Business Schools 8 personalmagazin Business Schools 2026 Studierenden ausbauen“, so Rektor Brüggemann. Dafür brauche es eine dezidierte KI-Strategie, die es bei der Akad bereits gebe. Noch vor einem Jahr hatten eine solche nur etwa 13,5 Prozent der Privaten Hochschulen, zu denen auch zahlreiche Business Schools gehören – der Großteil diskutierte noch auf strategischer Ebene. Die Zahlen stammen aus dem jährlich erhobenen KI-Kompass des Verbands der Privaten Hochschulen (VPH), den Brüggemann als KI-Facharbeitskreisleiter mitinitiiert hat. „Wie setzen wir im ganzen Student Life Cycle KI ein? Wie gehen wir in Prüfungen damit um? Wie nutzen wir KI als Hochschulorganisation? Was dürfen unsere Studierenden? Was dürfen unsere Mitarbeitenden?“, nennt er einige Fragen, die eine solche Strategie beantworten sollte. Ohne Experimente geht es nicht Bei aller strategischer Notwendigkeit sind sich Hochschulexpertinnen und -experten dennoch einig: Experimente sind unabdingbar für Innovation. „Das Problem ist, es gibt nicht die eine richtige Strategie. Deshalb liegt die Lösung darin, Dinge auszuprobieren – innerhalb ethischer Grenzen“, meint Andrew Crisp. Womit wir wieder beim Beispiel Akad und dem digitalen Zwilling des lettischen Gastprofessors wären. Dieser sollte ein paar praktische Probleme lösen: Dass ein Gastprofessor nur begrenzt verfügbar ist und noch in einem anderen Land einen Lehrauftrag hat. Dann die sprachlichen Barrieren: Lehrkräfte können meist Englisch, sprechen aber nicht alle möglichen anderen Sprachen wie ihr KIKlon. Der KI-Professor Kaže läuft in einem geschlossenen System, einer sogenannten Retrieval-Augmented Generation, kurz RAG. Das bedeutet, die KI greift nur auf verifizierte Dokumente zu und gibt keine urheberrechtlich geschützten Daten nach außen weiter. Für die technische Umsetzung hat die Akad das Ein-Mann-Startup Mindbank AI aus den USA beauftragt. Gründer Emil Jimenez codet selbst mithilfe von KI. Um sicherzustellen, dass ein solches Modellprojekt im Rahmen des Hochschulbetriebs zulässig ist, hat Brüggemann vor dem Testlauf den Gastprofessor offiziell nach Landeshochschulrecht berufen. Fachabteilungen und Lehrkräfte der Akad begutachten den Klon in verschiedenen Szenarien, um dessen Eloquenz und Wirkung zu bewerten. Jeder kann sich auch seinen eigenen digitalen Zwilling erstellen und damit herumprobieren. „Die Gestik und Mimik haben wir inzwischen weiterentwickelt“, so Brüggemann. Von Anfang an habe man Lehrkräfte nicht ersetzen wollen, den Klon vielmehr als eine Art Tutor verstanden, der 24/7 Fragen beantworten kann. „Wir haben das Projekt noch nicht abgeschlossen, sehen aber schon heute: Das steigert die Motivation der Studierenden, die Abbruchraten sinken“, erklärt der Akad-Rektor. Ein Aha-Erlebnis: Durch die anonymisierte Auswertung der gestellten Fragen erhält die Hochschule erstmals Einblick, was Studierende während des Selbststudiums zu Hause wirklich beschäftigt. Überraschenderweise bezogen sich in den Begleitforschungen etwa die Hälfte der Anfragen auf organisatorische Themen wie Prüfungsanmeldungen oder Atteste. Möglicherweise entwickle sich der digitale Zwilling deshalb stärker zu einem Study Buddy, so ähnlich wie der bereits verfügbare KI-Chatbot „Karl“ auf dem virtuellen Akad-Campus. In Tests zeigte sich zudem, dass der digitale Zwilling hervorragend in der Lage ist, die Rolle eines Prüfers einzunehmen. Er kann komplexe mündliche Prüfungssituationen simulieren, auf Antworten reagieren, Folgefragen stellen und anschließend ein fundiertes Feedback zum Leistungsstand geben. „Die KI ist sogar in der Lage, auf einer Metaebene zu erkennen, wenn jemand sie mit absichtlichen Falschantworten testen möchte“, sagt Brüggemann, der das selbst am Thema Bildungsrecht ausprobiert hat. Bei Insead sind neue KI-Projekte meist dezentral organisiert. Es gibt ein „Learning Innovation Team“, das Lehrkräfte dabei unterstützt, Experimente durchzuführen oder neue Ideen für den Unterricht zu entwickeln. Erfolgreiche Experimente schaffen es schrittweise in den Mainstream der Lehre, während die Beteiligten weniger erfolgreiche Ansätze weiter verfeinern. Das Innovationsteam könne Innovation nicht verordnen, das sei auch nicht nötig. „Wir haben viele Fakultätsmitglieder, die Neues ausprobieren. Sie teilen diese Experimente und lernen voneinander“, so Sameer Hasija. Wenn es um den KI-Einsatz in der Lehre geht, unterscheidet der Executive-Education-Dean von Insead zwischen dem Was, KI als strategischer Lerninhalt, und dem Wie, KI als pädagogisches Werkzeug. „KI ist mittlerweile eine Kernkompetenz für Führungskräfte und sollte Teil eines klassischen MBA-Studiums sein“, konstatiert Andrew Crisp in Bezug auf das Was. Die passende Flughöhe hängt allerdings von der Vorerfahrung, der Karrierephase und dem Arbeitskontext ab. Häufig hätten seniorige Führungskräfte weniger praktische KI-Erfahrung. Doch wichtiger sei für sie ohnehin die strategische Urteilsfähigkeit, mit der sie in der Lage sind, durch KI die Produktivität und Innovation ihrer Unternehmen zu steigern, so Crisp. „Es braucht immer eine Kombination aus theoretischen und praktischen Skills“, glaubt Sameer Hasija. Wo der Fokus liegt, hat auch mit der Lernstrategie von Unternehmen zu tun. „Manche Führungskräfte und Organisationen möchten beides über ein Weiterbildungs- oder Studienformat abdecken. Andere setzen bewusst auf einen modularen Ansatz.“ Letztere erwerben zunächst theoretische Kenntnisse an der Hochschule, um diese in Action-Learning-Projekten in ihrer Organisation anzuwenden. „Unsere Lehrkräfte begleiten sie dabei weiter: Sie bleiben Teil des Lernprozesses und unterstützen die praktische Arbeit.“ KI im Unterricht Künstliche Intelligenz als didaktisches Lernwerkzeug nutzen die Insead-Lehrkräfte unter anderem, um praxisnahe Szenarien zu simulieren, zum Beispiel eine Verhandlungssituation. Dafür kann die Rollenspiel- und Coaching-Plattform Lexarius zum Einsatz kommen, eine frei auf dem Markt verfügbare Lösung von Insead und SC Ventures. „Früher brauchte man dazu Coaches und Verhandler, aber in einem Maße, dass es oft nicht umsetzbar war. KI macht das so effizient, dass daraus etwas Neues entsteht“, so Hasija. Das ermögliche konversationsbasiertes Lernen und Personalisierung: Wer zum Beispiel Go-to-MarketStrategien lehrt, sollte diese in einen passenden Kontext für die Lernenden bringen. Die Lehrkraft kann nicht auf jeden Einzelfall eingehen, die KI sehr wohl. „Mit KI kann man das allgemeine Konzept verstehen, tief einsteigen und es auf die Welt eines Teilnehmenden übertragen.“ Einer der Kurse, den Hasija selbst unterrichtet, basiert auf seinem als Co-Autor verfassten Buch „The Phoenix Encounter Method“. In einer Zerstörungsübung sollen die Teilnehmenden sich überlegen, wie man ihr Geschäftsmodell disruptieren könnte. Dabei setzt er KI ein, nämlich als Sparringspartnerin, die den Tunnelblick von Führungskräften zu durchbrechen hilft, indem sie alternative Angriffs- oder Verteidigungsszenarien entwickelt.
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