CONTROLLER Magazin 5/2019

48 die Aussagen der Experten eher auf ein reakti- ves Vorgehen hindeuten, schätzen viele be- fragte Experten die Kostenmanagementaktivi- täten ihres EVU als proaktiv oder zumindest auf dem Weg zu proaktiv ein. Die EVU müssen in den nächsten Jahren den Weg hin zu einem proaktiven Kostenmanage- ment finden bzw. weiter verfolgen. Dabei soll- ten möglichst alle Mitarbeiter mitgenommen werden, da die Umsetzung von Kostenmanage- mentaktivitäten in allen Hierarchiestufen not- wendig ist. Durch die Befragung der Experten konnten die vier Haupterfolgsfaktoren für Ver- änderung hin zu einem „idealen“ Kostenmana- gement identifiziert werden: Kommunikation, Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Akzep- tanz. Dabei kommt den Führungskräften wie- derum eine bedeutende Stellung zu. Zum einen können sie durch eine ehrliche Kommunikation zum richtigen Zeitpunkt sowie eine hohe Trans- parenz die notwendige Nachvollziehbarkeit und Akzeptanz auf der Mitarbeiterebene schaffen. Zum anderen können Führungskräfte durch vorbildliches Verhalten und kleine symbolhafte Maßnahmen zum Erfolg von Kostenmanage- mentaktivitäten beitragen. Literatur  Dellmann, K./Franz, K.-P., Von der Kosten- rechnung zum Kostenmanagement, in: Dell- mann, K./Franz, K.-P. (Hrsg.), Neuere Entwick- lungen im Kostenmanagement, Bern, Stuttgart, Wien 1994, S. 15-30.  Eckert, S.-M.: Strategieorientiertes Kosten- management in Unternehmensnetzwerken – Eine empirische Untersuchung der kooperati- onsbedingten Kosten. Gabler Verlag, Wiesba- den 2009.  Kajüter, P., Proaktives Kostenmanagement – Konzeption und Realprofile. Wiesbaden 2000.  Knauer, T./Möslang, K.: Einsatz und Wirkung von Target Costing in deutschen Unternehmen, in: Controlling – Zeitschrift für erfolgsorien- tierte Unternehmenssteuerung, 27. Jg., Heft 3, 2015, S. 160-165.  Pieper, T., Kostenmanagement in Energie- versorgungsunternehmen – Eine empirische Analyse unter besonderer Berücksichtigung des sektoralen Strukturwandels, Hamburg 2019. für eine gesteigerte Akzeptanz der Kostenma- nagementaktivitäten und erfolgreiche Verände- rungen im Kostenmanagement. Die Erfolgsfak- toren Kommunikation, Transparenz, Nachvoll- ziehbarkeit und Akzeptanz sind demnach eng miteinander verknüpft, so dass eine unreflek- tierte Herangehensweise zu negativen Auswir- kungen in nachfolgenden Schritten führen kann. Durch die Anreicherung unterstützender Faktoren erhalten die Haupterfolgsfaktoren den Charakter von Handlungsempfehlungen. So liegt auf Basis der Expertenaussagen die Ver- mutung nahe, dass beispielsweise eine gute Datenbasis oder eine gute Kostenübersicht ei- nen positiven Einfluss auf die transparente Dar- stellung von Kostenmanagementaktivitäten nehmen kann. Zusammenfassung Die Liberalisierung, die Regulierung und die Energiewende haben in den letzten Jahren zu einem steigenden Kostendruck in der Ener- giebranche und dadurch zu einer steigenden Bedeutung des Kostenmanagements in den EVU geführt. Diese Entwicklung wird nach Auf- fassung der befragten Experten in Zukunft fort- schreiten. Gleichzeitig kann der Anwendungs- stand des Kostenmanagements aktuell als deutlich ausbaufähig bezeichnet werden. Das Kostenmanagement ist in der Regel nicht institutionell in den EVU verankert, sondern ein integrativer Bestandteil des Controllings. Die Kostenpositionen werden auch heute noch über Wirtschaftspläne und Budgets ohne Fore- casts gesteuert und überwacht. Die üblichen Instrumente des Kostenmanagements werden in der Regel nur vereinzelt, nicht für das eigent- liche Ziel (z. B. Prozesskostenrechnung) oder nicht aus freiwilliger Proaktivität (z. B. Bench- marking) eingesetzt. Trotz der weitgehend feh- lenden Systematisierung des Kostenmanage- ments wurden in allen EVUs zumindest einzel- ne Kostensenkungsmaßnahmen oder sogar Kostensenkungsprogramme durchgeführt. Da- bei wurde mit der zeitlichen Kostenverschie- bung – häufig aus regulatorischen Gründen – eine neue Zielgröße der Kostenbeeinflussung verfolgt. Der technische Bereich war in der Vergangenheit überproportional häufig im Fo- kus von Kostensenkungsmaßnahmen. Obwohl erfolgsfaktoren und zahlreichen unterstützen- den Subfaktoren. Abbildung 5 gibt dazu einen strukturierten Überblick. Dabei liegen die Haupterfolgsfaktoren Kommunikation und Transparenz im Verantwortungsbereich der Führungskräfte, während Nachvollziehbar- keit und Akzeptanz auf der Mitarbeiterebene determiniert werden. Unter Kommunikation wird die Form der Bot- schaftsübermittlung verstanden. Der Inhalt ei- ner Botschaft wird durch die Kommunikation aber auch durch den Kommunikator, den Zeit- punkt oder den Ort bzw. Rahmen determiniert. Die Übermittlung der Botschaft kann in ver- schiedenen Formen (schriftlich, mündlich, Mi- mik, Gestik, etc.) erfolgen und über diverse Ka- näle verbreitet werden. Unter Transparenz wird eine adressatengerechte Informationsbe- reitstellung verstanden, um die Kostenmanage- mentaktivitäten aus der Mitarbeiterperspektive besser nachvollziehen zu können. „Viel Transparenz reinbringen, viel erklären, warum und was notwendig ist, viel zeigen wie Entwicklungen in der Zukunft sind, dass es an vielen Stellen auch notwendig sein wird, Kosten als einen wesentlichen Bestandteil mit reinzubringen. “ Die Nachvollziehbarkeit der Maßnahmen bzw. deren Notwendigkeit führt im positiven Falle zur Akzeptanz , kann im negativen Fall aber auch zur Ablehnung führen. Es ist denk- bar, dass durch eine transparente Kommunika- tion die fokussierte Veränderung von der Beleg- schaft nachvollzogen werden kann, jedoch nicht akzeptiert wird. Transparenz kann daher ebenso nachteilig sein, wenn dadurch die Ak- zeptanz einer Veränderung im Kostenmanage- ment verringert wird. Möchte ein EVU demnach Veränderungen im Kostenmanagement anstoßen, nimmt in chro- nologischer Reihenfolge die Kommunikation den ersten identifizierten Schritt ein. Dabei geht es nicht nur darum, die fokussierten Maßnah- men zu kommunizieren. Über den Inhalt der Botschaft sollte ebenso die Notwendigkeit ver- deutlicht werden. Kommunikation kann dem- nach Transparenz schaffen. Transparenz wie- derum ermöglicht ein höheres Maß an Nach- vollziehbarkeit und legt damit den Grundstein Kostenmanagement

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