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09_2014
wirtschaft + weiterbildung
57
Schloss Krickenbeck.
In der Vorburg befinden sich neu ausgestattete Seminarräume.
Rahmenprogramm.
Kennenlernspiele
(„Was ist Ihr erster
Eindruck?“) und Grup-
penwettbewerbe beim
Bogenschießen („Wie
fokussiere ich rich-
tig?“) führen Teilneh-
mer zusammen.
ihre Erfahrungen zu teilen“, so Mierswa.
Damit biete man den Teilnehmern neue
Impulse und unterstütze ihr persönliches
Wachstum. Das Lernen mit allen Sinnen
– in Krickenbeck wird es durch die Ab-
geschiedenheit und überbordende Natur
des Schlossparks unterstützt – soll die
Achtsamkeit stärken. „Mit dem Sommer-
Campus bieten wir mehr als Weiterbil-
dung. Wir lassen die Umgebung zusätz-
lich wirken.“
Campus-Idee neu belebt
In den Vereinigten Staaten baute man
ganz bewusst im 18. Jahrhundert die Uni-
versitäten außerhalb der Städte auf Felder
und umgab sie mit parkähnlichen Anla-
gen, damit die Studenten dort unter sich
bleiben konnten und nicht vom Lernen
und Forschen abgelenkt wurden. Diese
Struktur brachte es mit sich, dass sich die
verschiedenen Disziplinen und Fachberei-
che nah beieinander befanden. Auch die
Unterkünfte der Studierenden lagen auf
dem Campus. Alles zusammen förderte
den gegenseitigen Austausch und ermög-
lichte den Studenten, über den Tellerrand
der eigenen Disziplin hinauszublicken. In
der Welt des Campus, zu der kaum je-
mand sonst Zutritt hatte, entwickelten die
Lernenden und Lehrenden große Netz-
werke und eine enge Bindung zu ihrer
Universität, ihrem Campus, die weit über
die Studienzeit hinausreichte und die sich
bis heute auszahlt.
Mit dem Programm des Sommer-Campus
will die Haufe Akademie die alte Cam-
pus-Idee wieder aufleben lassen. Dabei
hat nicht jeder der insgesamt rund 250
Teilnehmer Krickenbeck bewusst wegen
des Campus gebucht, sondern weil der
Termin „seines“ offenen Seminars ge-
rade gut passte. Doch selbst wer bei der
Buchung nicht auf das Rahmenangebot
oder den Veranstaltungsort geachtet hat,
ist positiv überrascht. Die Reaktionen
reichen von „Das vergisst man nicht so
schnell“, „Hier bleibt man am Abend zu-
sammen und geht nicht in die Stadt“ bis
hin zu „Mein Chef war schon hier und
hat mir empfohlen, das auch mal zu ma-
chen. Jetzt, wo ich das Schloss und die
Umgebung sehe, empfinde ich das als be-
sondere Wertschätzung.“ Wer schon im
letzten Jahr dabei war, outet sich gern als
Wiederholungstäter.
Die Vernetzung der Teilnehmer zu för-
dern, ist ein besonderes Anliegen der
Veranstalter. Weil alle zusammen im Se-
minarhotel auf dem Gelände wohnen,
sieht man sich schon beim Frühstück.
Jeder kann neben jedem sitzen. Es gibt
keine reservierten Tische für einzelne
Seminargruppen. Alle Seminarpausen
finden überwiegend unter freiem Him-
mel statt. Die verschiedenen Seminar-
gruppen mischen sich auf diese Weise
schnell. Viele Teilnehmer haben sich
auch schon bei einer morgendlichen oder
abendlichen Aktivität getroffen, sodass es
immer Gesprächsstoff gibt, selbst wenn
man sich noch nicht näher kennt. Wer
am späteren Abend noch etwas Gesel-
ligkeit sucht, findet sie in der „Mühle“,
einem Lokal auf dem für Außenstehende
nicht zugänglichen Gelände. Den Morgen
nutzen viele Teilnehmer, um Yoga oder
den „Silent Morning Walk“ auszuprobie-
ren. Die Augen zu schließen, sich ganz
bewusst auf den eigenen Atem zu kon-
zentrieren und still durch den Morgenne-
bel zu gehen, dabei jeden Schritt auf den
Kieswegen zu hören und nur ab und an
die Struktur eines Blattes zu fühlen oder
einen Baum zu berühren, ist für einige
eine ganz neue Erfahrung.
Netzwerk mit Mehrwert
Wem das zu wenig Bewegung ist, der
freut sich bestimmt auf eine kurze Rad-
tour mit einem eigens engagierten Guide,
der morgens um Viertel vor sieben zum
Programm gehört. „Diese Morgenaktivi-
täten sind genau wie die Abendaktivitä-
ten nicht verpflichtend. Wir haben hier
die einmalige Gelegenheit zu zeigen, was
man beispielsweise zur Stressbewältigung
tun kann oder was hilft, auch körperlich
fit zu bleiben“, erklärt Mierswa. Ähnlich
vielfältig ist das Abendprogramm, vom
Box-Coaching mit einem Führungskräf-
tetrainer und einem Box-Profi bis zum
Bogenschießen oder Kamin­abenden mit
Vorträgen, die Seminarthemen wie Cha-
risma, Körpersprache oder Führung ver-
tiefen. Wer noch „Nachhilfe“ in der Kunst
des Netzwerkens braucht, bekommt sie
in Form eines interaktiven Networking-
Vortrags mit Sektempfang. Susanne
Mierswa und ihre Kollegin Susanne Ni-
ckel erklären auf lockere Art und mit
vielen Übungen, wie Netzwerke funkti-
onieren, was beim Smalltalk zu beachten
ist und welche Bedeutung ein Netzwerk
außerhalb des Unternehmens für die Kar-
riere haben kann.
Gudrun Porath