Personalmagazin Plus 5/2021

Virtuelle Lehre 15 anders agieren müssen als bei der reinen Präsenzlehre“, fasst Eduard Calvo zusam- men. „Die Pandemie hat uns alle gelehrt, empathischer mit den Studierenden um- zugehen. Noch nie mussten wir uns so in sie hineinversetzen, wie sie sich fühlen und wie wir ihnen helfen können. Das wird fortbestehen. MBA-Studierende zu unter- richten, ist keine Show, die man durch- zieht und wieder verlässt. Das war es vor- her nicht und ist es jetzt erst recht nicht“, ergänzt Luis Gonzaga Garcia Ruibal-Amor, Director des Executive MBA in München, und wirft dabei einen Blick in die weite- re Zukunft. Seiner Meinung nach werden Technologiekenntnisse für Dozierende wichtiger werden und die hybride Lehre wird auch in Zukunft Bestand haben. „Die Teilnehmenden des Executive MBA wollen zur Präsenzlehre zurückkehren, um das Erlebnis vor Ort zu haben“, sagt er. Aber die Vorteile von Online-Veranstaltungen würden sicherlich weiter genutzt. HHL: Mehr Feintuning in der Vorbereitung Bei der Handelshochschule Leipzig (HHL) findet derzeit ein rein virtueller Unterricht statt. Im Sommer 2020 gab es auch Hyb- rid-Formate. Eingesetzt werden vornehm- lich MS Teams und Zoom, in manchen Fällen auch Webex. „Zoom ist am besten dafür geeignet, schnell Teams für Diskus- sionen und das Bearbeiten von Gruppen- arbeiten zu bilden“, berichtet Professor Andreas Suchanek, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschafts- und Unternehmensethik an der HHL. Seiner Erfahrung nach ist das Engagement der Studierenden nicht zurückgegangen, allerdings sei auch deutlich mehr Feintuning in der Vorbereitung einer Vorlesung gefragt. Bei der HHL werden häufig vor dem Unterricht schon Frage- stellungen an die Teilnehmenden versandt. Manche Dozierende wenden auch die Methode Flipped Classroom an, bei der Lern- inhalte zunächst zu Hause erarbeitet werden und im Unterricht dann Übungen und Diskussionen stattfinden. Bei Hauptsessions mit allen Teilnehmenden ist normalerweise zusätzlich ein „Tech Host“ anwesend, der unter anderem den Chat überwacht. In Breakout Sessions diskutieren die Studierenden dann oft eine Frage, die zuvor gestellt wurde. Die Gruppeneinteilung dafür kann manuell erfolgen, einfacher ist aber eine Zufallsauswahl: „Ein Klick und die Studierenden werden eingeladen, in ihre ‚Gruppenräume‘ zu gehen“, so Suchanek. „Gruppendiskussionen können viel besser strukturiert werden als vorher“, nennt er einen Vorteil der virtuellen Lehre. Für die Ergebnissicherung während und nach einer Vorlesung setzt die HHL oft Online-Whiteboards ein, auf die alle Zugriff haben. Zudem wird der bereinigte Chatverlauf gespeichert und Lehrperson sich die Beteiligung vorstellt. „Wir empfehlen den Dozierenden, das virtuelle Handheben nicht zu benutzen. Sie sollen lieber ein reales Handzeichen geben. Sonst fühlt es sich für sie an, als würden sie zu einer Fischtheke gehen und ein Ticket ziehen“, so Calvo. Außerdem sei dann eine direktere Kom- munikation möglich. „Die Lehrperson weiß, dass sich die Wort- meldung tatsächlich auf das bezieht, was gerade gesagt wurde.“ Die hybride Lehre wird bleiben Aber es gibt auch positive Aspekte der Online-Lehre, zum Bei- spiel vermehrte Breakout-Sessions. „Beim Präsenzunterricht würde man das so nicht machen: in der Mitte einer Vorlesung die Teilnehmenden für fünf Minuten in die Pause zu schicken. Jetzt ist das mit zwei Klicks möglich“, sagt Edoardo Calvo. Wei- tere Vorteile sind, dass Dozierende aus der ganzen Welt Veran- staltungen abhalten können und dass die Studierenden Inhalte schnell teilen können, damit alle sehen, welche Frage sie haben. „Es hilft nicht zu jammern. Vielmehr geht es darum, zu ver- stehen, dass die Online-Lehre etwas anderes ist und dass wir

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