Controller Magazin 6/2019
37 gaben und Funktionen. In diesem Beitrag er- folgt eine Beschränkung auf folgende Instru- mente, die für das Beteiligungscontrolling be- sonders relevant sind: 1. Berichtswesen Das Berichtswesen dient primär der Informa tionsversorgung von Entscheidungsträgern und infolgedessen im Beteiligungscontrolling zur Schaffung von Transparenz über die geschäftli- che Entwicklung der Beteiligungen. 5 Es enthält wesentliche entscheidungsunterstützende In- formationen, Koordinations-, Planungs- und Kontrolldaten 6 und spannt somit eine Brücke zwischen dem Informationsversorgungs-, Pla- nungs- und Kontrollsystem sowie der Konzern- leitung beziehungsweise dem Beteiligungsma- nagement. Die Entwicklung sowie Pflege des Berichtswesens und des Informationssystems umfassen insbesondere folgende Aufgaben: 7 · · „Einsammeln“ der dezentralen Berichte · · Plausibilitätsprüfung der übermittelten Daten · · Weiterverarbeitung, Zusammenfassung, Konsolidierung und Ergänzung der Berichte der dezentralen Einheiten · · Rücksprache mit Beteiligungen und Kommentierung von Abweichungen · · Abweichungsanalyse und Generierung von Gegensteuerungsmaßnahmen · · Managementgerechte Aggregation und Dar- stellung der dezentral zusammengestellten Berichtsdaten Das Berichtswesen lässt sich als Summe aller Berichte in einem Konzern beschreiben, wobei die Beziehungen zwischen einzelnen Berichten inhaltlicher, zeitlicher und struktureller Art sein können. 8 Auf operativer Ebene beinhalten diese Daten, die sowohl aus dem externen als auch dem internen Rechnungswesen stammen. Die- se Daten können wiederum mittels Kennzahlen ausgewertet und verdichtet werden. Neben den quantitativen und monetären Kennziffern kommt auch qualitativen Informationen eine hohe Bedeutung zu, denn sie transportieren in der Regel spezifische Einzelinformationen, die durch die Verdichtung mittels Kennzahlen ver- loren gehen können. Informationen mit quali tativem Charakter sind beispielsweise Kom- mentierungen und Erklärungen von monetären Größen bei Abweichungen. 9 Auf strategischer Ebene erfolgt die Integration von Informationen, die sich auf das Wertsteigerungspotential, die Marktattraktivität oder generelle Umweltverän- derungen einer Beteiligung beziehen. 10 Die Ag- gregation des Berichtssystems kann je nach Ausgestaltung des Konzerns in verschiedenen Ebenen vorgenommen werden. 11 Insbesondere die Komplexität, Flexibilität und Automatisie- rung dieses Systems variiert von Unternehmen zu Unternehmen. Dennoch stellt in der Regel der Vergleich von Plan- und Ist-Daten einen Kernpunkt des Berichtswesens dar und unter- stützt die Steuerungsabsicht von Beteiligungen. 2. Kennzahlen zur Steuerung von Beteiligungen Basierend auf dem Berichtswesen werden im Rahmen der Konzernsteuerung und der Er- folgsbeurteilung von Beteiligungen häufig Kennzahlen eingesetzt. Die Grundlage für die zumeist monetären Kennzahlen bilden dabei primär Daten des externen und internen Rech- nungswesens. 12 Generell können Kennzahlen als quantitative Daten bezeichnet werden, die eine Abbildung der Realität in konzentrierter Form wiedergeben sollen und somit betriebs- wirtschaftliche Sachverhalte transparent und komplexitätsreduziert darstellen. 13 Die Auswahl zweckmäßiger Kennzahlen und die gleichzeitige Vermeidung eines „Kennzahlen dschungels“ und ggf. daraus resultierenden Fehlsteuerungen stellt eine große Herausforde- rung für das Beteiligungscontrolling dar. 14 Auf- grund der Vielzahl möglicher Kennzahlen soll Abbildung 1 eine Auswahl relevanter Steue- rungsgrößen für das Beteiligungscontrolling be- reitstellen. 15 3. Wertorientierte Steuerung Die wertorientierte Unternehmenssteuerung verfolgt die Zielsetzung, den Marktwert des Ei- genkapitals zu steigern und basiert auf dem Shareholder-Value-Konzept, welches aufgrund der Kritik an den traditionellen, aus dem exter- nen Rechnungswesen entspringenden, Kenn- zahlen entstand. Vor allem die einperiodische Vergangenheitsbetrachtung, die Vernachlässi- gung des Zeitwertes des Geldes, die mangeln- de Verbindung zum Kapitalmarkt und die aus- bleibende Berücksichtigung von Eigenkapital- kosten werden kritisch bewertet. 16 So sollte auch das primäre Ziel des Beteili- gungscontrollings sein, Wertsteigerungspoten- tiale auf der Ebene der Beteiligungen im Hin- blick auf den Gesamtwert des Konzerns zu er- kennen und zu realisieren. Aus dieser Zielset- zung lassen sich für das Beteiligungscontrolling folgende Teilaufgaben ableiten 17 : · · Kontrolle des Akquisitionserfolgs · · Periodische Kontrolle der Entwicklung des Beteiligungswertes anhand von Vergleichen der ex-post und der ex-ante Perspektive · · Steuerung der Beteiligungen anhand von phasenübergreifender Performancemessung · · Beobachtung von Desinvestitionssignalen Grundsätzlich bieten wertorientierte Kennzah- len Entscheidungskriterien, die das Beteili- gungscontrolling und Management bei der Zu- teilung von Ressourcen unterstützen und dabei das Ziel der Unternehmenswertmaximierung berücksichtigen. 18 Der Aufbau eines wertorien- tierten Kennzahlensystems sollte dabei an die hierarchische Struktur eines Konzerns ange- passt sein. Klassische Instrumente der wertori- entierten Unternehmensführung sind CRFOI, EVA, MVA und CVA. 19 4. Weitere Instrumente Zu den bisher ausgewählten Instrumenten ließe sich diese Aufzählung beliebig fortsetzen, für das Beteiligungscontrolling erscheinen folgen- de vier weitere Instrumente jedoch als beson- ders relevant: Verrechnungspreise: Unter Verrechnungs- preisen versteht man die monetäre Bewertung von Leistungen, die zwischen selbständigen Unternehmensbereichen oder Gesellschaften einer Unternehmensgruppe ausgetauscht werden. Da die Erfolgssituation von Beteiligun- gen durch die Verrechnungspreisbestimmung beeinflusst wird, tangieren sie auch das Betei- ligungscontrolling. Generell können die Ver- rechnungspreise auf einen konzernexternen oder -internen Kontext ausgerichtet sein. Bei den internen Funktionen kann primär zwi- schen der Lenkungsfunktion, im Hinblick auf CM November / Dezember 2019
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