Tagen 1/2024

tagen tagen 01.24 40 Foto: Martin PIchler tagen: Kirchliche Bildungshäuser standen früher ausschließlich ehrenamtlich und hauptberuflich Engagierten in der Kirche offen, waren von Wirtschaftlichkeit weit entfernt. Was hat den Beginn des Transformationsprozesses im Tagungszentrum Schmerlenbach ausgelöst? Berthold Uphoff: Als ich im Jahr 2002 nach zwölf Jahren als Trainer und Tagungsleiter in Schmerlenbach die Leitung des Hauses übernahm, waren wir ein Zuschussbetrieb. Ich musste überlegen, wie ich das Haus erfolgreich steuern und wirtschaftlich führen kann, ohne mich nur auf mein Bauchgefühl zu verlassen. Ich brauchte Zahlen: Belegzahlen, Umsatz, Kosten, Umsatz pro Gast, Umsatz pro Zimmer, Umsatz pro Mitarbeitendem. Ich kannte das Haus ja sehr gut und wusste um sein Potenzial als Tagungsstätte. Und mit den betriebswirtschaftlichen Kennzahlen kam auch der Fokus auf neue Zielgruppen? Wenn man betriebswirtschaftlich denkt, muss man dynamisch denken und auf Veränderungen reagieren. Wir waren sehr früh offen für nicht-kirchliche Gäste und den Tagungsmarkt. Andere kirchliche Häuser waren da vorsichtiger und sahen die Gefahr, dass damit ihre kirchlich-religiöse Identität verloren gehen könnte. Neben dem Kennzahlensystem haben wir eine Belegsoftware eingeführt und erste Mar- „ Alles wirkliche Leben ist Begegnung“ Von Uta Müller Ohne Berthold Uphoff wäre das Tagungszentrum Schmerlenbach nicht das, was es heute ist: ein modernes, gastliches Tagungshotel, das aus einem traditionellen kirchlichen Bildungshaus des Bistums Würzburg entstanden ist. Für die überaus schwierige, aber erfolgreiche Transformationsarbeit wurde Uphoff mit dem Titel „Tagungshotelier 2023“ ausgezeichnet. ketingmaßnahmen ergriffen. Wir gehörten bundesweit auch zu den ersten Häusern, die eine Hotelklassifizierung hatten. Das war für unseren kirchlichen Träger – der weniger dynamisch als statisch denkt und handelt – eine große Herausforderung. Unterschiedliche Ausprägungen der Alleinstellungsmerkmale und der Entwicklungsprozesse einzelner Häuser des Bistums waren nicht erwünscht. Die Entwicklung in Richtung Tagungshotel wurde äußerst kritisch gesehen: „Wir sind doch kein Hotel, sondern Kirche“, bekam ich häufig zu hören. Wie haben Sie es geschafft, dass Schmerlenbach sowohl als modernes Tagungszentrum als auch als spiritueller Ort wahrgenommen wird? In der benediktinischen Tradition, die bis 1808 hier gelebt wurde, ist eine Tradition der Gastfreundschaft verankert, die ich auf neue und zeitgemäße Weise mit meinem Team lebe. „Allen Gästen nehme man sich mit aller Aufmerksamkeit gastfreundlich an“, fordert der heilige Benedikt. Wir sind ein offenes Haus, Begegnung mit anderen Menschen, aber auch mit sich selbst und – wenn man will, auch mit Gott – bestimmt unser Leitbild und unseren Alltag. Zunächst einmal interessieren wir uns deshalb für den Menschen und die Frage, was ihn bewegt und was er braucht. Das zeigt sich zum Beispiel darin, dass wir versuchen, den Veranstaltungsrahmen „ Wenn man betriebswirtschaftlich denkt, muss man dynamisch denken und auf Veränderungen reagieren.“ Dr. Berthold Uphoff, Tagungszentrum Schmerlenbach in Hösbach www.schmerlenbach.de

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==