Porträts 45 Die neueste Ausgabe des Buchs „Top 250 Germany – die besten Tagungshotels in Deutschland 2025/2026“ überraschte uns wie immer in den vergangenen Jahren mit einigen bemerkenswerten Neuzugängen. Noch erfreulicher ist allerdings, dass mittlerweile 71 der im Buch erwähnten Tagungshotels von einer Frau alleine geführt werden (Ehepaare oder Geschwister als Geschäftsleitung wurden nicht mitgezählt). Mit diesem Artikel wollen wir hinter die Erfolgsrezepte einer kleinen, zufälligen Auswahl von Powerfrauen blicken. „Ich liebe es, Gäste zu überraschen“ Sabine Frankfurth, Parkhotel Emstaler Höhe. „Die Bedürfnisse der Gäste genau abfragen, ihre Erwartungen möglichst erahnen und diese dann mit einem Überraschungsmoment erfüllen“, das ist eine der Erfolgsstrategien von Sabine Frankfurth, der Geschäftsführerin vom Parkhotel Emstaler Höhe im nordhessischen Bad Emstal (52 Zimmer, 7 Tagungsräume, www.emstalerhoehe.de). „Wenn die Tagungsgruppe eine Wanderung bei uns im Habichtswald gebucht hat, überraschen wir sie zum Beispiel mit einem ungeplanten Stopp am Wegesrand, diese Momente liebe ich an meinem Beruf.“ Als gelernte Köchin heiratete sie in den schwiegerelterlichen Hotelbetrieb ein, durchlief nach und nach alle Abteilungen, zwischenzeitlich gab es auch zwei Betriebe gleichzeitig, das Aufgabenfeld wuchs bis zur Geschäftsführung. „Mit 30 Jahren hatte ich drei Kinder, ein Haus und zwei Unternehmen.“ Wie alle erfolgreichen Chefinnen hat Frankfurth Freude daran, Menschen zu begeistern, und zwar alle Menschen in ihrer Verschiedenheit, egal ob Gäste oder Mitarbeitende. Als Vorbild dient ihr Klaus Kobjoll vom Schindlerhof. Sowohl die Schönheit des Schindlerhofs in der Nähe von Nürnberg hat sie beeindruckt als auch seine menschliche Mitarbeiterführung. „Bei ihm agierte ein tolles Team, sehr nah am Gast. Das propagierte er. Und das konnte man als Gast auch tatsächlich spüren. Genau das versuche ich auch zu erreichen.“ Viele Stammgäste sind der Meinung, dass mir und meinem Team das auch gelingt. Was Frauen in Führungspositionen auszeichnet? Frankfurth betont: Frauen seien empathischer, sie schauten hinter das Gesicht. „Wir sehen eher den ganzen Menschen, nicht nur das, was er zeigt, sondern auch das, was ihn bewegt.“ „Ich suche nie nach Schuldigen“ Andrea Steyer, Hotel Haus Delecke in Möhnesee. „Man muss als Hotelier ein Menschenfreund sein“, betont Andrea Steyer, Direktorin und frisch gebackene Geschäftsführerin des Hotels Haus Delecke am Möhnesee (39 Zimmer, sechs Tagungsräume, www.haus-delecke.de). Dorthin kommen nicht nur viele Tagungsgruppen. Mit Hochzeiten am See und privaten Feiern in der Remise muss ihr Team ganz unterschiedliche Gäste zufriedenstellen. „Ich liebe die Abwechslung, jeder Tag ist anders, das ist anstrengend, aber auch spannend.“ Und die Mitarbeitenden seien ja auch Menschen, die für Abwechslung sorgten und die gehört werden wollten. „Ich nehme mir Zeit für sie, egal ob Abteilungsleiterin, Koch oder Zimmermädchen, sie sollen wissen, dass ich nicht da oben auf dem Thron sitze, sondern mit ihnen zusammenarbeite“, sagt Steyer. Sie stammt von der Ostsee, arbeitet in Westfalen am Möhnesee und wurde ausgerechnet am Weltfrauentag zum ersten Mal Direktorin eines Hotels. Sie ist auch noch vom Sternzeichen her ein Stier, der nach Meinung vieler Astrologen seine gesteckten Ziele hartnäckig verfolgt. „Manche nennen es stur, aber ich bin schon recht beharrlich, wenn ich weiß, wo ich hinwill – nämlich nach vorne“, schmunzelt die Geschäftsführerin. Das wichtigste sei, im Team Kompetenzen aufzubauen und die Mitarbeitenden erfolgreich mitzunehmen, was ihr dank ihres Kommunikationstalents offenbar gut gelingt. „Kommunikation war schon immer meine Stärke, ich treffe wohl schnell den richtigen Ton, das macht vieles leichter und ich suche nie nach Schuldigen, wenn was misslingt, sondern nur nach Lösungen.“ Und die gebe es immer, manchmal müsse man nur eine Nacht darüber schlafen – oder zusammen Kaffeetrinken. „Work smarter, not harder“ Sabine Powels, Geschäftsführerin des Hotels Victoria, Nürnberg. Sabine Powels studierte BWL mit dem Schwerpunkt Hotelmanagement, absolvierte Auslandsaufenthalte und übernahm 1996 im Alter von gerade einmal 24 Jahren die Leitung des Hotels Victoria im Zentrum von Nürnberg (65 Zimmer, fünf Tagungsräume, www.hotelvictoria.de). Das Privathotel ist seit vier Generationen im Familienbesitz und feiert 2026 sein 130-jähriges Bestehen. Powels wird dann seit 30 Jahren Chefin sein. Es gibt neben Sabine Powels weitere starke Frauen in der Führungsetage: eine Direktorin, deren Assistentin und mit Sandy Lau eine Bankettleiterin, die diese Position schon seit 15 Jahren innehat. Was Lau an ihrer Arbeit liebt, ist, die Gäste glücklich zu machen. „Das Schöne hier ist, dass alle Mitarbeitenden am gleichen Strang ziehen.“ Als sie sich für den Beruf der Hotelfachfrau entschied, fühlte sie sich unter anderem durch Klaus Kobjoll bestärkt, der in einem damaligen Seminarvortrag große Leidenschaft für den Beruf geschürt hatte. „Ich wollte wissen, ob das in der Realität eines Hotels wohl alles so stimmt. Und das war tatsächlich so.“ Sabine Powels achtet in ihrer Verantwortung für das Team auch auf eine fördernde und zusätzlich „gesunde“ Führung: „Ich finde es wichtig, jungen Menschen den Raum zu bieten, wo sie gemeinsam Verantwortung übernehmen können, dazu müssen wir sie aber auch befähigen. Wir wollen gemeinsam Erfolg haben und dabei achten wir gleichzeitig als Menschen aufeinander, damit wir gesund bleiben.“ Gegenüber den Gästen sollen sich Frauenpower steht für Selbstbewusstsein, Durchsetzungsvermögen und Entschlossenheit – aber auch für problemlösende Kreativität und echte Empathie. Immer mehr Frauen schaffen es auf die Geschäftsführungsebene von Tagungshotels und leisten mit ihren bemerkenswerten Fähigkeiten einen wichtigen Beitrag zum Erfolg. Von Katrin Nauber-Happel
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