71 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2024 müssten beide Parteien zufrieden sein. Laut VDIV, der insbesondere auch viele kleinteilige Verwaltungen unter seinem Verbandsdach vereint, ist die WEG-Vergütung für 2022 (aktuellster Erhebungsstand) zwar um 5,4 Prozent im Durchschnitt (rund 25 Euro pro Einheit) gewachsen, dem stand allerdings eine Inflationsrate von 6,9 Prozent gegenüber. Dabei lag nach Verbandsangaben die Region Nord noch mit 26,64 Euro (Vorjahr 23,26 Euro) mit der höchsten Vergütung (exklusive Garagen und Stellplätze) vorne. Auch interessant: Laut Gehaltsstudie unterscheidet sich das Bruttojahresgehalt im Mittel bei allen Mitarbeitenden im Vergleich von Stadt und Land um 700 bis 4.400 Euro, besonders spürbar werde der Unterschied bei Führungskräften, dann mit etwa 5.000 Euro und bei Geschäftsführern mit bis zu 11.000 Euro jährlich. „Zum Glück haben wir einen guten Bestand an zu verwaltenden Wohneinheiten“, beschreibt Burkhard Bojazian, Geschäftsführer von Justus Grosse in Bremen, sein Portfolio von rund 17.000 Wohneinheiten. Damit gehört er zu den regional großen Verwaltern. Als „auskömmlich“ beschreibt der Immobilienprofi den Geschäftszweig. Gerade in dem momentan schwierigen Fahrwasser neuer Projektentwicklungen sei das Management der Eigentums- und Mietbestände ein nicht gering zu schätzender stabiler Anker. Die Hauptaufgaben würden anspruchsvoller werden, gute Software zur Datenpflege und vor allem die Kompatibilität zu Schnittstellen würden ein immer entscheidenderer Faktor zur effizienten Verwaltung der Bestände, so Bojazian. DEUTLICH GESTIEGENE MEHRAUFWÄNDE Ab einer Größenordnung von ca. 10.000 Wohneinheiten wird es interessant, eine eigene bzw. auf die eigenen Bedürfnisse hin optimierte Standardsoftware einzusetzen. „Wirklich reich wird man aber“, so Professor Marco Wölfle, Akademischer Leiter/Dekan der VWA Business School (VWA-BS) und Center for Real Estate Studies (CRES), „eher nicht als Hausverwalter, am ehesten wohl, wenn man seine Verwaltung wie ein Großunternehmen führt und über große Stückzahlen, Multiplikatoren und geeignete Instrumente zur Effizienzsteigerung verfügt und so die Margen erhöhen kann“. Eigentümer würden indes oft nicht die durch ständig geänderte Gesetzeslagen erforderlichen deutlich gestiegenen Mehraufwände und somit Kosten ihrer Verwaltungen akzeptieren, so Wölfle weiter. Inhaber, die ihre über viele Jahre aufgebaute Verwaltungstätigkeit am Ende des Berufslebens „versilbern“ möchten, schauen laut Wölfle oftmals fast konsterniert auf das finanzielle Ergebnis. Nach umfangreichen Due-Diligence-Prüfungen blieben am Ende bei gut geführten Wohnportfolios maximal 2,5 bis drei Jahresgehälter beim Verkauf übrig. Bei vereinzelten Problemen mit Objekten, der Lage oder „schwierigen“ Eigentümerinnen und Eigentümern könnten es schnell auch nur ein bis 1,5 Jahresgehälter werden. Am Ende bleibe so „grob geschätzt“ nur eine Summe zwischen 150.000 bis 300.000 Euro für ein geschäftliches Lebenswerk übrig. Fehlende Fachkräfte, überbordende Bürokratie und Handwerker, die über Monate ausgebucht sind, beklagt Carl Christian Franzen, Hamburger Immobilienexperte und Inhaber von Carl C. Franzen. Die Haus- und Grundstücksverwaltung in dritter Generation betreut gut 2.500 Wohneinheiten. Unternehmen, die aktuell den Markt auf den Kauf von Hausverwaltungen ab solchen Größenordnungen durchforsten, seien oft in erster Linie darauf aus, gutes Personal zu akquirieren, so Franzen. Das Portfolio komme erst an zweiter Stelle, der finanzielle Ertrag demnach auch. WEG-Regelsatz 2023 Preise in Euro je Einheit pro Monat Wohnanlagen von Mitte bis bis 10 Einheiten 30,00 35,70 41,65 zwischen 11 und 19 Einheiten 28,56 30,00 35,70 zwischen 20 und 49 Einheiten 24,99 27,97 30,00 zwischen 50 und 99 Einheiten 23,80 25,00 28,00 größer als 99 Einheiten 22,61 23,80 25,00 Quelle: CRES - Center for Real Estate Studies Miet-Regelsatz 2023 Preise in Euro je Einheit pro Monat Wohnanlagen von Mitte bis bis 10 Einheiten 29,75 34,51 40,00 zwischen 11 und 19 Einheiten 29,75 30,94 35,70 zwischen 20 und 49 Einheiten 28,56 29,75 35,70 zwischen 50 und 99 Einheiten 23,80 27,37 29,75 größer als 99 Einheiten 23,80 24,40 28,56 Sonderleistungen nach Tatigkeit Brutto-Sätze in Euro je Arbeitsstunde Position unteres Viertel endet bei Median oberes Viertel beginnt bei Geschäftsführung/Inhaber 83,30 100,58 119,00 Prokurist 85,00 95,20 116,62 Ingenieur 89,25 107,10 113,05 Techniker 71,40 83,30 95,20 Sachbearbeiter 59,50 71,40 83,30 Sekretariat 51,17 59,50 71,40 Hausmeister 40,00 47,50 58,31 Azubi 35,70 41,65 50,00 Allgemeiner Satz 65,00 80,92 95,20
RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==