Controller Magazin 6/2019

53 antwortung der ersten vier Aufgaben herange- zogen. Die korrekte Lösung der Fragen wurde dabei außer Acht gelassen. Die so kalkulierten Mittelwerte der beiden Testvarianten zeigen einen signifikanten Vorteil der graphisch- visuell aufbereiteten Daten (Variante B), mit Hilfe derer die Vpn die Aufgaben innerhalb von durchschnittlich 08:28 min lösen konnten, im Vergleich zur klassischen Tabellendarstellung (Variante A) mit 09:33 min. In Abbildung 2 wurde neben der Testvariante auch die Altersgruppe (Low ≤30; Medium 31- 44; High ≥45 Jahren) als Unterscheidungs- merkmal überprüft. Es zeigt sich, dass die Al- tersgruppe High die Fragen mit 08:59 min. in Testvariante A am schnellsten beantworten konnte, jedoch in Testvariante B zurückfällt, während die Gruppen Low und Medium von den Diagrammen profitieren und deutlich schneller sind als in Variante A. Dies könnte in der Berufserfahrung begründet sein, derent­ wegen die Gruppe High deutlich geübter im Umgang mit Tabellen ist, während aufwendig händisch angefertigt Diagramme vor der flä- chendeckenden Einführung entsprechend an- wenderfreundlicher Softwarelösungen deutlich seltener zum Einsatz kamen, im Alltag der Gruppen Low und Medium aber auch außerhalb des Arbeitsplatzes zunehmend verbreitet sind. Entscheidungsqualität Der Mittelwert der Entscheidungsqualität wur- de über die korrekte Lösung der Aufgaben 1-5 innerhalb der vorgegebenen maximalen Zeit er- führt. Im anschließenden Posttest wurde ne- ben subjektiven Fragen zur Wahrnehmung des Tests erneut die präferierte Darstellungsart abgefragt, um unterschiedliche kognitive Ten- denzen zu identifizieren und mögliche Zusam- menhänge zwischen einer eventuellen Ver- schiebung der Tendenzen der Vpn und deren Ergebnissen offenzulegen. Testvarianten im Vergleich Bei der Testvariante A handelt es sich mit der klassischen Visualisierung um flache bzw. Pi- vot-Tabellen. Auf visuelle Hervorhebungen wurde komplett verzichtet. Für die Variante B wurden Diagramme oder Tabellen mit gra- phisch-visuellen Effekten (Sortierung, Einfär- bung von positiven bzw. negativen Werten) ge- wählt (vgl. Abbildung 1). Ergebnisse Zur Vorprüfung der genannten Hypothesen wurden die genannten Variablen herangezogen und durch bspw. Histogramme, Shapiro-Wilk- oder Levene-Tests auf Tauglichkeit geprüft. Zur Validierung der eigentlichen Hypothesen wur- den sowohl gerichtete als auch ungerichtete T- Tests durchgeführt. Entscheidungsgeschwindigkeit Für die Auswertung der Entscheidungsge- schwindigkeit wurde die benötigte Zeit zur Be- ihrer Visualisierung. Die Vpn mussten in den verschiedenen Aufgaben unterschiedliche Prozesse zur vollständigen Aufgabenlösung bewältigen. Als unabhängige Variable in die- sem Experiment wurde die Testvariante defi- niert, als abhängige Variablen neben den drei Kernfragen Entscheidungsqualität (Fehlerra- te), -geschwindigkeit, -sicherheit unter ande- rem die Erfahrung der Vpn und deren gefühl- tes Zeitempfinden. Testszenario Auf einer ersten einleitenden Seite wurden Ziel der Umfrage, Testablauf, Zeitaufwand, Abkür- zungen und Notation sowie das Szenario vorge- stellt 16 . Zusätzlich wurden die Vpn nach ihrer bevorzugten Darstellungsart befragt, wobei sie zwischen Tabellen, einer ausgewogenen Visua- lisierung, Diagrammen und jeweils einer inter- mediären Option wählen konnten. Beim Hauptteil handelt es sich um sogenannte Niveautests (Powertests). Die Daten und Be- richte sind so ausgewählt und angeordnet, dass ein abwärtsgerichteter Drill Down inner- halb der Daten entsteht, also jede nachfolgen- de Aufgabe schwieriger als die vorhergehende ist 17 . Die Vpn sollten insgesamt fünf unter- schiedliche Aufgaben mit jeweils drei bis sechs Fragen beantworten. Für die ersten vier Auf- gaben wurde ein Zeitlimit von jeweils fünf Mi- nuten vorgegeben. Zusätzlich wurde die für jede Aufgabe benötigte Zeit gemessen. Die fünfte Aufgabe wurde als Reaktionstest mit maximal 15 Sekunden pro Frage durchge- CM November / Dezember 2019 Abb. 2: Altersgruppen im Vergleich (Entscheidungsgeschwindigkeit)

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==