CONTROLLER Magazin 5/2019

36 Durchlaufzeiten, der Rüstzeiten, sowie die Maximierung von Kapazitätsauslastung und Termintreue. Aus der Verfolgung dieser Ziele und dem Gebot der Optimierung derselben entsteht das von Gutenberg bereits Anfang der fünfziger Jahre des vorherigen Jahrhunderts beschriebene und auch so bezeichnete Dilemma der Ablaufpla- nung (siehe Abbildung 2). Gutenberg erkannte hierbei, dass die Sachziele sich zumindest teil- weise widersprechen und sich unter dem Gebot einer Maximierung oder Minimierung durch die konkurrierenden Zielbeziehungen zumin- dest unter damaligen Voraussetzungen ausge- schlossen haben. 5 Gerade zwischen der Minimierung der Durch- laufzeiten sowie der Maximierung der Kapazi- tätsauslastung besteht ein Zielkonflikt. So setzt eine minimale Durchlaufzeit der Aufträge in der klassischen Produktion im Extremfall voraus, dass genügend freie Kapazitäten zur Verfügung stehen oder die Losgrößen klein sind, um jeg­ liche Wartezeiten vor Maschinen zu vermeiden. Dies widerspricht aber der Maximierung der nannten Stakeholder, verfolgt eine Vielzahl an Zielen, die sich teilweise unterstützen, fördern, aber auch widersprechen und in einem Zielbil- dungsprozess zu den Formalzielen des Unter- nehmens werden. Diese sich eher an ökonomi- schen Zahlen orientierenden Formalziele, wie die Gewinnmaximierung (oder heute eher das Ziel, einen langfristigen, angemessenen Ge- winn oder einen stetigen langfristigen Wertzu- wachs des Unternehmens zu erreichen), sind meist abstrakt und erlauben es nicht, konkrete Handlungsempfehlungen und Maßnahmen ab- zuleiten. Daher werden aus ihnen insbesondere für die Fertigungs- und Logistikbereiche kon- krete Sachziele abgeleitet. Zu diesen Sachzie- len zählen die Minimierung der Bestände und ten – die sogenannte horizontale Integration – als auch vertikal die Produktionssysteme (Bearbeitungsplätze) zu vernetzen, wodurch Mensch und Maschine in Echtzeit kommunizie- ren sollen. 4 Das Dilemma der Ablaufplanung Nun zum Thema der verschiedenen Ziele inner- halb der Fertigung, dem daraus entstehenden Dilemma der Ablaufplanung und deren Lösung durch Industrie 4.0. Eine Unternehmung als Gebilde verschiedener Interessen- und Anspruchsgruppen, die soge- Autor Prof. Dr. Ulrich Schwarzmaier Studiendekan Bachelor Betriebswirtschaftslehre sowie für den Master Corporate Finance & Controlling; Professor für Rech- nungswesen an der Hochschule Fresenius in München. E-Mail: schwarzmaier@hs-fresenius.de Tel.: 089 200037349 Abb. 2: Das Dilemma der Ablaufplanung nach Gutenberg Das Dilemma der Ablaufplanung

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==