05 / 14 personalmagazin
... Martin Gaedt zum Thema Fachkräftemangel
Frage eins:
Die meisten Arbeitgeber
klagen über sinkende Bewerberzah-
len. Auf welche Zahlen stützen Sie
den „Mythos Fachkräftemangel“?
Martin Gaedt:
Es gibt keine eindeu-
tigen Zahlen, sondern nur tendenzi-
öse Zahlen in alle Richtungen. Doch
anhand von Geschichten kann man
die Problematik sehr gut verstehen.
Eine solche Geschichte handelt von
einem Paar, das in Neuseeland gut
und gern gelebt hat – sie Anästhe-
sistin und er Softwareentwickler.
Weil sie näher bei ihren Verwand-
ten sein wollten, kamen sie zurück
nach Deutschland. Sie fand sofort
einen Job im Krankenhaus, kündig
te aber nach einem Monat wegen
der schlechten Arbeitsatmosphäre.
Im zweiten Job war es keinen Deut
besser. Beide haben, obwohl sie al-
les in Neuseeland verkauft hatten,
nach zwei Monaten Deutschland
verlassen. Das ist kein Einzelfall.
Frage zwei:
Welche grundlegenden
Fehler begehen die Unternehmen?
Gaedt:
Das Fachkräftepotenzial ist
da, aber die Firmen verstehen es
nicht, dieses Potenzial zu binden.
Wenn Unternehmen sagen „Wir
bekommen immer weniger Bewer-
Drei Fragen an ...
Martin Gaedt
, Gründer der
Younect GmbH und Anbieter der
Empfehlungsplattform Clever-
heads, schreibt in seinem Buch
„Mythos Fachkräftemangel“:
„Auf Deutschlands Arbeitsmarkt
läuft einiges schief.“
bungen“, dann sage ich: Nur wenn
sie weniger Bewerber bekommen,
heißt das nicht, dass es weniger
Bewerber gibt. Die Unternehmen
passen sich nicht an die geänderten
Suchpräferenzen der Bewerber an.
2012 haben noch 60 Prozent der
Kandidaten über Stellenbörsen ge-
sucht, 2013 waren es nur noch 34
Prozent. Das ist das eigentliche
Manko: 80 Prozent der Unterneh-
men schalten weiter Stellenanzei-
gen und sagen, es kommt ja keiner.
Frage drei:
Welche Maßnahmen
legen Sie Arbeitgebern ans Herz?
Gaedt:
Ein Beispiel: Ein Unterneh-
mer in Süddeutschland beschäf-
tigt samstags zehn Schüler mit
einfachen Jobs und entscheidet
nach einem Jahr, welche seine zwei
künftigen Azubis sind. Der Bewer-
ber weiß, worauf er sich einlässt,
der Unternehmer auch. Und der
gesamte Prozess der Azubifindung
läuft ohne Anzeigenschaltung und
Bewerbungsgespräch, sondern al-
lein durch das gegenseitige Erleben
in einer sinnvollen Beschäftigung.
Deshalb glaube ich, dass Rekrutie-
rungsprozesse gar keine Stellenan-
zeigen mehr brauchen.
7
© Viktor Strasse