Haufe Steuerguide 2015
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Praxis-Tipp:
Beträgt die private Nutzung des Arbeitszimmers mehr als 10 %, konnten bisher die Arbeitszimmer-
kosten gar nicht abgesetzt werden. Eine Aufteilung nach Nutzungsanteilen war nicht möglich. Umso
erfreulicher sind die Entscheidungen des FG Köln und des Niedersächsischen FG. Sie haben entschie-
den, dass bei einer 50 %igen bzw. 40 %igen privaten Mitbenutzung des Arbeitszimmers dessen
Kosten
anteilig
zu 50 % bzw. 60 %, ggf. begrenzt auf 1.250 EUR, abgezogen werden dürfen. Ob der
BFH den Urteilen der Finanzgerichte folgt, bleibt abzuwarten (Urteil v. 19.5.2011, 10 K 4126/09, EFG
2011 S. 1410, Az des BFH X R 32/11 FG Köln; Niedersächsisches FG, Urteil v. 24.4.2012, 8 K 254/11,
EFG 2012 S. 2100, Az des BFH IX R 23/12). Der 9. Senat des BFH hat inzwischen einen Fall dem
Großen Senat vorgelegt (BFH, Beschluss v. 21.11.2013, IX R 23/12, BStBl 2014 II S. 312). Einschlägige
Fälle sollten offen gehalten und die weitere Entwicklung der Rechtsprechung beobachtet werden.
Bewirtungskosten
Eine Bewirtung von Geschäftsfreunden liegt vor, wenn Sie als Autor aus geschäftlichem Anlass andere
Personen zum Essen oder Trinken einladen, z. B. um bereits bestehende Geschäftsbeziehungen zu
pflegen oder neue anzubahnen. Die Bewirtung darf nicht in Ihrer Privatwohnung oder etwa anlässlich
Ihres Geburtstags stattfinden. Dann überlagert der private Anlass das Geschäftliche und Sie müssen
die Rechnung aus eigener Tasche bezahlen.
Verwenden Sie als Nachweis nach Möglichkeit den früher vorgeschriebenen amtlichen Vordruck,
der meist auf der Rückseite der Gaststättenrechnungen abgedruckt ist. Machen Sie darauf folgende
Angaben (Name und Anschrift der Gaststätte sowie Tag der Bewirtung ergeben sich bereits aus der
Gaststättenrechnung):
• Ihr eigener Name als bewirtende Person,
• Namen der bewirteten Personen,
• genauer Anlass der Bewirtung,
• Ihre Unterschrift.
Alle Rechnungsposten müssen einzeln und mit genauer Bezeichnung aufgeführt werden. Der Beleg
muss maschinell erstellt und registriert worden sein.
Der Betriebsausgabenabzug ist auf
70 %
der nachgewiesenen Kosten begrenzt. Sie dürfen also in
Ihrer Einnahmen-Überschuss-Rechnung nur 70 % des tatsächlichen Rechnungsbetrags als Betriebs-
ausgabe ansetzen oder 100 % als Betriebsausgaben und den nicht abzugsfähigen 30 %-Anteil als
Betriebseinnahme.
Wer zur Abgabe der Anlage EÜR verpflichtet ist oder diese freiwillig abgibt, muss den steuerlich ab-
ziehbaren Teil seiner Bewirtungskosten (70 %) in Feld 175 (Zeile 53) und den nichtabziehbaren Teil
(30 %) in Feld 165 eintragen. Auch Bewirtungskosten müssen einzeln und getrennt von den sonstigen
Betriebsausgaben aufgezeichnet werden (§ 4 Abs. 7 EStG).