durchführen. Die Gewinnmargen mittelständischer Auftrags- fertiger sind knapp, zum Beispiel bei Zulieferern in der Automobilindustrie. Gleichzeitig herrscht hoher Wettbewerbs- und Kostendruck. Durch die digitale Transformation verändern sich dar- über hinaus die Geschäftsmodelle sowohl der Kunden als auch ihrer Zulieferer. Da Auftragsfertiger, um mit den Anforderungen des digitalen Wandels Schritt zu halten, Inves- titionen tätigen müssen, zum Beispiel in neue Technologien, suchen sie nach Wegen und Möglichkeiten zur Erlössteigerung. Das gelingt nur, wenn sie die lückenlose Übersicht über alle Kosten behalten, die bei neuen Bauteilen bzw. Komponenten über den ganzen Lebens- zyklus anfallen – meist sind das mehrere Jahre. Hier kommt das Product Lifecycle Costing (PLC) ins Spiel. „Product Lifecycle Costing ist eine mehrperio- dische Rechnung, die die Kosten und Erlöse über den gesamten Zyklus (eines Produkts) plant und steuert“, wie Ulrich Brecht die Kos- tenmanagementmethode der Lebenszyklus- kostenrechnung definiert. 1 Das oberste Ziel von PLC sei es, „sämtliche Anschaffungs- und Fol- gekosten eines Produktes über den Zeitraum seiner Nutzung hinweg zu erfassen und zu mi- nimieren“, schreibt Andreas Dollmayer. 2 PLC braucht dynamische Kostenbetrachtung Der Lebenszyklus eines Produkts kann je nach Situation unterschiedlich definiert wer- den. Er kann den Zeitraum vom Produktions- beginn (Start of Production, SOP) bis zum Produktionsende (End of Production, EOP) umfassen oder vom „Start of Business Case“ (SOBC) bis zum „End of Business Case“ (EOBC) reichen. Letzteres ist der Fall, wenn Bauteile komplett neu entwickelt und herge- stellt werden und bereits vor dem SOP Ausga- ben für Forschung, den Aufbau einer neuen Produktionslinie oder eines neuen Werks an- fallen, aber auch nach dem EOP Kosten ent- stehen, zum Beispiel für Recycling. Die Lebenszykluskostenrechnung, die das Tar- get Costing (Zielkostenanalyse) ergänzt, ge- währleistet dabei die dynamische Betrachtung der Kostenentwicklung über den gesamten Le- benszyklus eines Produkts bzw. Bauteils hin- weg. 3 Das unterscheidet sie von der „klassi- schen“ Produktkostenkalkulation, die lediglich bestimmte Zeitabschnitte wie die Entwicklungs- oder Herstellphase eines Produkts betrachtet. Weil nahezu alle kostenrelevanten Bestandteile eines Produkts im Lauf der Jahre Veränderun- gen unterliegen – Lohnkosten, Zuschläge, Ma- terialpreise, Tarife zu Maschinen- und Per sonalstunden oder zum Energiebedarf, Wäh- rungskurse und die Inflationsrate –, kommt der dynamischen Kostenbetrachtung große Bedeutung zu. Sie berücksichtigt außerdem Nachlässe und gestaffelte Rabatte, die ein Zu- lieferer im Rahmen langfristiger Lieferverträge (Long Term Agreements, LTA) auf den Ver- kaufspreis gewährt, sowie umgekehrt Preis abschläge vonseiten der eigenen Zulieferer. Kostentransparenz über mehrere Jahre hinweg Kostentransparenz über den gesamten Lebens- zyklus eines Produktes hinweg, bei einem Pla- nungshorizont von mehreren Jahren und eine begleitende Cost-Break-Down-Analyse (CBD) Add-On statt Excel IT-gestütztes Product Lifecycle Costing in SAP aus einem Guss von Philipp Kölbl und Andreas Schaffry Product Lifecycle Costing in SAP © tashatuvango – www.stock.adobe.com
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