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ZEITARBEIT
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personalmagazin 05 / 11
Zeitenwende in der Zeitarbeit
TREND. Die Zeitarbeit hat neue Rahmenbedingungen. Sie wandelt sich von der
Billiglösung für „Arbeitnehmer zweiter Klasse“ zum seriösen Flexi-Instrument.
Z
wischen2003und2008warmehr
als jedes neunte neu entstandene
sozialversicherungspf lichtige
Beschäftigungsverhältnis ein
Leiharbeitsverhältnis, so ein Bericht der
Bundesregierung zum Arbeitnehmer-
überlassungsgesetz (AÜG). Derzeit sind
etwa eine MillionMenschen in Zeitarbeit
beschäftigt, sagte jüngst der Präsident
des BZA (Bundesverband Zeitarbeit Per-
sonaldienstleistungen) dem Hamburger
Abendblatt. Die klassische Begründung
der Personalorganisation für den Einsatz
dieser Beschäftigungsformwar, „äußerst
flexibel auf Nachfragespitzen oder Auf-
tragsflauten reagieren zu können“.
Doch trotz des Aufschwungs und
des erneuten Höchststands an Zeitar-
beitnehmern begegnet der Zeitarbeits-
branche viel Skepsis. Schon seit jeher
von den Gewerkschaften argwöhnisch
beobachtet, ist diese Möglichkeit der
Arbeitnehmerüberlassung während der
Finanz- und Wirtschaftskrise vollends
in die öffentliche Kritik geraten. Zwar
haben Förderprogramme der Arbeits-
agenturen und Qualifizierungsmaß-
nahmen durch die Zeitarbeitsvermittler
selbst einen guten Teil dazu beigetragen,
dass eine flexible Personalpolitik bei un-
gleichmäßigen Auslastungen wie auch
im einsetzenden Aufschwung gewähr-
leistet bleiben konnte. Dennoch mehrten
sich die Vorwürfe, Zeitarbeit allein zur
Kostenreduzierung einzusetzen und
die Flexibilität in Richtung Missbrauch
insbesondere zuungunsten potenzieller
Festanstellungen zu überdehnen.
Die negativen Schlagzeilen häuften
sich: Vorwürfe über Lohndumping bei
der Tarifgemeinschaft Christlicher Ge-
werkschaften für Zeitarbeit und Perso-
nalserviceagenturen (CGZP) und der
Verdacht, dass die Drogeriemarktkette
Schlecker über 40.000 Mitarbeiter ent-
lassen hat, um sie über eine Zeitarbeits-
firma zu schlechteren Bedingungen
wieder zu beschäftigen, kratzten weiter
am Image der Zeitarbeitsfirmen.
Und so ist die Zeit nun reif: Das Jahr
2011 wird zum Jahr der Veränderungen
in den Rahmenbedingungen, aber
auch im Umgang mit der Zeitarbeit.
Die missbräuchliche und überzogene
Ausnutzung des Arbeitnehmerüberlas-
sungsgesetzes hat zur Reform dieser
Regeln geführt. Hehre Ziele, zum Vorteil
von Leiharbeitnehmern wie Arbeitge-
bern verfolgt die Bundesregierung mit
dieser Neuregelung. Die wörtliche Ziel-
setzung im Entwurf: „Der Missbrauch
der Arbeitnehmerüberlassung soll un-
terbunden werden. Insgesamt soll die
Arbeitnehmerüberlassung als flexibles
arbeitsmarktpolitisches Instrument ge-
stärkt und die positiven Beschäftigungs-
effekte erhalten bleiben.“
Neue rechtliche Rahmenbedingungen
Im Einzelnen kann Anton Schlecker
das zweifelhafte Verdienst in Anspruch
nehmen, dass ein Gesetz mit seinem
Unternehmen verbunden ist: Ein
Schwerpunkt der Änderungen bei der
Arbeitnehmerüberlassung im Konzern,
die sogenannte „Drehtürklausel“, wird
umgangssprachlich auch als „Lex Schle-
cker“ bezeichnet. Welche Änderungen
dadurch im Einzelnen auf Sie zukom-
men, können Sie auf den Seiten 24 und
25 im Beitrag „Konzernverleih wird
komplizierter“ nachlesen. Eher Routine
ist der zweite Teil der Reform des AÜG,
nämlich die vorgeschriebene Anpassung
an die Europäische Richtlinie für Arbeit-
nehmerüberlassung. Gleichwohl sind
hier wichtige neue Pflichten geregelt,
lesen Sie dazu die Seiten 26 und 27.
Auch die Gerichte arbeiteten mit
am Paradigmenwechsel: Spektakulär
und geradezu dramatisch ist hier die
Von
Thomas Muschiol
und
Katharina Schmitt
(Red.)
Download
Die aktuellen Regelungen zur
Arbeitnehmerüberlassung und zum
Mindestlohn in der Zeitarbeitsbran-
che können Sie herunterladen unter
Nun ist die Zeit reif: Das Jahr 2011 wird zum Jahr
der Veränderungen in den Rahmenbedingungen
und im Umgang mit der Zeitarbeit.