CONTROLLER Magazin 5/2019

50 zerngebundenen Unternehmen zu beobachten. Auch bei einer Betrachtung der Branchen ist eine Aufstockung und Annäherung der Eigen- kapitalquoten zu verzeichnen (mit Ausnahme des Baugewerbes; vgl. Abbildung 3) 5 . Grundlagen der Eigenkapitalkostenkalkulation Ausgangspunkt für die Kalkulation der Eigenka- pitalkosten ist das betriebsnotwendige Kapital 6 , das für die betriebliche Tätigkeit erforderlich ist. Es ist von dem nicht-betriebsnotwendigen Ka- pital abzugrenzen, das zwar auch in der Bilanz- position Eigenkapital enthalten ist, aber mit dem betrieblichen Geschäftsmodell in keiner relevanten Verbindung steht. Das betriebsnot- wendige Kapital errechnet sich wie folgt: Gesamtes Vermögen laut Bilanz ./. Finanzanlagen ./. Sonstige Vermögensgegenstände ./. Wertpapiere des Umlaufvermögens = Betriebsnotwendiges Vermögen Betriebsnotwendiges Vermögen ./. zinsloses Fremdkapital = Betriebsnotwendiges Kapital Bemessungsgrundlage für das eingesetzte be- triebsnotwendige Kapital sind also auf der Ak- tivseite der Bilanz vornehmlich die Restbuch- werte des materiellen und immateriellen be- trieblich genutzten Anlagevermögens sowie das betriebliche Umlaufvermögen, abzüglich des so genannten Abzugskapitals aus kurzfristigen, zinslosen Finanzierungen auf der Passivseite der Bilanz, die insbesondere aus kurzfristigen Rückstellungen, erhaltenen Anzahlungen und Vorauszahlungen, Lieferantenkrediten, zinslo- sen Gesellschafterdarlehen und sonstigen zins- losen Verbindlichkeiten bestehen. Dabei wird auf der Passivseite ceteris paribus unterstellt, dass die Eigenkapitalquote und damit der Ver- schuldungsgrad (V) unverändert bleiben und damit gleichmäßig auf die nicht betriebsnot- wendigen Vermögenswerte projiziert werden. Das betriebsnotwendige Kapital kann in Form der Realkapital- oder der Substanzerhaltung be- wahrt bleiben (sofern man die kalkulatorischen Kosten über den Marktpreis realisieren kann). terschiede in den Eigenkapitalquoten zwischen kleinen und großen Unternehmen sind weitge- hend verschwunden. In den letzten Jahren er- folgte der Anstieg ohnehin weitgehend bei den kleinen und mittleren Unternehmen, während die Eigenkapitalquoten der Großunternehmen sich seit 2014 kaum noch änderten. Die Annä- herung gilt aber nicht zwischen Kapitalgesell- schaften und Nichtkapitalgesellschaften, was sich vor allem mit den verschiedenen gesetzli- chen Haftungsregeln erklären lässt. Weitere Unterschiede in der Höhe, aber nicht in dem all- gemeinen Anstieg der Eigenkapitalquote, sind zwischen wirtschaftlich und finanziell in Kon- zernstrukturen eingebundenen und nicht kon- Eigenkapitalanteile der Unternehmen Die früher im internationalen Vergleich niedri- gen Eigenkapitalquoten in Deutschland haben sich seit Ende der 1990er Jahre um über 10 Prozentpunkte auf durchschnittlich rund 30% der Bilanzsumme im Jahr 2015 erhöht. In den Folgejahren stieg die Quote allerdings nur noch moderat an, sodass sich hier inzwischen eine Sättigung abzuzeichnen scheint 2 (vgl. Abbil- dung 1) 3 . Als eine wesentliche Ursache für das gestiege- ne Eigenkapital kann die Thesaurierung der Ge- winne angeführt werden. Grundsätzlich haben alle Unternehmen ihre Eigenkapitalquoten we- sentlich erhöht (vgl. Abbildung 2) 4 . Die Zuwächse erfolgten zum einen über alle Unternehmensgrößenklassen. Zum anderen hat sich die früher breite Streuung zwischen den Größenklassen erheblich reduziert, die Un- Abb. 1: Eigenkapitalquoten Abb. 2: Erhöhung der EK-Quoten Abb. 3: Aufstockung der EK-Quoten Bestimmung kalkulatorischer Eigenkapitalkosten

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