Personalmagazin Plus 5/2021
lich breit aufzustellen. Für viele spielen auch die internationalen Networking-Möglichkeiten eine sehr große Rolle. Wer durch eine Weiterbildung an einer Business School seinen Horizont erweitert und dann auch noch intern und extern gute Netzwerke hat, verbessert die eigenen Karrieremöglichkeiten enorm und hat gute Chancen spannende Zukunftsthemen bearbeiten zu können. Sie fördern diese Art der Weiterbildung also auch finanziell? Ja, die Nominierungsprogramme finanzieren wir komplett. Auch bei mir hat Henkel 2019 die Kosten für die beiden Zerti- fikate an Business Schools übernommen. Bei einem MBA-Stu- dium gibt es individuelle Vereinbarungen, aber das finanzieren wir gegebenenfalls auch mit, wenn wir das für einen richtigen Karriereschritt halten. Da dies aber von Fall zu Fall verschieden ist, sind diese Förderungen nicht offizieller Teil unseres globalen Trainingsportfolios. Haben Sie keine Angst, dass Mitarbeitende den Arbeitgeber wechseln könnten, wenn sie dann so gut qualifiziert sind? Ich habe da keine Vorbehalte. Unternehmen, die ihre Mit- arbeiter langfristig halten möchten, müssen ihnen attraktive Angebote für Weiterentwicklung und Lernen anbieten und in sie investieren. Nur dann können wir im Wettbewerb um die besten Talente bestehen. Welches Zeitmodell ist das beste – berufsbegleitend oder Vollzeit, online oder Präsenz, festes Curriculum oder mo- dulare Angebote? Das hängt davon ab, zu welchem Zeitpunkt in meiner Karrie- re ich welche Art der Weiterbildung an einer Business School mache. Alle Modelle haben ihre Vor- und Nachteile. Je nach Standort gibt es flexible Arbeitszeitregelungen, die ein berufs- begleitendes Studium erleichtern können – das ist regional sehr unterschiedlich. Und natürlich spielt auch die persönliche Situation eine Rolle. Wie haben Sie persönlich das gemacht – also Familie und Beruf unter einen Hut bekommen, während Ihrer berufs- begleitenden Weiterbildungsphasen? Wenig geschlafen (lacht). Meine Vorgesetzten und meine Familie haben mich da zum Glück sehr gut unterstützt. Ich habe drei Kinder, aber Henkel bietet viel Flexibilität mit den verschiedenen Möglichkeiten, sich weiterzubilden. Wenn Mit- arbeiter zum Beispiel in Elternzeit gehen möchten oder andere private Angelegenheiten anstehen und gleichzeitig ein Pro- gramm startet, dann schieben wir das auch mal um ein halbes Jahr oder ein Jahr – das heißt nicht, dass dann die Chance auf das Angebot vertan ist. Sind reine Online-Studiengänge jetzt mit der Coronapande- mie eher salonfähig geworden? Insgesamt hat das Thema digitales Lernen einen unglaubli- chen „Booster“ durch Corona erhalten. Das wird sich sicher auf die Studiengänge auswirken. In der Zukunft kommt es darauf an, online und offline sinnvoll miteinander zu verbinden. Und die Flexibilität sollten wir uns beibehalten. Inwiefern bearbeiten Beschäftigte an Business Schools Ihre praktischen Fragestellungen im Unternehmen? Wir versuchen immer, die von uns geförderten Weiterbildun- gen anwendungsorientiert zu gestalten – sei es, dass wir Cases für Masterarbeiten zur Verfügung stellen oder Führungskräfte in Trainings an unseren Fragen arbeiten. Das geben wir aber nicht vom Learning & Development-Team vor, sondern das kommt aus dem Business. Da besteht auch oft die Möglichkeit, dass die Teilnehmer von Weiterbildungen ihre Erkenntnisse vor dem Management- oder Leadership-Board präsentieren. Ein MBA-Studium gilt als Karrieresprungbrett. Verbessern sich damit auch bei Henkel die Karrierechancen? Ein MBA-Studium hat in jedem Fall einen positiven Einfluss auf die Karriereentwicklung. Aber der einzige Grund, warum jemand in eine höhere Position kommt oder in einer höheren Position einsteigt, ist es sicherlich nicht. Es ist ein guter Indikator, wenn jemand sich an einer Business School wei tergebildet hat. Meistens rundet es das persönliche Profil ab und man stellt sich breiter auf. Karriere muss dabei nicht immer Führung bedeuten, sondern kann auch in die Experten- richtung gehen – gerade im technischen Bereich. Wir unter- scheiden in unserem globalen Development-Programm zwi- schen Leadership Series und Expert Series. Letztere sind inhaltlich getrieben, werden aber immer mehr gleichwertig mit der Führungsschiene. Die Führungskarriere ist nicht mehr alternativlos. „ Sich an einer Business School weiter- zubilden, ist ein guter Karriere- Indikator.“ 11 Interview
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