Personalmagazin Plus 5/2021

Personalmagazin: Frau Schatt, seit 2014 haben Sie in ver- schiedenen Positionen bei Henkel daran mitgearbeitet, die digitale Transformation voranzutreiben und die nötigen Skills für die digitale Zukunft aufzubauen. Wie sieht sie aus, die digitale Zukunft bei Henkel? Franziska Schatt: Wir treiben die digitale Transformation in allen Bereichen voran. Digitalisierung ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Wachstumsstrategie. Eine große Heraus- forderung bei Henkel als globaler, großer Konzern ist es, daten- getriebener zu werden. Gleichzeitig birgt das großes Potenzial für uns. Wir sind auf einem sehr guten Weg, können aber die da- hinterliegende Hebelwirkung heute noch nicht voll nutzen, weil es eben oft an den Fähigkeiten mangelt, mit Daten umzugehen. Es reicht nicht, wenn das nur Experten in einzelnen Bereichen können, das ist eine Kompetenz, die das gesamte Unternehmen durchdringen sollte. Alle Beschäftigten brauchen ein Grundver- ständnis, was man mit Daten machen kann, wie man sie ana- lysiert und richtig interpretiert. Das ist in fast allen Bereichen wichtig – zum Beispiel in der Supply Chain, in der Produktion – Stichwort Industrie 4.0 – oder in Marketing und Kommuni- kation. Da müssen wir früh ansetzen, schon beim Thema, wie wir die Daten überhaupt beschaffen, sie sauber speichern und entsprechend transparent unsere Schlüsse ziehen können. 2019 haben Sie an zwei Executive-Education-Kursen an Business Schools teilgenommen: „Integrated Business So- lutions“ an der IESE Business School und „Digital Trans- formation – Strategy in the Age of Digital Disruption“ von INSEAD. Ging es da auch um Daten? Auch. Aber in solchen Programmen lernt man nicht nur Fach- wissen, sondern vor allem, das eigene Mindset zu erweitern. Beim beruflichen Lernen geht es immer seltener um spezifisches Wissen. Kenntnisse über bestimmte Technologien ändern sich enorm schnell. Was heute essenziell ist, brauche ich morgen schon lange nicht mehr. Wichtiger sind deshalb die Einstellung und die Methoden, sich Neues anzueignen, – und das quasi permanent. In einem der von mir belegten Kurse lag der Fokus zum Beispiel auf unternehmerischem Denken und Innovation. Da muss man verstehen, was ein Minimal Viable Product ist und wie man dabei konkret vorgeht. Wichtig sind auch Fragen aus der „Experience-Design-Perspektive“: Warum tue ich das, für wen tue ich das und wie muss ich Dinge dafür anpassen? Inwiefern können Business Schools aus Ihrer Sicht mit der von Ihnen beschriebenen Schnelllebigkeit mithalten? Insgesamt sehr gut. Aber es gibt natürlich Unterschiede, wie zukunftsgerichtet die Business Schools sind. Ich persönlich bin ein ganz großer Fan von INSEAD, weil sie einen starken Fokus auf Entrepreneurship haben. Wie haben Sie für sich die Schulen ausgewählt und wie ma- chen Sie das generell bei Henkel? Ich persönlich habe die Wahl nach den Schwerpunkten getrof- fen, denn ich wollte mich strategisch für die digitale Transforma- tion weiterbilden – hands-on und am Puls der Zeit. Mir war ein holistischer Blick auf den Wandel wichtig. Bei Henkel arbeiten wir mit einigen Business Schools zusammen, zum Teil schon seit vielen Jahren. Für die Auswahl durchleuchten wir systematisch den Markt, schauen uns die einschlägigen Rankings und Bench- Damit Führungskräfte Digitalisierung besser verstehen und voran­ bringen, braucht es einen guten Weiterbildungsmix, findet Franziska Schatt, Global Head of Learning & Development des Konsumgüterherstellers Henkel. Ein MBA-Studium oder Executive Education gehören für sie mit dazu – sofern Business Schools mit dem schnellen Wandel der Digitalisierungsagenda Schritt halten können. 9 Interview

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