Controller Magazin 6/2019

67 finanzielle Zielgrößen einzelner Entscheidungs- träger. Zwangsläufig führt dies dazu, dass sich die interne Preisfindung in manchen Konzernen primär an den individuellen Zielvorgaben der beteiligten Parteien ausrichtet. Interne Ver- handlungen und entsprechend intransparente Intercompany-Preisbildungsprozesse, die nach steuerlichen Standards nur eingeschränkt überprüft bzw. dokumentiert werden können, folgen in diesen Unternehmen damit aus- schließlich betriebswirtschaftlichen Zielsetzun- gen und nicht steuerlichen Grundregeln wie etwa der des Fremdvergleichsgrundsatzes. Steuerliche Risiken sind die Folge, auch wenn ein neutraler Beobachter einer konzerninternen Preisverhandlung durchaus den Eindruck von fremdüblichem Verhalten bekommen kann. Die Abbildung 1 illustriert unterschiedliche Zielset- zungen von Verrechnungspreisen aus Sicht von Controlling und Tax. Die Komplexität des internationalen Steuer- rechts, gepaart mit dem Steuergeheimnis und damit einhergehender kommunikativer Zurück- haltung, erschwert es Controllern bisweilen, die steuerlichen Aspekte des Transfer Pricing um- fassend zu durchdringen und in die Tätigkeit einfließen zu lassen. Aufgrund der jüngeren Entwicklungen im regulatorischen Umfeld wird dies nun dringend erforderlich. Volatilität und Dynamik im Steuerrecht Heute ist bekannt, dass tendenziell amerikani- sche, technologiefokussierte Konzerne ihre Verrechnungspreissysteme aggressiver steuer- lich optimiert haben als etwa deutsche Konzer- ne. Seit der Jahrtausendwende begann nicht zuletzt vor diesem Hintergrund auf der Seite der Steuerlegislative eine unaufhörliche Dynamik. In vergleichsweise kurzer Zeit haben die Fi- nanzverwaltungen vieler Länder bemerkt, dass hier möglicherweise massiv Steuersubstrat ver- loren geht – die Vorstellung des untaxed Dollar auf einer Karibikinsel ist geradezu sinnbildlich. Abb. 1: Klassisch-funktionale Sichtweise auf Verrechnungspreise Abb. 2: Staatliche vs. Unternehmensinteressen CM November / Dezember 2019

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