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wirtschaft + weiterbildung
09_2013
„Troubleshooter“ fühlen sich überfordert
Führung
Mitarbeiter erleben ihre Füh-
rungskräfte häufig als getrie-
bene und gehetzte „Trouble-
shooter“, so das Ergebnis einer
Umfrage der Organisationsbe-
ratung OSB International unter
600 Führungskräften und 1.500
Mitarbeitern in österreichi-
schen und deutschen Unter-
nehmen. Das passt zur Selbst-
einschätzung der Vorgesetzten:
Jede zweite deutsche Füh-
Chefs sollten mehr motivieren
Mitarbeitermotivation
Manager bekommen bei Umfra-
gen in aller Regelmäßigkeit
schlechte Noten für ihre Füh-
rungsfähigkeiten. Eine Studie
der Hay Group unter 95.000
Führungskräften aus über 2.200
Unternehmen weltweit fragt
nun danach, inwieweit Chefs
ihre Mitarbeiter motivieren.
Global gesehen schaffen dem-
nach über die Hälfte (55 Pro-
zent) eine demotivierende
Arbeitsatmosphäre. In deut-
schen Büros ist das Klima im
Vergleich ein wenig besser,
obwohl hier laut Umfrage
immer noch knapp die Hälfte
(49 Prozent) der Manager für
ein demotiviertes Arbeitsum-
feld sorgen. Immerhin jeder
dritte Vorgesetzte (37 Prozent)
in Deutschland schafft ein leis
tungsförderndes oder motivie-
rendes Arbeitsklima. 15 Pro-
zent der deutschen Chefs ver-
halten sich demnach neutral.
Social Media
Arbeitnehmer setzen
auf soziale Medien
Rund 1,5 Milliarden Menschen weltweit
haben Zugang zu einem sozialen Netz-
werk. Einer aktuellen Studie zufolge
gehen zwei von fünf befragten Arbeit-
nehmern in Europa davon aus, dass der
vermehrte Einsatz von sozialen Medien
bei der Arbeit die Produktivität deutlich
steigern könnte. In Deutschland sind es
sogar 50 Prozent. Die Arbeitgeber sind
allerdings oft zurückhaltend. Das geht
aus einer Untersuchung hervor, für die
Microsoft zusammen mit den Markt-
forschern von Ipsos europaweit 4.787
Arbeitnehmer befragt hat.
Ein Viertel der Befragten glaubt, dass
ihr Arbeitgeber die Vorteile der sozialen
Medien am Arbeitsplatz unterschätzt.
Im Gegenteil würden 65 Prozent der
Unternehmen in Europa und 75 Prozent
in Deutschland deren Nutzung wegen
Sicherheitsbedenken unterbinden, 58
Prozent befürchten einen Rückgang der
Produktivität der Mitarbeiter.
Margit Oswald,
Tania Lieckweg.
Die Berate-
rinnen empfeh-
len vor allem
eins: mehr Zeit.
Foto: OSB international
rungskraft (56 Prozent) sieht
sich der Befragung zufolge
nicht mehr in der Lage, die
Dinge zu steuern und fühlt sich
vom Unternehmen unablässig
überfordert. Nahezu die Hälfte
(49 Prozent) gibt an, ihre Mit-
arbeiter klagten über fehlende
Orientierung und ihren Work
load. Dabei ginge es den Füh-
rungskräften ebenso, sie ließen
sich aber nichts anmerken.
„Diese Ergebnisse sind sehr
beachtlich. Viele Führungs-
kräfte schrammen am Burnout
vorbei. Da noch die Kraft auf-
zubringen, Mitarbeiter bei unsi-
cheren Rahmenbedingungen
dennoch Sicherheit zu geben
und die Vision für das Unter-
nehmen klarzumachen, ist
sehr herausfordernd“, so Tania
Lieckweg, Partnerin der OSB.
Trotz der schwierigen Aus-
gangslage empfehlen die Auto-
ren der Studie aber, dass sich
Führungskräfte unbedingt Zeit
für ihre Mitarbeiter nehmen
sollten: „Erfolgreiche Führung
wird unter anderem dadurch
verhindert“, so Margit Oswald,
Partnerin der OSB, „dass Füh-
rungskräfte zu wenig Zeit in
die Anliegen ihrer Mitarbeiter
investieren. Diese Zeit benötigt
man allerdings, um das Ver-
trauen zu gewinnen – sie wäre
also sehr gut investiert.“
Als Ursache für die geringe
Motivierung vermuten die Stu-
dienautoren, dass die Vorge-
setzten vorwiegend auf einen
einzigen Führungsstil setzen,
statt situativ zu entscheiden,
welcher Stil angemessen ist.