tagen tagen 02.25 54 Erfolgreiche Speaker wissen, dass die Basis für lebendige Fragen nach einem Vortrag bereits während des Vortrags gelegt werden muss. Statt alle Aspekte bis ins kleinste Detail zu erklären, kann man bewusst offene Schleifen einbauen. Rhetorikexperten raten zum Beispiel: Redner sollten eine These andeuten, ohne sie vollständig auszuführen und auf die kommende Fragerunde verweisen – frei nach dem Motto: „Darauf könnten wir noch tiefer eingehen – vielleicht in der Fragerunde.“ Diese kleinen Lücken erzeugen eine natürliche Neugier, die sich später in konkreten Nachfragen entlädt. Besonders wichtig ist dabei die Relevanz der Rede für die aktuelle Lebenswelt des Publikums. Je stärker die Zuhörer während einer Rede den Bezug zum eigenen Alltag spüren, desto eher werden sie nachhaken wollen. Formulierungen wie „In Ihrer Branche heißt das konkret …“ oder „Übertragen auf Ihren Arbeitsalltag bedeutet das …“ laden förmlich zu konkreten Nachfragen ein. Menschen sind insbesondere dann neugierig, wenn sie einen direkten Nutzen für sich erkennen. Ein weiterer wirkungsvoller Ansatz besteht darin, Impulse zu setzen, statt endgültige Antworten zu liefern. Wer alle Fragen selbst beantwortet und absolute Wahrheiten verkündet, hinterlässt wenig Gesprächsbedarf. Manchmal ist es die Aufgabe insbesondere von Keynote-Speakern, ihr Publikum zu einer bestimmten Einsicht hinzuführen und mit einer Aufforderung zum Handeln zu enden, aber der „normale“ Experte sollte besser verschiedene Optionen und Perspektiven aufzeigen und abwägen – das regt das Publikum dann zum Nachdenken an und weckt den Wunsch nach Vertiefung. Entscheidend ist, dass die Fragerunde aktiv vorbereitet wird Der Übergang zur Fragerunde entscheidet maßgeblich über deren Erfolg. Statt der abgenutzten Floskel „Gibt es Fragen?“ sollte man konkrete und einladende Formulierungen wählen. Redner könnten sagen: „Mich interessiert: Was ist Ihnen beim Zuhören als Erstes durch den Kopf gegangen?“ oder „Welche Erfahrungen haben Sie selbst mit diesem Thema gemacht?“ Solche Fragen sind persönlicher und zeigen echtes Interesse an der Perspektive des Publikums. Falls zunächst Stille herrscht, könnte man als Redner den Moderator bitten, mit vorbereiteten Starterfragen die Hemmschwelle zu senken. Oder der Redner sagt selbst: „Oft werde ich an dieser Stelle gefragt, ob …“ oder „Eine Das kennt jede Rednerin und jeder Redner: Nach einem Vortrag herrscht Stille im Raum, obwohl die Zuhörenden interessiert wirkten. Ein Moderator ruft verzweifelt: „Gibt es noch Fragen?“. Lebendige Diskussionen entstehen nach einem Vortrag nicht zufällig. Sie müssen gezielt herbeigeführt werden. Bereits während des Vortrags sollten die richtigen Weichen gestellt werden, sagen die Rhetorikprofis. Das Publikum motivieren, Fragen zu stellen Von Martin Pichler typische Rückfrage, die ich höre, lautet …“ Das signalisiert, dass Fragen normal und erwünscht sind. Die erste Person, die eine Frage stellt, verdient besondere Wertschätzung. Ein herzliches „Danke, das ist eine wichtige Perspektive“ oder „Schön, dass Sie das ansprechen“ macht andere mutiger. Positive Verstärkung ist ein mächtiges Werkzeug, um die Diskussionsbereitschaft im gesamten Publikum zu steigern. Was fast jeder gerne vergisst: Die Körpersprache „spricht“ mit Die Körpersprache eines Speakers sendet wichtige Signale an das Publikum. Schaut er offen in den Raum, verschränkt er die Arme nicht und zeigt er durch seine Präsenz, dass er wirklich zugänglich ist, dann klappt es auch mit dem Dialog. Viele Speaker unterschätzen die Kraft nonverbaler Kommunikation – dabei entscheidet oft der erste Eindruck darüber, ob sich jemand traut zu fragen. Ein häufiger Fehler ist das zu schnelle Weitermachen nach der Einladung zum Fragen. Man halte als Redner nach der Aufforderung zum Fragen mindestens sieben bis zehn Sekunden still. Diese Wartezeit fühlt sich länger an, als sie ist, aber sie gibt dem Publikum die nötige Zeit zum Nachdenken und Mut fassen. Viele Speaker, aber vor allem die Moderatoren einer Tagung, brechen zu früh ab und verspielen so wertvolle Diskussionschancen. Die Moderatoren sollten die Fragen nicht als Prüfungsaufgabe behandeln, sondern eine echte Dialogatmosphäre schaffen. Kurze Rückfragen wie „Habe ich Ihre Frage richtig verstanden?“ oder „Meinen Sie damit …?“ zeigen Wertschätzung und helfen
RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==