Tagen 2/2025

Liebe Leserinnen und Leser, der Hirnforschung wird gerne unterstellt, sie würde etwas wissenschaftlich untermauern, was in der Praxis aufgrund des gesunden Menschenverstands ohnehin schon bekannt sei. Im Mai nutzte ich die Gelegenheit, die Messe Learntec in Karlsruhe zu besuchen. Ein Keynote-Speaker war Professor Martin Korte, Neurobiologe an der TU Braunschweig. Er hat mehrere lesenswerte Bücher über die Grundlagen von Lernen, Gedächtnis und Vergessen geschrieben – zuletzt das Buch „Gute Idee!“ im DVA Verlag. Korte wurde nach seinem Vortrag von Personalentwicklern gefragt, was aus Sicht der Hirnforschung besser sei: Sollte ein Chef den anstehenden Change-Prozess vor versammelter Mannschaft in der Werkskantine erklären oder sollte das Treffen besser in einem weit abgelegenen Seminarhotel stattfinden? Der Professor sprach sich mit Nachdruck dafür aus, solche Veranstaltungen außerhalb des normalen Arbeitsraums durchzuführen. Der Ausflug in ein Tagungshotel oder eine Eventlocation sei eine gute Idee, denn neue Orte beflügelten das Gehirn und sorgten aus Sicht der Neurobiologie dafür, dass ungewöhnliche Informationen besser aufgenommen würden. „Ist man an einem neuen Ort, operiert das Gehirn in einem neuen Kontext und dann ist es auch aufnahmebereiter“, so Korte über den Nutzen eines „Tapetenwechsels“. Das Gehirn brauche bei der Wissensaufnahme und dem Lernen eine Loslösung vom Arbeitsalltag. Zu einem späteren Zeitpunkt kann man laut Korte dann das Change-Thema mit digitalen Medien vertiefen und die Mitarbeitenden auf ihrem individuellen Niveau abholen. „Aus Profitorientierung Reisekosten und eine Tagungspauschale einsparen zu wollen, ist ein Fehler.“ Mit herzlichen Grüßen Martin Pichler Chefredakteur „Um einen ChangeProzess zu starten, muss man mit den Teams raus aus der Firma. Neue Orte beflügeln das Gehirn.“ tagen Editorial tagen 02.25

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