Personalmagazin Plus 5/2021
13 Porträt berufsbegleitender MBA, bei dem aus- schließlich online unterrichtet wird. Lutz hielt Rücksprache mit seinem Vorgesetzten, der selbst einen MBA ab- solvierte und ihn bei der Bewerbung un- terstützte. Finanzielle Hilfe von seinem Arbeitgeber lehnte er jedoch ab. Um sich die weiteren Schritte nach dem Studium offenzuhalten, trug Lutz die Kosten von umgerechnet rund 24.000 Euro selbst. Sein Studium, das im Januar 2019 star- tete, bestand aus vier Pflicht- und zwei Wahlmodulen. Die Fächer „Strategic Leadership & Management“, „Managerial Economics and Business Analysis“, „Va- lue Chain Management“ und „Financial Management“ mussten alle Studierenden belegen. Bei den Wahlfächern entschied sich Lutz für „Innovation: From Creati- vity to Entrepreneurship“ sowie „Busi- ness Analytics“ – zwei Module, bei denen die digitale Transformation und Daten analyse im Mittelpunkt stehen. Die Vorlesungen und Seminare fan- den über Zoom-Meetings statt. „Jeden Dienstag mussten wir etwas abliefern, ob Präsentationen, Tests oder Essays“, be- schreibt Lutz den Aufwand im Studienall- tag. „Zum Glück musste meine Partnerin abends selbst oft arbeiten. Außerdem hat man in den USA als Expat nach Feier- abend und an den Wochenenden ohnehin weniger private Verabredungen, als das zu Hause in der Heimat der Fall wäre“, so Lutz. Eine gute Wochenplanung sei dennoch essenziell – im Schnitt müsse man neben dem Vollzeit-Job zehn bis 15 Stunden pro Woche für das Studium einplanen. „Selbst im Urlaub war mein Notebook ein ständiger Begleiter – auch zum Leidwesen meiner Partnerin“, er- zählt Lutz. Einen Ausgleich fand der be- geisterte Marathonläufer im Sport. Netzwerk-Plattform statt Campusgesprächen Trotz des fehlenden Campus-Aufenthalts habe es genug Möglichkeiten gegeben, sich mit Kommilitonen auszutauschen und zu vernetzen. Der größte Teil der Interaktion Frank Lutz betrachtet sein MBA-Studium als Werk- zeugkoffer für seine Arbeit als Digital Transformation Leader bei Bosch. lief über die Online-Plattform „Workplace“. Hier baute sich Lutz ein breites Netzwerk auf, das er weiterhin pflegen will. Im Frühjahr 2020 erhielt Lutz das Angebot, wieder in die Bosch-Zentrale für Einkauf und Logistik nach Stutt- gart-Zuffenhausen zurückzukehren. Die letzten Monate bis zu seinem Abschluss im Dezember studierte er deshalb von Deutschland aus. Heute ist er als „Di- gital Transformation Leader“ für die Digitalisierung einer globalen Einkaufs- organisation im Automobilgeschäft von Bosch verantwortlich. Lutz entwickelt mit seinem Team digitale Lösungen, um die Produktivität innerhalb der Organisation zu erhöhen. Dabei rollt er Programme wie Robotic Process Automation oder Data Analytics flächendeckend aus. Kenntnisse aus dem MBA helfen im Job „Ich kombiniere meine Erfahrungen aus dem Einkauf- und Supply-Chain-Bereich mit meinen neuen Kenntnissen aus dem MBA, vor allem im Bereich der Digitalisie- rung“, berichtet Lutz. In jedem Unterneh- men gebe es Angestellte, die nur langsam von neuen digitalen Tools und Prozessen überzeugt werden können. „Meine Aufga- be ist es, die Vorbehalte dieser Mitarbei- tenden abzubauen.“ Für ihn persönlich sei die digitale Transformation mit ihrer Mischung aus technischen und zwischen- menschlichen Aspekten eine spannende Aufgabe. Kaum ein anderes Thema biete Unternehmen ein derart großes Poten- zial, sich vom Wettbewerb abzuheben und neue Geschäftsfelder zu erschließen. Profitiert habe er vor allem von den vielen Fallstudien, die im MBA-Studium behandelt wurden. „Dadurch habe ich jetzt eine Toolbox im Kopf, auf die ich zurückgreifen kann. Tatsächlich brauche ich diesen Werkzeugkasten fast täglich, sei es für die Gestaltung von Verände- rungsprozessen im Rahmen der digitalen Transformation, das Führen von Mitar- beitenden oder theoretische Aspekte zu Data Analytics.“ Seine aktuelle Aufgabe könne er ohne das berufsbegleitende Stu- dium nicht erfüllen. Die Zeit im Silicon Valley gab den Anstoß. HANNES SELZ ist Volontär beim Perso- nalmagazin und recherchiert regelmäßig zu MBA-Themen.
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