Controller Magazin 6/2019
49 24/2015, S. 1-8; Dengler, K./Matthes, B.: Sub- stituierbarkeitspotenziale von Berufen, IAB- Kurzbericht 4/2018, S. 1-12. 4 Die Prozentzahlen ergeben sich nach Eingabe der Berufsbezeichnungen im sog. Job-Futuro- mat. Vgl. https://job-futuromat.iab.de/. IAB ist die Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit und steht für Institut für Arbeits- markt- und Berufsforschung. 5 Vgl. bspw. das Praxisbeispiel zur Umsatzprog- nose mittels linearer Regression bei McDonalds Deutschland von Horstenkamp/Göbel: Predic tive Analytics bei McDonald´s. In: CM 2/2019, S. 10-15. 6 Vgl. Manutiu, S.: Mehrwert durch Robotic Pro- cess Automation. In: Controlling, 3/2018, S. 4-10; PWC: Digitalisierung im Finanz- und Rechnungswesen und was sie für die Ab- schlussprüfung bedeutet, 2018, S. 1-52; Be- cker, W./u. a.; Industrie 4.0. In: Controller Ma- gazin 1/2018, S. 84-88; Botar, A./u. a.: Die Roboter sind da. In: Controller Magazin 3/2018, S. 73-76; Anhäuser, V.: Die Grenzen der Digi talisierung im Treasury, 1/2018, S. 20; Weber, J.: Digitalisierung – sind Controller kleinerer Unternehmen dieses Mal im Vorteil? In: Con troller Magazin 2/2018, S. 25. 7 Vgl. Manutiu, S.: Mehrwert durch Robotic Pro- cess Automation. In: Controlling, 3/2018, S. 4-10; PWC: Digitalisierung im Finanz- und Rechnungswesen und was sie für die Ab- schlussprüfung bedeutet, 2018, S. 1-52; Be- cker, W./u. a.; Industrie 4.0. In: Controller Ma- gazin 1/2018, S. 84-88; Botar, A./u. a.: Die Roboter sind da. In: Controller Magazin 3/2018, S. 73-76; Anhäuser, V.: Die Grenzen der Digita- lisierung im Treasury, 1/2018, S. 20; Weber, J.: Digitalisierung – sind Controller kleinerer Unter- nehmen dieses Mal im Vorteil? In: Controller Magazin 2/2018, S. 25. 8 Vgl. Gloger, A.: Betriebswirtschaftsleere, Frankfurt a.M. 2016, S. 184. Content, also Arbeitspakete, im Rahmen span- nender Projektarbeit liefern (eine Art „inverted classroom“). Dazu müssen Studierende in der Lage sein, aus den vielen Wissensangeboten die Gescheiten auszuwählen, Kriterien zur Be- urteilung entwickeln und anwenden, Wider- sprüche im Team diskutieren sowie die anderen Projektmitglieder über die wichtigsten Ergeb- nisse aus ihren Arbeitspaketen informieren. Da so auch die Zusammenarbeit in der Firmenpra- xis funktioniert, stellt das einen sinnvollen An- satz aus Sicht der Nachwuchskräfte dar. Dass dies alles Auswirkungen auf die üblichen Prü- fungsformen und die Intensität der Studieren- denbetreuung hat, ist klar. Aber ich glaube, dass dem Vermitteln von kreativen Lösungen („Know-how“) die Zukunft gehört und nicht weiter dem zurecht als trocken und langweilig empfundenen Faktenbüffeln („Know-that“). Fazit Digitalisierung, so der Beginn meiner Ausfüh- rungen, kann erheblich zur Fremdbestimmung und Normierung von Verhalten führen. Eine mo- difizierte Hochschullehre in der oben skizzierten Form kann dem entgegenwirken. Denn sie för- dert unsere geistige Autonomie. Nur die Schu- lung kritischer Denkfähigkeit lässt uns bspw. erkennen, dass das derzeit propagierte autono- me Fahren ein einziger Etikettenschwindel ist: Hier wird man gefahren, was voll das Gegenteil von autonom ist. Als ich ein Junge war, wollte ich so schnell als möglich fähig sein, selbst ein Auto zu lenken. Warum sonst sollte ich erwach- sen werden? Und warum sollte ich mir das wie- der nehmen lassen? Aus dem gleichen Grund werde ich mir weder eine Fitness-App, noch ei- nen „smarten“ Kühlschrank zulegen. Fußnoten 1 Schallmo, D./Reinhart, J./Kuntz, E.: Digitale Transformation von Geschäftsmodellen erfolg- reich gestalten, Wiesbaden 2018, S. 7. 2 Vgl. Wambach, A./Müller, H.C.: Digitaler Wohlstand für alle, Frankfurt a.M./New York 2018, S. 120-122. 3 Vgl. Dengler, K./Matthes, B.: Folgen der Digi- talisierung für die Arbeitswelt, IAB-Kurzbericht fremden Land oder die unternehmensweite Ein- führung eines neuen ERP-Systems. Dabei braucht es gerade mehr an „Jugend forscht“- Mentalität, mehr an „Versuch und Irrtum“, denn viele Problemstellungen in der Wirtschaft ken- nen nicht nur genau die eine gültige Lösung (außer halt die trivialen Probleme, die Kollege Softwareroboter künftig schneller und langfris- tig billiger löst). Studierende müssen, analog ei- ner Ausbildung zum Flugkapitän, jeweils als Crew verstärkt in Flugsimulatoren während ih- res Studiums gesteckt werden. Dieses Gefühl vermitteln insbesondere umfangreichere Fall- studien und anspruchsvolle Planspiele in höhe- ren Semestern, die für alle verpflichtend sein sollten. Erwägenswert ist auch das Einrichten von „Übungsfirmen“, wie es die Unternehmens- beratung McKinsey in einer eigenen Lehrstätte in München praktiziert: In diesen Firmen (von der Ölfirma bis zum Weinladen) müssen die Teilnehmer (Mitarbeiter von Beratungskunden) reale Aufgaben bewältigen, die ihnen aus un- terschiedlichen Funktionsbereichen und Bran- chen begegnen. 8 Befähigung zum selbständigen Lernen Die Befähigung zum selbständigen Lernen ist ein weiterer wichtiger Anforderungspunkt für die Lehre der Zukunft: Aufgrund der bestehen- den Wissensexplosion, die die Digitalisierung weltweit befeuert, stehen Dozenten an Hoch- schulen immer mehr vor dem Dilemma, ihr ur- eigenes Fachgebiet nicht mehr in Gänze über- blicken zu können. Sogar der legendäre und nicht ganz uneitle Dieter Schneider, ehemaliger BWL-Professor an der Universität Bochum, ge- stand dies schon Anfang der 1990er Jahre im Vorwort seines Werkes „Investition, Finanzie- rung und Besteuerung“ ein. Die Hochschulleh- rer müssen also künftig in einigen Teilbereichen damit rechnen, dass ihnen engagierte Studie- rende mit ihrem frisch für einen Vortrag erar- beiteten Wissen überlegen sind. Der Lehrer muss dann zum Moderator, zum „Einordner“ des Vorgetragenen werden. Der Anspruch des „akademischen Alles- und Besserwissers“ ist aufzugeben. Vielleicht sollte man als Professor in höheren Semestern künftig ein Projektleiter oder Koordinator sein, während die Studieren- den in überschaubaren Teams den eigentlichen CM November / Dezember 2019
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