Immobilienwirtschaft 3/2024

Herr Beutner, welche Verantwortung trägt eine Immobilienverwaltung beim Thema „Manage to Green“, also einer klimafreundlichen Immobilienwirtschaft? Das ist die Aufgabe der Gegenwart. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Beim Werterhalt von Immobilien ist es ganz entscheidend, den Kundinnen und Kunden Wege und Lösungen aufzuzeigen, wie sie ihre Immobilien fit für die Zukunft bekommen. Anders werden wir den gesetzlichen Anforderungen und steigenden Bewirtschaftungskosten nicht gerecht werden. Als Immobilienverwaltung ist es unsere Aufgabe, sowohl die energierelevanten Daten der Immobilie aufzubereiten und vorzuhalten als auch als Impuls- und Ideengeber zu fungieren. Wir müssen proaktiv und lösungsoffen nach bezahl- und umsetzbaren Maßnahmen suchen. Sie bezeichnen sich als „Klimaverwalter“ – was genau bedeutet dieser Begriff und wie unterscheidet sich eine nachhaltige Immobilienverwaltung von der herkömmlichen Verwaltung? Klimaverwalter zu sein beinhaltet nicht das „eine“ Ding oder die „eine“ Maßnahme. Es ist eine grundsätzliche Haltungsfrage. Wir haben einen Actionplan in vier übergeordneten Kategorien aufgestellt. Natürlich geht es darin um energetische Sanierungen, aber auch um die ökologische Bewirtschaftung von Immobilien sowie eine umweltbewusste Büroorganisation und Ressourcenschonung durch Digitalisierung. Was bedeutet das für die Qualifikation Ihrer Mitarbeitenden? Ein wichtiger Baustein dieser Haltungsfrage ist die Qualifikation und das Know-how unserer Mitarbeitenden. Durch die zertifizierte Fortbildung zum Klimaverwalter als Basis- und Expertenlehrgang in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Bildungszentrum (EBZ) wird eine wichtige Wissensgrundlage geschärft, um unsere Kunden optimal zu beraten. Doch nur mit Kontinuität und einem klaren Zielbild erreichen wir diesen besonderen Mindset bei unseren Mitarbeitenden, der uns als Klimaverwalter trägt und ausmacht. Und zu dieser Kontinuität gehört auch ein über den Zertifikatslehrgang hinausgehendes fortlaufendes und umfassendes Schulungsprogramm, über das sich unsere Mitarbeitenden neben den aktuellsten rechtlichen Grundlagen auch stetig mit den sich ändernden technischen Möglichkeiten und Finanzierungsinstrumenten befassen. Wie profitieren die Eigentümer und Mieter davon? Unsere Kunden erhalten von uns proaktiv Informationen, Impulse und Anregungen. Es bleibt nicht bei der Theorie, sondern sie kommen mit unserer Hilfe ins Handeln. Wie gehen Sie die „Bestandsaufnahme“ einer Immobilie an? Haben Sie spezielle Tools entwickelt? Kein erfolgreicher Klimapfad ohne energierelevante Daten. Eine gute Datenlage entsteht nicht bedarfsbezogen, sondern kontinuierlich und idealerweise in Echtzeit. Dafür brauchen wir das Verständnis unserer Kunden, denn auch das ist mit Aufwand und Kosten verbunden. Aufwendungen, die sich aber bezahlt machen. Für die Datenaufnahme setzen wir auch heute schon auf Bots mit OCR-Erkennung, Datenschnittstellen mit Versorgern und Dienstleistern und ehrlicherweise auch auf Fleißarbeit. Ein wichtiger Baustein in unserem Actionplan ist unser Klimakonzept, welches die Roadmap für die spezielle Immobilie aufzeigt. Hier wird Schritt für Schritt der Weg zum konkreten Projekt und dessen Finanzierbarkeit geebnet. Was sind Ihrer Einschätzung nach die größten Herausforderungen und Hürden im Immobilienbestand und dessen Ertüchtigung? Wir stellen immer wieder fest, dass die Finanzierbarkeit der Projekte die größte Herausforderung bei der Umsetzbarkeit darstellt. Die größten Skaleneffekte werden bei der Kombination von Maßnahmen erzielt, was zwangsläufig zu hohen Investitionskosten, aber auch zu einer attraktiven Förderkulisse führt. Dann treffen gerade in heterogenen Eigentümergemeinschaften unterschiedliche Interessenslagen und wirtschaftliche Leistbarkeit aufeinander. Dies zu moderieren, den ökonomischsten Weg zu finden und dafür Sorge zu tragen, dass ein gutes Projekt nicht einfach wieder in der Planungsschublade verschwindet, ist die größte Herausforderung. Unsere Erfahrung zeigt aber, dass sich diese Mühe lohnt und sich der kommunikative Aufwand zugunsten eines erfolgreichen Projektes bezahlt macht. Wie können Immobilienverwaltungen bei den Klimazielen im Immobilienbestand unterstützen? Diese Frage stellt sich Thomas Beutner, Geschäftsführer von Ecowo, täglich. Für das Konzept des „KLIMAVERWALTERS“ wurde das Unternehmen 2023 mit dem Preis „Verwalter des Jahres“ ausgezeichnet. „BEIM WERTERHALT IST ES ENTSCHEIDEND, DEN KUNDEN LÖSUNGEN AUFZUZEIGEN, WIE SIE IHRE IMMOBILIEN FIT FÜR DIE ZUKUNFT BEKOMMEN.“ ECOWO ist ein Tochterunternehmen von Vonovia und schon seit 1951 im Verwaltungsgeschäft tätig. Den neuen Namen gibt es aber erst seit 2022. Ecowo ist ein Kofferwort aus „Ecology“, „Economy“ und „Wohnen“ – dieser Name soll Programm sein. 59 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2024

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