Liebe Leserinnen und Leser, auf der Messe „Best of Events“, die im Januar in Dortmund stattfand, wurde viel über die aktuellsten Trends diskutiert (siehe Bericht ab Seite 46). Am eindringlichsten blieb mir der Trend zur „Tiktokisierung“ in Erinnerung. Wer zu einem Kongress einlädt, muss demnach in Zukunft damit rechnen, dass das Publikum einem Redner nur noch für kurze Zeit seine Aufmerksamkeit schenkt und nach 20 Minuten sich zum Entspannen auf eine Yogamatte legen will. Überhaupt soll generell auf den Events eine entspanntere Atmosphäre herrschen, sodass alle mit allen unkompliziert ins Gespräch kommen. Für die Speaker besteht die Herausforderung darin, dass es nicht ausreicht, ein paar Passagen ihrer Reden einfach wegzulassen. In der Praxis klangen im vergangenen Jahr einige 20-Minuten-Reden so, als ob der Redner oder die Rednerin aus Versehen viel zu früh aufgehört hätte. Apple-Gründer Steve Jobs hat perfekt komponierte Reden gehalten und war oft schon nach 15 Minuten fertig! Er wusste schon vor Jahren, dass die meisten Menschen nicht mehr als drei Dinge gleichzeitig wirklich gut verstehen und behalten können. Für Veranstalter besteht die Herausforderung darin, auch die prominenten Redner konsequent nach 20 Minuten zum Aufhören zu zwingen und die so eingesparte Zeit mit Wellnessangeboten zu füllen. Und wenn es dann in die Arbeitsgruppen geht, sollten die natürlich interaktiv sein und die erarbeiteten Inhalte müssen sofort online als Video oder gar Podcast zur Verfügung stehen und in den sozialen Medien geteilt werden. Die wichtigste Botschaft der Messe „Best of Events“ richtet sich unter dem Strich wohl an die Veranstalter. Sie sollten ausreichend Zeit einplanen für alle Arten von Begegnungen unter den Teilnehmenden, denn diese suchen in erster Linie den (substanzhaltigen!) Austausch mit anderen aus ihrer Organisation, ihrer Branche oder ihrer Profession. Der Wunsch nach Zugehörigkeit ist laut Studien (siehe ab Seite 46) gerade auch in Krisenzeiten ein wichtiger Grund, sich aufzuraffen und zu einer Tagung, einem Kongress oder zu einem besonderen Event zu gehen. Mit herzlichen Grüßen Martin Pichler Chefredakteur „Wer einen Kongress besucht, wird in Zukunft eine Yogamatte unter dem Arm mit sich herumtragen.“ tagen Editorial tagen 01.25
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