Personalmagazin Plus 5/2021

Digitale Transformation 7 mer Programmdirektor. Während BWL- und Tech-Hintergrund in Mannheim erlaubt sind, richtet die IE Business School sich mit ihrem Tech MBA, den sie 2019 als erste europäische Schule lanciert hat, nur an Kandidatinnen und Kandidaten mit einem Universitätsabschluss in einem MINT-Fachgebiet. Wer einen anderen Background mitbringt, muss einen erheblichen Anteil an MINT-bezogenen Kursen nachweisen können. Die IE folgte mit diesem Angebot mehreren US-Schulen, die in den Jahren davor MBAs mit MINT- und Tech-Bezug eingeführt hatten, darunter etwa die Johnson Graduate School of Management der Cornell University. Beide Schulen setzen auf einjährige Vollzeitprogramme, die drei Jahre Berufserfahrung voraus- setzen. Der Tech MBA der IE Business School liegt bei rund 72.000 Euro und der Johnson-Cornell-Tech-MBA bei 111.000 Dollar (etwa 90.577 Euro). Eine günstigere Alternative bietet nun die RWTH Business School in Aachen. Ab Oktober 2021 startet der erste Jahrgang des dreisemstrigen englischsprachigen Vollzeit-MBA Digi- talization & Industrial Change, der 30.000 Euro kostet. „Wir haben eine große Nähe zur Industrie und zum produzierenden Gewerbe – und eine enge Kooperation zwischen BWL und Ingenieurwesen in der Forschung“, erklärt der akademische Leiter Professor Oliver Lorz. An der RWTH entsteht eines der größten Campusgelände in Europa, mit Labs und Modellfab- riken. Ein Vollzeit-MBA mit Fokus Digitalisierung treffe den Bedarf der Unternehmen: „Die Indus- trie braucht Manager mit Kenntnissen digitaler Technologien als kommunikatives Scharnier.“ Im Vergleich zu einem Executive MBA benötigt man für den neuen Studienzweig nur 24 Monate Berufserfahrung. Nach dem MBA Digitalization & Industrial Change sollen Absolvierende den nächsten Karriereschritt machen können – in die Projektleitung, in eine technische Stabsstelle oder ins Management. Am Anfang steht der übergreifende Kurs „Tech- nology for a Sustainable Tomorrow“. Hier sollen laut Professor Lorz die Potenziale neuer Techno- logien, aber auch deren mögliche Gefahren zur Sprache kommen. Im ersten Semester geht es au- ßerdem um Management-Grundlagen, durch die Technologiebrille betrachtet. Im zweiten Semester folgen Kurse in Data Science, Big Data oder Ma- chine Learning sowie ein Block mit Produktions- hintergrund, der sich mit Industrie 4.0 beschäftigt. Das „Capstone Projekt“ folgt im dritten Semester: Studierende müssen industrienahe Fragestellun- gen lösen, neue Geschäftsmodelle entwickeln und vor Industrievertretern ihre Ausarbeitung präsen- tieren. Die RWTH arbeitet hierbei nicht nur mit Konzernen, sondern auch mit KMU und Start-ups zusammen. „Eine Fragestellung kann sein, welche Produkte man mit neuer Technologie entwickeln oder wie man ein Problem mit einer noch zu er- findenden Technologie lösen könnte. Dabei ist uns der Mindshift wichtig: von einer produktorientier- ten Denke hin zu einem besseren Verständnis von Kundenbedürfnissen.“ Augen auf bei der Schulauswahl Wim Naudé, Wirtschaftsprofessor am University College Cork und Gastprofessor für Technologie- und Innovationsmanage- ment an der RWTH, hält das Angebot der Aachener Business School für solide. Er vermutet, dass sich die Zahl der Digital- Tech-MBAs angesichts der Pandemie vervielfachen wird. „Die guten Angebote werden eher von Business Schools kommen, die einen starken ingenieur- oder naturwissenschaftlichen Hinter- grund haben.“ Die Mehrheit der Business-School-Curricula im Tech-Bereich basiere auf einem oberflächlichen Verständnis von Wissenschaft und neige dazu, Tech zu hypen und Trends zu folgen. „Viele Business Schools predigen Disruption, haben aber weiterhin ein Modell aus dem 19. Jahrhundert. Preissenkungen und Qualitätssteigerung – das sollte Technologie bewirken.“ Philip Glasner, dessen MBA in Digital Transformation & Data Science an der WU Executive Academy 38.000 Euro kostete, ist glücklich mit seiner Wahl – obwohl er zugibt: „Der Preis ist ein Brocken. Man macht das nur, wenn man etwas verändern will – an seiner Position und an sich selbst.“ Für den CDAO war das Studium letztlich ein „Career-Defining Moment“. In einem Stu- dienprojekt lernte er seinen heutigen Chef, den Geschäftsführer von Zeiss Österreich, Schweiz und Südosteuropa, kennen, der ihm später einen Job anbot.

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