Plattformen, Dos und Dont‘s und sagen: Legt los. Mal sehen, was daraus wird. Wir haben Sicherheitsleitplanken, aber nicht zu viel Struktur. Für kurzfristige Innovation ist das entscheidend. Und es ist völlig okay, wenn die Mehrheit dieser Anwendungsfälle scheitert. Es ist wie beim Schreiben eines Buchs oder Komponieren eines Songs: Vieles endet auf dem Schneidetisch. Daneben braucht es Top-down-Innovation. Sie beantwortet die strategischen Fragen: Wohin gehen wir? Welchen neuen Mehrwert können wir schaffen? Wie skalieren wir? Wie sieht unser Trainingsplan aus? Was ist mit Kosten, Rollout und Nutzenmessung? Lange Zeit waren Business Schools durch die Bank davon überzeugt, dass die Kernkompetenz eines MBA allgemeine Managementfähigkeiten sind und nicht so sehr technische Fähigkeiten. Hat sich das geändert? Ist KI eine Kernkompetenz für einen MBA? Ja. KI ist eine Kernkompetenz – nicht nur für MBA-Absolventen, sondern eigentlich für alle, schon in der Schule. Wir brauchen die Fähigkeit, KI in die Zukunft zu denken. Die Führungskräfte von morgen müssen mehr technisches Verständnis mitbringen und verstehen, wie diese Systeme funktionieren, wie sie arbeiten und wie man sie zum Guten einsetzt. Wie spiegelt sich das in Ihrem MBAProgramm wider? KI ist inzwischen ein fester Bestandteil unseres MBA. Eine Lehrkraft ist Experte für KI-Transformation. Der Einsatz von KI spielt im Pflichtcurriculum eine zentrale Rolle – auch in einer der unserer größten Business-Simulationen. Es geht darum, KI in einem wirtschaftlichen Kontext praktisch anzuwenden. Häufig hängt der Einsatz von KI im Unterricht davon ab, wie gut die Lehrenden mit KI umgehen können. Und das kann sehr unterschiedlich sein… Deshalb haben wir eine Mitarbeiterin im Lehrkräftebüro, die das Onboarding und Training der Lehrenden verantwortet. Es gibt ein Mentoring-Programm, mehrmals im Jahr ganztägige Trainings, regelmäßige Brown-Bag-Lunches und Hospitanzen, bei denen Lehrende Kolleginnen und Kollegen begleiten. Unser Learning-Innovation-Team arbeitet zudem eng mit Lehrkräften, Lern-Managern und Programmkoordinatoren zusammen, um zu unterstützen – besonders dann, wenn die Dozierenden mit neuen Tools noch nicht vertraut sind. Dennoch gibt es doch sicher Unterschiede in der KI-Expertise und technologischen Offenheit der Lehrkräfte, oder? Natürlich. Auch bei uns sieht man die typische Adoptionskurve: Early Adopter, viele die folgen und dann der Rest. Wir kommen gerade in diese Phase, in der der Rest langsam dazukommt. Es gibt Lehrende, die sagen: Ich habe die ersten Runden verpasst. Kann mir jemand helfen aufzuholen? Wichtig ist, dass niemand das Gefühl bekommt, den Anschluss verloren zu haben. Es ist okay, kein Early Adopter zu sein. Entscheidend ist, dass es in der Einrichtung Personen gibt, die die Lehrkräfte unterstützen können, wenn diese bereit sind. Welche Rolle spielt KI im Unterricht? Ist sie eher ein Nachhilfelehrer, ein Mitgestalter, ein Coach – oder etwas ganz anderes? Es kommt darauf an. Wir haben uns Chancen und Begrenzungen sehr genau angeschaut. Eine frühe Erkenntnis war: Nur ein kleiner Prozentsatz von Studierenden hebt in einer Vorlesung die Hand und stellt eine Frage. Dabei ist genau das ein zentraler Teil des Lernprozesses. Es geht darum, das Fragenstellen zu demokratisieren. Deshalb zeichnen wir Vorlesungen auf, entfernen alle personenbezogenen Informationen und stellen die Inhalte den Lernenden danach KI-gestützt zur Verfügung. Inzwischen betrifft das unseren gesamten MBA, den EMBA, einen Großteil unserer Online- und OpenProgramme – und zunehmend auch maßgeschneiderte Weiterbildungsprogramme für Führungskräfte. Das Großartige ist: Jede Person im Kurs kann eine Frage stellen, auch sechs Monate später. KI ist also ein Didaktikbooster? Ja – und noch mehr. Es liefert Lehrenden unglaublich reichhaltige Daten. Sie können aus den Fragen lernen, Programme für künftige Kohorten verbessern oder im laufenden Programm schnell nachsteuern. Außerdem haben wir das Prinzip umgedreht: Jetzt stellt die KI Fragen. Das ist relevant für Rollenspiele, Coaching, KI-Beratung und Reflexionsprozesse. Wir „ KI ist eine Kernkompetenz – nicht nur für MBAAbsolventen, sondern für alle, schon in der Schule.“ Business Schools personalmagazin Business Schools 2026 14
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