Immobilienwirtschaft 3/2024

87 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2024 können sich immer weniger Menschen eine Immobilie leisten. Für freiberufliche Makler ohne Netzwerke, kleine Vermittlerbüros und junge PropTechs wird es schwieriger, sich gegen Wettbewerber mit vielen Niederlassungen und großem Kundenstamm, wie Engel & Völkers, von Poll oder Remax, zu behaupten. Von Poll Immobilien investierte erst 2022 siebenstellig in die digitale Transformation und konnte so die Auftragsquote und die Kundenzufriedenheit steigern. „Hybridmakler und traditioneller Makler verschmelzen zunehmend“, so Chief Digital Officer Wolfram Gast. Die Weiterentwicklung von einem traditionellen zu einem digitalen und agilen Unternehmen garantiere die nötige Wettbewerbsfähigkeit. Von den lange etablierten großen Makler-Häusern wie von Poll und Dahler ist zurzeit nichts über Entlassungen zu lesen. Angesichts der Transaktionszahlen ist der Provisionsrückgang aber logische Konsequenz. Weil diese Häuser als Franchise organisiert sind, sind personelle Auswirkungen zudem viel lokaler und werden oft medial weniger aufgegriffen. Außerdem sind Makler hier häufig selbstständig, sie werden dann nicht gekündigt, sondern bekommen schlicht weniger oder keine Aufträge mehr. Engel & Völkers wurde noch vor Krisenbeginn mehrheitlich vom Investor Permira übernommen. Der Blick auf kununu gibt ein durchwachsenes Bild ab, berichtet wird u.a. intern von unzureichender Kommunikation und mangelnden Arbeitsmitteln. NISCHEN WERDEN GESUCHT McMakler will nach mehreren Entlassungswellen in den vergangenen Monaten wieder „angreifen“ und ist überzeugt, die Talsohle durchschritten zu haben, wie Gründer Felix Jahn zitiert wird. Trotz anhaltender Zurückhaltung im Markt sei man mit Blick auf die Entwicklung seit dem vierten Quartal 2023 und den anhaltenden Trend steigender Nachfrage zunehmend optimistisch. Was als Vorteil verkauft wird, nämlich dass der angestellte McMakler sich nicht um die Objektakquise kümmern muss, wird bei manchen Festangestellten im Berufsalltag als „Läufertätigkeit“ eher negativ bewertet, da die eigentliche Maklertätigkeit zu kurz komme. 1 TEAM NEHO will mit frischem, modernem Ansatz in Deutschland überzeugen 2 NICHT DIGITAL IST FATAL Jan Mettenbrink, Geschäftsführer maison Immobilien, wähnt sich und sein Unternehmen auf der richtigen Fährte zusätzlich ausgezahlt und den Teammitgliedern nicht abgezogen. Die Maklerszene steht zweifellos vor einem großen Umbruch. Und dieser Wandel muss positiv gestaltet und mit innovativen Ideen besetzt werden. „Der Makler-Marktanteil an den zum Verkauf angebotenen Wohnimmobilien legte im ersten Quartal 2023 gegenüber dem Vorjahresquartal deutlich zu“, hat Professor Stephan Kippes, Leiter des IVDMarktforschungsinstituts, eine erfreuliche Botschaft. „Im Durchschnitt der Top-7-Immobilienmetropolen wurden 79 Prozent der Immobilien zwischen Januar und März 2023 über den Makler angeboten, im Vorjahreszeitraum waren es noch 76 Prozent.“ WENIGER PROVISIONEN, MEHR SERVICE Nicht nur in den Top Seven, auch bundesweit steigt die Maklerquote. Bis Ende Mai 2023 kletterte sie laut einer Analyse von Sprengnetter auf 68,1 Prozent. „Nachdem der Markt Ende 2022 mit Anzeigen von Privatverkäufern überschwemmt wurde, ist das eine klare Trendwende“, kommentiert COO Christian Sauerborn die Entwicklung. Der Anbieter von Wertermittlungssoftware für Makler und Sachverständige gehört seit letztem Jahr mehrheitlich Scout24. IS24, als führende Multiplattform, wird in der Branche am ehesten zugetraut, den nächsten Schritt zur eigenen Maklertätigkeit erfolgreich umzusetzen, nachdem sie ihr Unternehmensportfolio bereits konsequent durch Aufkäufe ausgebaut hat. Ein Problem bleibt indes: Der Vermarktungs-Kuchen wird aktuell kleiner, sprich wegen der rasant gestiegenen Finanzierungskosten 1 2

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