Personalmagazin Plus 5/2021
personalmagazin plus: MBA 2021 MBA 16 Classroom-Methode an und stellen schon vor der Vorlesung Materialien zur Verfügung oder nutzen ein „Pre-Quiz“, damit die Studierenden vorab ein Gespür dafür bekommen, welche Themen sie erwarten und wie viel sie bereits darüber wissen. Zudem werden die Online-Vorlesungen aufgezeichnet, wenn die Professorin oder der Professor dies für richtig hält. Werkzeugkoffer für die Lehrenden „Online und hybrides Teaching haben für uns drei Komponen- ten, die es von Anfang an richtig zu kombinieren gilt: die tech- nische, die didaktische und die organisatorische/kulturelle“, sagt Eva Kohl, die Leiterin des Center of Digitalization. Dieses gibt den Dozierenden einen Werkzeugkoffer mit digitalen Tools an die Hand, mit dem sie ihre Unterrichtseinheiten bauen können. Dazu hat die WHU Guidelines für die virtuelle Lehre erarbeitet, die den Dozierenden zur Orientierung dienen sollen: Sie können Interaktion bewusst gestalten, indem sie zum Beispiel alle zehn bis 15 Minuten Aktivitäten wie Umfragen oder Whiteboard-Arbeit einbinden. Empfohlen wird auch, zehn bis 15 Minuten vor und nach der Zoom-Session für eine informelle Kommunikation ver- fügbar zu sein und in die Veranstaltungen Pausen einzubauen. Die Zoom-Sitzungen sollten durch weiterführende Inhalte in anderer Form ergänzt werden, zum Beispiel durch Infografiken, Literatur und Videos, die über das LMS zur Verfügung gestellt werden, über Flipped Classroom und andere Formate. „Damit geben wir den Dozierenden etwas an die Hand, mit dem sie sich überlegen können, wie sie mit den Studierenden arbeiten wollen“, so Eva Kohl. „Wie sie ihre Veranstaltung ausge- stalten, bleibt ihnen selbst überlassen. Manche wollen den Chat nutzen, andere nicht Manche möchten, dass die Studierenden sich spontan äußern, andere nicht.“ Die individuelle Heran- zur Verfügung gestellt, wenn er gehaltvoll ist. Da klassische Klausuren schwer umsetzbar sind, wird der Wissensstand der Teilnehmenden alternativ über Reflection Papers oder Hausar- beiten ermittelt, bei denen Schlüsselkonzepte aus der Vorlesung in die Praxis übersetzt werden. „Das läuft sehr gut – für beide Seiten“, so Andreas Suchanek. Das Feedback der Studierenden sei positiv, weil sie in dem Papier aufarbeiten könnten, was der Vorlesungsstoff für die Praxis bedeutet. Auch Gruppen- und Einzelpräsentationen und kleinere Projekte dienen zur Über- prüfung des Know-how-Erwerbs. Das Positive daran sei, dass die Studierenden mehr persönliches Feedback zu ihren Prüfungs- leistungen erhalten als früher, sagt Suchanek. Er betont, wie wichtig es ist, 90-minütige Vorlesungen nicht eins-zu-eins ins Web zu verlagern. „Online-Formate erfordern mehr Pausen“, sagt er. Deshalb habe die HHL einige Inhalte ausgedünnt und Instrumente eingefügt, die Interaktion fördern. Dazu gehören unter anderem Umfragen via Mentimeter, ein Quiz wie Kahoot oder ein „Chat Waterfall“, bei dem die Studierenden auf Kommando gleichzeitig eine Antwort auf eine Frage senden. „Die Studierenden brauchen so viel Interaktion wie möglich, auch mehr Kommunikation mit den Dozierenden. Deshalb ist der Chat so wichtig“, so Andreas Suchanek. Tobias Dauth, Professor für Internationales Management an der Handelshochschule Leipzig (HHL), erläutert den „Triple Hybrid Approach“, mit dem sich die Business School den neuen Formaten genähert hat. Punkt eins war die Bereitstellung der be- nötigten Technologie in den Räumen wie Kamera und Mikrofon: Wie erreichen wir die Studierenden in Präsenz und online? Punkt zwei betraf die Anpassung der Lehr- und Evaluationsformate: Passen die vorhandenen Formate zum Online-Konzept? Punkt drei stellte die Frage, wie sich der Lehrstil ändern muss. Seit März 2020 treffen sich die Dozierenden einmal in der Woche und tauschen sich über ihre Erfahrungen aus. „Im Laufe der Zeit haben sich die Themen geändert. Anfangs ging es um die Frage: Wie hab ihr das gemacht? Jetzt wird diskutiert, wie wir das Lehr- konzept längerfristig aufstellen, was nach Corona bleibt und ob wir noch zu einer reinen Präsenzlehre zurückwollen“, so Tobias Dauth. „Dass es in Zukunft auf eine Mischung aus Online- und Präsenzlehre hinauslaufen wird, ist vorhersehbar“, meint er. WHU: Schnelle technische Umsetzung Die WHU – Otto Beisheim School of Management musste zu Anfang der Pandemie schnell feststellen, dass Microsoft Teams die didaktischen Anforderungen nicht erfüllen konnte, und stieg noch im März auf Zoom um. Durch die Vorarbeit des Center of Digitalization, das bereits seit 2018 existiert, gelang die Umset- zung schnell. Zoom ist dabei Teil eines integrierten Konzepts, zu dem auch das Learning Management SystemMoodle und die Videoplattform Panopto gehören. Aktuell werden die Vorlesun- gen virtuell durchgeführt, im Sommer 2020 gab es auch hybride Veranstaltungen. „Die technische Implementierung der Tools ging schnell. Die größere Herausforderung war, die Programme und die Didaktik an die neue Situation anzupassen. Hierzu gab es viele intensive Gespräche und Beratungen mit den Dozieren- den und Studierenden“, berichtet Vincent Meertens, Associate Director Digital & Learning Innovation an der WHU. Bei den Veranstaltungen werden synchrone und asynchrone Lehrmethoden verzahnt. Viele Dozierende wenden die Flipped- „Hybrid Teaching ist gekommen, um zu bleiben. Aber es wird kein Standard werden, sondern eher in speziellen Fällen eingesetzt.“ EVA KOHL, Leiterin des Center of Digitalization an der WHU – Otto Beisheim School of Management
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