Personalmagazin Plus 5/2021

Digitale Transformation 5 Führungskräfte und Management müssen verstehen, wie digitale Transformation funktioniert und sich aus Daten Wert generieren lässt. Neben Tech MBAs entstehen deshalb an Business Schools laufend neue Studiengänge mit Fokus auf Data Science. Ist das mehr als eine Modeerscheinung? Von Stefanie Hornung Wenn Ärztinnen und Ärzte heute ein Mikroskop kaufen, müs- sen sie die Wartung selbst übernehmen. Nutzen sie das Gerät falsch oder ist es defekt, sorgt dies für Stress. Wie praktisch wäre es da, wenn sich über einen Datenaustausch mit dem Hersteller Störungen im Voraus erkennen und beheben ließen? Derartige Fragen beschäftigen Dr. Philip Glasner, Chief Data Management & Analytics Officer (CDAO) von Zeiss Österreich, Schweiz und Südosteuropa. „Bei der digitalen Transformation geht es darum, datengetriebene Geschäftsmodelle zu entwickeln“, erklärt der Wiener. Das ist jedoch komplex, unter anderem, weil dabei der Datenschutz und ethische Fragen rund um Data Governance ins Spiel kommen: Wem gehören Daten und was dürfen Betriebe damit tun? Um als Unternehmen Data-driven zu sein, brauche es eine gute Datenqualität und die Weiterbildung der Mitarbeiten- den. „Die schönsten Daten helfen nichts, wenn wir sie nicht zu interpretieren verstehen“, so Glasner. Außerdem komme es aufs Changemanagement an. „Digitalisierung heißt Veränderung und das erzeugt bei Beschäftigten leicht Ängste und Widerstände“, weiß der erste Absolvent des MBA in Digital Transformation & Data Science an der WU Executive Academy. Glasner hat einen Doktor in Geoinformatik und startete seine berufliche Laufbahn in Beratung und Vertrieb. Deshalb ent- schied er sich im MBA-Studium zunächst für den Schwerpunkt Marketing und Sales, bis 2019 der neue Studiengang mit Fokus Data Science entstand. Als er von dem Berufsbild Chief Data Officer hörte, war er Feuer und Flamme. Er konnte die Fach- richtung noch wechseln, nachdem er bereits am „Business Core“ der WU mit General-Management-Themen teilgenommen hatte, der inhaltlich in allen Professional MBAs gleich ist. Denn das berufsbegleitende 18-monatige Studium, für das man drei Jahre Berufserfahrung braucht, ist modular aufgebaut. „Wer mit der Spezialisierung beginnt, kann das Wissen sofort im Job anwen- den und zu einem späteren Zeitpunkt immer noch den MBA ma- chen – die Kurse werden dann angerechnet“, so Philip Glasner, der nun selbst Dozent in seinem ehemaligen Studiengang ist. Manager mit „Data Literacy“ gesucht Mit einem MBA in Digital Transformation & Data Science liegt die WU Executive Academy im Trend. Daten sind der Treibstoff der Digitalisierung und Managerinnen und Manager müssen zu- mindest die Grundlagen von Data Science verstehen, um digitale Geschäftsmodelle voranzutreiben und die Risiken einschätzen zu können. Der Bedarf an Beschäftigten, die über „Data Literacy“ verfügen, ist groß. Schon 2019 hatte die Unternehmensberatung Bain & Company für die Studie „Solving the New Equation for Advanced Analytics Talent“ prognostiziert, dass die weltweite Zahl der Datenanalysespezialisten rasant steigt: in Westeuropa beispielsweise von 125.000 im Jahr 2018 auf 170.000 im Jahr 2020, in den USA von 180.000 auf 310.000 und in China von 75.000 auf 190.000. Laut der Studie „The Future of Jobs Report” des Weltwirt- schaftsforums aus dem Oktober 2020 gehören Data Analysts and Scientists, AI and Machine Learning Specialists, Big Data Specialists und Digital Transformation Specialists zu den Top- 20-Jobs. Die Engpässe sind noch lange nicht behoben, wenn man die Weiterbildungswünsche von MBA-Absolventinnen und -Absolventen als Gradmesser heranzieht. Eine Studie von AMBA & BGA zum lebenslangen Lernen zeigt: Mehr als ein Drittel der Absolventen will sich weiterbilden – und zwar vor allem tech- nikbezogen. Als beliebteste Themen wurden Datenanalyse für Manager (47 Prozent) und digitale Strategie (45 Prozent) genannt.

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