Personalmagazin Plus 5/2021

Virtuelle Lehre 17 gehensweise und die Diversität sind wichtige Faktoren für die Qualität der Lehre an der WHU. Eine technische Besonderheit ist das „One Button Studio“. Hier können Live-Sessions mit Zoom abgehalten werden, bei denen die Dozierenden die Mimik der Studierenden besser sehen und besser auf sie eingehen können. Hier sollen Dozierende und Studierende in Zukunft auch selbst mit wenig Anleitung hoch- wertigen Video-Content erstellen können. Mit Blick auf die Zukunft geht Eva Kohl davon aus, dass die hybride Lehrform die WHU noch einige Zeit begleiten wird. „Ich denke, die Erfahrungen in Coronazeiten haben zu einem Mentalitätswandel geführt“, sagt Vincent Meertens und Eva Kohl ergänzt: „Ich würde sagen, dass Hybrid Teaching gekommen ist, um zu bleiben. Aber es wird kein Standard werden, sondern eher in speziellen Fällen eingesetzt.“ Uni St. Gallen: Hybrid schon vor Corona „Für die Lehre ist Zoom ‚hands down‘ zurzeit das beste Tool“, meint Julio Prina, Technology Based Learning Manager an der Executive School der Universität St. Gallen. Hier finden die Weiterbildungsprogramme und Seminare derzeit ebenfalls rein virtuell statt. Zoom ist im Lehrbetrieb das Hauptsystem. Darüber hinaus integriert das Learning Management System (LMS) Can- vas weitere Tools wie Rise, Miro und Slido. „Man kann wunderbar eigene E-Learning-Elemente gestalten und Diskussionsgruppen über das LMS ermöglichen“, sagt er. „Manche Dozierende nutzen asynchrone Elemente sehr intensiv, zum Beispiel für die Inter- aktion vor dem Unterricht.“ Hauptsächlich nutzt die Executive School der Universität St.Gallen aber Live-Events. Hybriden Unterricht mit Livestream gab es schon vor der Co- ronapandemie. Deshalb war man vorbereitet und wusste schon, wie Online-Kurse laufen, und konnte auch in der konsekutiven Ausbildung der Universität St. Gallen und bei den Instituten bei der Umstellung auf Online-Unterricht unterstützen. Hochwertige Inhalte statt „Bling-Bling“ Wie der Unterricht gestaltet wird und wie viele Live-Elemente enthalten sind, entscheidet jede Professorin, jeder Professor sowie jede Referentin und jeder Referent individuell. Idealer- weise wird das Interesse der Studierenden mit dem eigentlichen Lerninhalt geweckt. Die technische Komponente ist dabei ledig- lich die solide Basis im Hintergrund. „Oft ist es besser, in einen qualitativ hochwertigen Inhalt zu investieren, als Special Effects und Bling-Bling zu zeigen, denn das ist wesentlich teurer und führt selten zu zufriedenen Teilnehmenden“, sagt Julio Prina. „Es gilt, die Botschaft so zu gestalten, dass den Teilnehmenden bewusst wird, dass der Stoff relevant ist, und sie selbst merken: Ich muss das können.“ Er und sein Team informieren die Do- zierenden quartalsweise, welche technischen Elemente möglich sind, und bieten bei Bedarf Kommunikationstrainings an, denn visuelles Sprechen will gelernt sein. Dass hybride Unterrichtsformate in Zukunft fortbestehen, davon ist Julio Prina überzeugt. Wer an einer Präsenzveranstal- tung nicht teilnehmen kann, werde künftig nach dem Streamlink fragen. Das gilt für alle Weiterbildungen der Executive School, auch bei denjenigen Programmen, bei denen Netzwerken mit anderen Studierenden und Dozierenden als wichtigstes Asset gilt. „Inzwischen finden es die Studierenden toll, dass sie nicht mehr reisen müssen. Einzelne Module online zu gestalten – live, aber nicht vor Ort – das wird Bestand haben“, so Prina. ESCP: Gute Vorbereitung der Vorlesungen Bei der ESCP Business School am Standort Berlin wird rein on- line unterrichtet, an den meisten anderen Standorten findet die Lehre hybrid statt. Die zentrale Lernplattform ist Blackboard. Online-Lehre findet über Zoom oder Blackboard Collaborate statt. Eine Reihe weiterer Tools wie Miro oder Mentimeter wer- den eingesetzt, um spezifische Interaktionsformen abzubilden. Seit März haben die Dozierenden viel gelernt, wie Wissen am besten virtuell vermittelt wird. „Allerdings zeigten sich auch Unterschiede und fächerspezifische Herausforderungen. Ich merke, dass ich für Online-Unterricht mehr Zeit brauche, um Interaktion in der gewünschten Tiefe abzubilden“, berichtet Kerstin Alfes, Professor of Organisation and Human Resource Management bei der ESCP Europe am Campus Berlin. Ihrer Erfahrung nach haben sich Online-Diskussionsgruppen mit vier bis fünf Teilnehmenden bewährt, die vorab Vorberei- tungsliteratur, einen Case oder eine These behandeln. „Diese Vorarbeit wird auch bewertet und das kam sehr gut an. Man merkt den Lernfortschritt und es kommen alle zu 100 Prozent vorbereitet in die Vorlesung“, zieht sie ihr Fazit. Mit dem Format Flipped Classroommachte sie persönlich nicht so gute Erfahrun- gen: „Eine Vorlesung, die vor Corona komplett in diesem Format durchgeführt wurde, hat online nicht mehr so gut funktioniert.“ Für den Video-Content hat die ESCP ein eigenes Filmstudio in Berlin, das von den Dozierenden direkt genutzt wird. Die IT unterstützt und gibt eine Einführung. „Vorlesungen zu filmen, ist dabei nur der eine Teil, die Inhalte werden erst dann anspre- chend und nutzwertig, wenn sie auch professionell geschnitten werden. Hierfür arbeiten wir eng mit einem externen Koopera- tionspartner zusammen“, so Kerstin Alfes. Video-Content kön- nen die Dozierenden nach ihren individuellen Anforderungen und Kursen flexibel einsetzen. Manche filmen sehr viel, andere arbeiten eher mit Learning-Packages, die sie den Studierenden zur Verfügung stellen. Für technische Fragen der hybriden Lehre gab es an der ESCP eine Taskforce, die sich unter anderem um die Ausstattung der Hörsäle kümmerte. Bei der didaktischen Weiterentwicklung waren immer alle Dozierenden gemeinsammit an Bord. Daraus entstanden zahlreiche Best Practices mit geeigneten Formaten, Konzepten und unterschiedlichen Lehransätzen. Auch eine Liste mit sehr konkreten und handfesten Informationen wurde zusammengestellt. Im nächsten Schritt ist geplant, die Ansätze auf europäischer Ebene zu vereinheitlichen. Für die weitere Zu- kunft, nach der Lockerung der Kontaktbeschränkungen, soll wieder die Face-to-Face-Lehre zur Normalität werden, um spon- tane Interaktion zu ermöglichen. Dabei werden virtuelle Forma- te gleichzeitig weiterhin eine wichtige Rolle spielen. „Orientiert an den jeweiligen Anforderungen sind virtuelle Formate durch- aus sinnvoll“, sagt Kerstin Alfes. „Zum Beispiel haben wir fest- gestellt, dass introvertierte Studierende über die Online-Lehre besser angesprochen werden können. Außerdem erweitern sich dadurch die Möglichkeiten: Berliner Studierende können Pariser Unternehmen kennenlernen, spanische Studierende waren in einem Deutsch-Sprachkurs in Berlin eingeschrieben.“

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