63 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2024 Schwerpunkt Manage to Green Wie Dino Kirchmeier dürfte es derzeit vielen Managern in der Immobilienbranche gehen: Sie stehen vor gewaltigen Investitionen, um ihre Portfolien in Richtung „grün“ zu trimmen. „Wie viel Geld wir da konkret in die Hand nehmen müssen, kann ich Ihnen für unseren Bestand noch gar nicht sagen“, gesteht das Mitglied der Geschäftsführung der BEB Plus Immobilien GmbH ein. Die Berliner managen rund 5.000 Einheiten (Wohn- und Gewerbeimmobilien) für das eigene Immobilienportfolio sowie auch die von mehr als 40 Vermögensverwaltern. Kirchmeier betont: „In den kommenden Jahren wird die energetische Bestandssanierung der thematische Dauerbrenner schlechthin sein, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen.“ BEI DER BERECHNUNG VON SANIERUNGSKOSTEN TAPPEN VIELE IM DUNKELN Sich einen Überblick über die daraus resultierenden Kosten zu verschaffen, ist für viele Immobilienmanager herausfordernd. „Je nach Größe, Nutzungsart und Alter von Gebäuden beträgt der finanzielle Aufwand für eine Komplettsanierung von 120.000 bis zu mehreren Millionen Euro“, sagt Gerhard Hoffmann, Director ESG and Sustainability bei Wüest Partner Deutschland, der Immobilienunternehmen bei der Finanzierung von energetischen staatliche Förderprogramme zur Forcierung von Transformationsprozessen seien, fügt er hinzu. Nur mit verlässlichen, stabilen Rahmenbedingungen für Förderangebote gelinge es, dass diese die erhoffte Wirkung entfalteten. Die Realität sah in der jüngeren Vergangenheit allzu oft völlig anders aus. So wurden Förderungen, sobald der jeweilige Fördertopf leer war, häufig ohne Vorwarnung eingestellt. „Das ist ärgerlich, da Sanierungsprojekte mitunter einen Planungsvorlauf von vielen Jahren erfordern“, gibt Jan Bewarder, Vorstand des Finanzierungs- und Fördermittelberaters REM Capital, zu bedenken. Deswegen empfiehlt er, Fördermittelanträge zügig zu stellen. Dabei ist darauf zu achten, dass diese vor der Umsetzung der geplanten Maßnahmen eingereicht werden. Zuvor das oder die passenden Unterstützungsangebote aus mehr als 3.500 Förderprogrammen auszuwählen, ist allerdings gar nicht so einfach. Denn auf fast allen föderalen Ebenen – von der EU über den Bund und die Länder bis zu den Kommunen – lassen sich Fördermittel für energetische Sanierungsmaßnahmen loseisen. SANIERUNGSQUOTE STAGNIERT AUFGRUND VON FÖRDERCHAOS „Positiv ist hierbei, dass oft Mehrfach-Förderungen möglich sind“, findet Marcus Buder, Bereichsleiter Gewerbliche Immobilienfinanzierung der Berliner Sparkasse. Bei Inanspruchnahme eines Programms müsse man also generell nicht befürchten, parallel andere Angebote nicht nutzen Die energetische Sanierung des Immobilienbestandes ist gerade in Zeiten hoher Zinsen ein herausfordernder Balanceakt. Ohne staatliche Unterstützung ist dieser für viele Immobilienunternehmen kaum zu bewältigen. Es gibt viele FÖRDERPROGRAMME. Doch daraus das optimale Förderpaket zu schnüren, erfordert viel Detailwissen. Auch Kreativität ist mitunter gefragt. Es genügt meist nicht, sich allein auf die Hausbank als Partner zu verlassen. Sanierungen berät. Er verweist auf die Nassauische Heimstätte Wohnstadt (Immobilienbestand: 59.000 Wohnungen) als Beispiel für die Schwierigkeit, die Kosten energetischer Vollsanierungen zu kalkulieren. Nach deren Prognose könnten sich diese in den nächsten 20 Jahren auf bis zu 7,5 Milliarden Euro summieren. In der Finanzplanung wurden jedoch erst 1,4 Milliarden Euro hierfür vorgemerkt. Deshalb will man dort nun erst mal auf die Kostenbremse treten. Dabei müssten die Anstrengungen eher verstärkt werden, damit Deutschland bis 2045 klimaneutral werden kann. „Die derzeitige energetische Sanierungsquote bei Bestandsimmobilien von weniger als einem Prozent pro Jahr müsste deutlich erhöht werden“, so Hoffmann. Sie auf zwei Prozent zu steigern, sei sportlich, aber das Minimum, um die EU-Vorgaben in der Klimapolitik zu erfüllen. Der Absatzeinbruch bei Elektroautos nach Streichung der Kaufprämie für diese Fahrzeuge zeige, wie wichtig 7,5 Bei der „Nassauischen Heimstätte Wohnstadt“ könnten sich die Sanierungskosten in den nächsten 20 Jahren auf bis zu 7,5 Milliarden Euro summieren – lediglich 1,4 Milliarden Euro sind hierfür vorgemerkt. „WIE VIEL GELD WIR DA KONKRET IN DIE HAND NEHMEN MÜSSEN, KANN ICH IHNEN FÜR UNSEREN BESTAND NOCH GAR NICHT SAGEN.“ Dino Kirchmeier, Mitglied der Geschäftsführung der BEB Plus Immobilien GmbH
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