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Bei Fragen wenden Sie sich bit te an
... Michael Schurr zum Thema „Gender Offices“
MICHAEL SCHURR
, Vorstand der ISG e.V.,
stellt für das DNB (Deutsche Netzwerk
Büro) Arbeitsplätze speziell für Frauen
vor. Auf der Orgatec hat er damit eine
Diskussion zum Gender-Thema entfacht.
Frage eins:
Brauchen wir wirklich Arbeits-
plätze, die speziell für Frauen eingerich-
tet sind?
Michael Schurr:
Die vorgestellten Gen-
der Offices sind Arbeitsplätze, die ge-
schlechtspezifische Aspekte mit „weibli-
chen Extras“ berücksichtigen: Sie bieten
Stauraum für Handtasche und Schuhe,
Farben, die vorwiegend Frauen gefallen
und ein Beautyfach. Bei der Konzeption
war entscheidend, dass sehr praktisch
an die Bedürfnisse der Benutzer von
Büroarbeitsplätzen gedacht wird - Frau-
en sollen unabhängig von den üblichen
Garderoben alles am Arbeitsplatz unter-
bringen und verstauen können. Doch es
geht auch um die Mitarbeitermotivation.
Arbeitgeber können so geschlechtsspe-
zifische Wertschätzung als mitarbeitero-
rientiertes Konzept pragmatisch mit der
Burnout-Prävention verknüpfen.
Frage zwei:
Wird dabei nicht ein bestimm-
tes Klischee bedient? Vielfach werden
doch eher der Arbeitstyp oder auch die
Arbeitsaufgabe die konkreten Anforde-
rungen an die Arbeitsplatzausstattung
bestimmen.
Schurr:
Natürlich gibt es auch solche Un-
terschiede, genauso sind unterschied-
liche Nutzertypen nach Branche oder
Kultur feststellbar. Eine Studie der Köln
International School of Design zeigt aber,
dass bei circa 70 Prozent aller Schreib-
tische weltweit sofort erkennbar ist, ob
es der Arbeitsplatz eines Mannes oder
einer Frau ist. Diese Ergebnisse wurden
bei Studien im Vorfeld der Entwicklung
des Gender Offices durch Tilman Shastri
immer wieder bestätigt. So wurde in der
Konzeption berücksichtigt, wie die ver-
schiedenen Geschlechter die Rahmen-
bedingungen in ihrer geschlechtsspezi-
fischen Ausprägung nutzen.
Frage drei:
Reagieren Männer bei der
Vorstellung des Gender Offices anders?
Schurr:
Wir hatten erwartet, dass Männer
sich negativ äußern würden, aber weit
gefehlt. Natürlich war bei denweiblichen
Führungskräften das Verständnis für
die Vorteile durch den Eigenbedarf grö-
ßer als bei den männlichen Kollegen.
Für diese stand eher die Wertschät-
zung, aber auch die positive Resonanz
für sie als Arbeitgeber im Vordergrund.
Immer wieder fragten die männlichen
Vorgesetzten allerdings, ob Männer sich
diskriminiert fühlen könnten, wenn sie
aus organisatorischen Gründen an ei-
nen Frauenarbeitsplatz sitzen müssen.
Doch richtig kommuniziert, sollte das
kein Problem sein. Und wenn die Farbe
nicht stimmt, kann das Orgabrett ausge-
tauscht werden.
Drei Fragen an ...
Die Folgen der digitalen Revolution
D
ie digitale Revolution und ihre
Auswirkungen auf Unterneh-
men und die Personaler-Rolle
bildet das Schwerpunktthema des Per-
sonalforums „HR: Zukunft im Visier“.
Am 26. März beschäftigt es sich mit
der Gestaltung von Arbeitswelten im
Dreieck Mensch – Digitalisierung –
zukunftsorientierter Standort. Auf die
digitale Revolution und ihre Konse-
quenzen für den Standort Deutschland
geht Dr. Georg Strauch vom Bundes-
verband der Deutschen Industrie ein.
Thomas Sattelberger, Vorstand der
HR Alliance, beschreibt, wie die Ar-
beitswelt 4.0 in Zeiten der digitalen
Revolution aussehen wird. Über die
Potenziale und Risiken von Big Data
spricht Professor Stefan Strohmeier
von der Universität Saarbrücken. Au-
ßerdem gibt es Fallstudien und pra-
xisnahe Einblicke. Das Personalforum
findet im Hotel Dolce München statt.
Im Dolce Hotel München-Unterschleißheim findet
das Personalforum 2015 statt.
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