03_2014
wirtschaft + weiterbildung
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Medienpartnerschaft.
Das angesehene
Wirtschaftsmagazin „Brand Eins“
(01/2014) macht Reklame für geschei-
terte Motivationsgurus.
Schäfer versprach jedem, in sieben Jah-
ren zum Millionär zu werden. Für den
gelernten Speditionskaufmann Jürgen
Höller war „alles möglich“.
Lange ging das nicht gut. Bodo Schäfers
Firma ging nicht einmal zwei Jahre nach
der Gründung pleite. Der selbst ernannte
Money Coach hatte das angewendet, was
er auch in seinen Seminaren predigte:
Entschuldung durch Konkurs. Damals
beliefen sich seine Schulden auf 1,7 Milli-
onen Mark. Betroffen waren Hotels, Ver-
lage, Druckereien und Referenten. Davon
steht natürlich heute nichts auf seiner
Website und auch nicht bei der Redner-
agentur Speakers Excellence, die Schäfer
vollmundig vermarktet: „Bodo Schäfer
zeigt auf, worauf es heute ankommt und
wie Sie Ihr Einkommen in drei Jahren um
300 % steigern können.“ Heute bietet der
Money Coach sein Seminar „Durchbruch
zum finanziellen Erfolg“ gemeinsam mit
seinem einstigen Konkurrenten Jürgen
Höller an. Die Versprechen klingen ähn-
lich abstrus wie damals: „Reichtum ist Ihr
Geburtsrecht. Auch Sie haben die Mög-
lichkeit, Millionär zu werden – egal, wie
viel oder wie wenig Sie heute haben.“
Plumper Rehabilitationsver-
such der Motivationsgurus?
Auch Höller legte einen grandiosen Ab-
sturz hin. Im Dezember 2001 war seine
Firma Inline AG pleite, die Verbindlich-
keiten lagen bei 6,2 Millionen Euro. 2003
wurde „Deutschlands teuerster Motivati-
onstrainer“ (Eigenwerbung) unter ande-
rem wegen Meineid, Steuerhinterziehung
und Insolvenzverschleppung zu drei Jah-
ren Haft verurteilt und landete im Knast.
Im Mai 2004 kam er wegen guter Führung
frei. Seitdem bemüht er sich ebenso wie
Schäfer um ein Comeback.
Da kommt so eine Großveranstaltung
gerade recht. Gemeinsam auf der Bühne
mit Richard Branson – das zeigt, dass
man wieder zu den Großen gehört. Kein
Wunder, dass Höller sich selbst gleich
zum Hauptredner kürt. „Triff Sir Richard
Branson und Jürgen Höller persönlich!“,
wirbt er auf Facebook. „Der Selfmade-
Millionär und Virgin-Gründer Richard
Branson, Money-Coach Bodo Schäfer und
‚Mr. Motivation‘ Jürgen Höller sind die
Hauptredner beim Unternehmer-Event
des Jahres.“ Und wer auf die Website
klickt, landet bei der Höller Academy.
Höllers massive Vermarktung des Events
soll auch der Grund sein, warum Veran-
stalter Merath auf die gefallenen Motiva-
tionsstars setzt. Schließlich haben Höller
und Schäfer noch immer Fans – allerdings
wohl eher unter Verkäufern, bevorzugt
aus dem Strukturvertrieb. Zumindest zu
Beginn sollen beide nicht auf der Referen-
tenliste gestanden haben. Gerüchte, dass
sie sich für einen fünfstelligen Betrag ein-
gekauft haben, bestreitet Merath, schreibt
aber: „Ich finde es schön, dass einige an-
dere Sponsoren und Referenten die Idee
von Light the Fire! mit einem Geldbetrag
oder einer erheblichen Marketingleistung
unterstützen.“
Allerdings lässt sich mit dem Marketing
auch gut Geld verdienen. Wer auf seiner
Website einen Link setzt und so ein Ti-
cket verkauft, bekommt 30 Prozent vom
Nettopreis. Das sind selbst beim billigsten
Ticket für 490 Euro immerhin 147 Euro,
beim teuersten für 3.990 Euro schon
1.197 Euro jeweils minus sieben Prozent
für die Affili-Bank, die das Ganze abwi-
ckelt. Allerdings ist es fraglich, ob sich
das Spektakel rechnet. Schon früher war
so manches Massenevent letztlich ein
Minusgeschäft und diente vor allem dem
Marketing der dort auftretenden Trai-
ner. Dazu kommt, dass Richard Branson
schon 2010 (gemeinsam mit Bill Clinton
und Donald Trump) zu den zehn teuers-
ten Rednern der Welt gehörte. Mindes-
tens 100.000 Dollar kostete ein Auftritt
damals. Heute dürfte es mehr als das
Doppelte sein.
Kosten zweitrangig
Umso erstaunlicher ist Meraths Antwort
auf die Frage, wie viele Teilnehmer er
denn benötige, um keinen Verlust zu ma-
chen: „So denke ich nicht in Bezug auf
dieses Projekt. Mir geht es darum, ein
Signal in der Gesellschaft zu setzen. Ob
mich das Geld kostet oder nicht, ist zweit-
rangig.“ Da weiß man nicht, ob man das
als naiv oder fahrlässig bewerten soll. Zu-
mindest hat er für die Veranstaltung extra
eine eigene Firma, die Unternehmercoach
Event GmbH, gegründet und somit auch
seine Haftung beschränkt. Gewinne – so
es sie denn geben sollte – fließen dann
angeblich in die Stiftung „Rock it biz!“.
Doch befürchtet Merath, als Mitglied der
German Speaker Association stets auf den
publikumswirksamen Auftritt bedacht,
nicht auch einen Imageschaden durch
umstrittene Referenten wie Höller und
Schäfer? „Nein. Der eine hat tatsächlich
vielen Menschen – auch in meinem Um-
feld – geholfen, und der andere hat Fehler
gemacht und seine Strafe abgesessen. Da-
nach verzeihe ich.“
Reichlich verwundert dürfte dagegen so
mancher Brand-Eins-Fan sein: Die Chef-
redakteurin des von vielen hochgelob-
ten Wirtschaftsmagazins zusammen auf
der Bühne mit umstrittenen Motivati-
onstrainern? Doch die fand das nicht so
schlimm. Anfang Februar sagte Gabriele
Fischer dann ihre Teilnahme ab – aus
familiären Gründen. Während sich Schä-
fer und Höller vom Auftritt mit Richard
Branson neuen Aufwind erhoffen, ist
dessen Stern längst im Sinken. So stellt
die neue Biografie des langjährigen Bran-
son-Kritikers Tom Bower den britischen
Milliardär als genialen Blender dar. Ein
schönes Beispiel sei dabei seine seit 2007
versprochene Reise ins All, für die 600 gut
betuchte Kunden bereits rund 80 Millio-
nen Dollar angezahlt haben sollen. Doch
der Start der Virgin Galactic werde immer
wieder verschoben.
Bärbel Schwertfeger