52 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2024 Schwerpunkt Manage to Green Dass es in der Baubranche kriselt, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Europaweit werden die Stimmen lauter, die Veränderungen fordern – vor allem beim Thema Nachhaltigkeit. Gerade in Deutschland gibt es dabei großen Nachholbedarf. Mit der Änderung des Klimaschutzgesetzes hat die Bundesregierung reagiert und beschlossen, dass bis zum Jahr 2030 der Kohlendioxidausstoß in Deutschland um 65 Prozent gesenkt wird. Bis 2045 sollen die Emissionen um 88 Prozent sinken. Wirft man einen Blick auf den Bausektor, verdeutlicht die bundesweite CO2-Bilanz: Er ist nicht nur für rund ein Drittel des Energieverbrauchs, sondern auch für 40 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Laut dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) machte die Bau- und somit auch die Immobilienbranche im Jahr 2020 mit rund 229,3 Millionen Tonnen Bau- und Abbruchabfällen mehr als die Hälfte (55,4 Prozent) des bundesweiten Abfallaufkommens aus. Die Entsorgung der Baumaterialien verurmöglichst oft recycelt oder wiederverwendet werden. Der Übergang zur Kreislaufwirtschaft ist für die tendenziell eher konservativ eingestellte Baubranche herausfordernd, birgt jedoch die Chance, einen erheblichen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten, und geht vor allem auch mit monetärem Einsparpotenzial einher, denn: Verbaute Materialien gewinnen an Wert. Dadurch werden Bauwerke zu Rohstoffbanken. Wird ein Gebäude als Rohstoffbank geplant, müssen bereits zu Beginn alle verbauten Rohstoffe sowie Bauteile erfasst und in einem Material- oder Ressourcenpass dokumentiert werden. Der Pass enthält Informationen über die Kreislauffähigkeit, den CO 2 -Fußabdruck und die konstruktive Zusammensetzung der Materialien, Bauteile und Produkte der Immobilie und ist später die Grundlage für eine Ressourcenschonung bei Sanierung oder im Rückbau. Erst durch die Zusammenführung aller Materialpässe in einem Materialkataster werden die Gebäude-Rohstoffbanken zu einer Materialmine und das Konzept der Kreislaufwirtschaft in TEXT Franziska Albrecht ALTES ERHALTEN, NEUES GESTALTEN NACHHALTIGE BAUWEISEN bieten langfristig Kosten- einsparungen. Immobilien, die nach zirkulären Prinzipien gebaut wurden, erzielen sowohl bei Vermietungen als auch im Verkauf höhere Preise. Es lohnt sich also aus wirtschaftlicher Sicht, auf ökologische Bausubstanzen zu setzen. Doch dazu muss man diese kennen. Man muss wissen, wo genau sie eingesetzt werden können – und wo im Bestand welches Material bereits verbaut ist. sacht nach einmaligem Gebrauch erhebliche Umweltauswirkungen. Zudem entstehen durch gestiegene Rohstoffpreise auch höhere Baukosten im Neubau. Der Wille zu bauen ist hierzulande trotzdem unermüdlich. Doch die Herausforderungen von knappen Ressourcen, steigenden Preisen und schwieriger Finanzierung hemmen das Bau- und Sanierungsfieber in Deutschland. Mittendrin die große Frage: Altes bewahren oder Neues errichten? ROHSTOFFBANKEN Trotz knapper werdender Ressourcen verharrt die Baubranche im alten Muster der Linearwirtschaft, der sorglosen Abfolge von Ressourcenabbau, Aufbau eines Bauwerks, Nutzung und anschließendem Abriss. Die Nutzungsdauer eines Bürogebäudes liegt durchschnittlich bei 30 bis 50 Jahren. Um die Nachhaltigkeit in der Baubranche zu fördern, muss ein grundsätzlicher Wandel von einem linearen zu einem zirkulären Wirtschaften erfolgen. Statt Ressourcen zu verschwenden, müssen sie nach dem Gebrauch D
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