47 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2024 Schwerpunkt Manage to Green FOLGEN AUF DEM IMMOBILIENMARKT BEREITS SPÜRBAR Der Green Deal der EU und die damit verbundenen Folgen für das ESG-Management der Unternehmen wirken sich bereits jetzt auf den Immobiliensektor aus. Beispielsweise wird die Nachfrage nach modernen und ökologisch nachhaltigen Büroflächen in den kommenden Jahren das verfügbare Angebot deutlich übertreffen. Das hat eine von JLL in Auftrag gegebene Studie („The Green Tipping Point“) ergeben. Hela Hinrichs, Senior Director JLL EMEA Research & Strategy, ordnet ein: „Die Angebotslücke weltweit wird bis zum Jahr 2025 rund 30 Prozent betragen, bis 2030 könnte das Delta auf etwa 70 Prozent anwachsen. Es befinden sich zu wenige Projekte in der Pipeline, um die steigende Nachfrage nach energieeffizienten und emissionsarmen Büroflächen zu bedienen.“ In den vier analysierten deutschen Städten kommt die Studie auf eine Angebotslücke von 31 Prozent in Berlin, 46 Prozent in Hamburg, 68 Prozent in München und 87 Prozent in Frankfurt. Es geht also nicht mehr um die Frage, ob sich Unternehmen mit ihren Immobilien des Themas „Manage to Green“ annehmen, sondern wie die Herangehensweise an die Umsetzung der ESG-Kriterien erfolgen soll. Mit Blick auf Immobilien kennt das „Wie“ aktuell die unterschiedlichsten Wege. Viele – vor allem die größeren Akteure auf dem Markt – haben bereits vor einigen Jahren mit der Entwicklung von Nachhaltigkeitskonzepten begonnen, andere starten erst jetzt mit dem Prozess. Dabei im Fokus: Green-Building-Zertifikate. GREEN-BUILDING-ZERTIFIKATE: ENORME ANGEBOTSVIELFALT Diese Zertifikate haben das Ziel, die Nachhaltigkeit nachvollziehbar zu dokumentieren. Das Angebot an diesen Zertifikaten ist vielfältig – international weit über 40. Kein Wunder, denn der Markt für diese Art der Nachhaltigkeitsbestätigung gilt in Deutschland als riesig. Etwa 99 Prozent aller Immobilien sind noch nicht zertifiziert. Die meisten aktuellen Zertifizierungen in Deutschland machen gewerblich genutzte Gebäude wie Büro-, Einzelhandels- oder Logistikimmobilien aus, davon allein 45 Prozent Bürogebäude. Als die drei bekanntesten und am meisten angewandten Systeme für eine ganzheitliche Gebäudebewertung gelten: IIm Zentrum des Manage to Green steht die bestmögliche Umsetzung der so genannten ESG-Kriterien. Vor allem für kapitalmarktorientierte Immobilieneigentümer werden diese immer bedeutsamer. Torsten Jäger, Leiter Sustainable Finance des deutschen Bundesverbands deutscher Banken e.V., macht deutlich: „Nachhaltigkeit ist auch für die Banken ein Megathema. Dabei steht die Frage, wie sich die Geschäftspartner auf die Klimaziele von Paris einstellen, immer mehr im Vordergrund.“ NACHHALTIGKEIT BESTIMMT BANKBEWERTUNG Der Finanzsektor benötige immer mehr Daten von seinen Kunden und schaue sich das ESG-Risikoprofil des Kunden zunehmend genauer an. Dies diene nicht nur dem Risikomanagement der Eigentümer. Mit Blick auf die Langfristigkeit von Investitionen würden beispielsweise die physischen und transitorischen Risiken in den Blick genommen. „Bei den physischen Gefahren geht es um Lagefaktoren, zum Beispiel die Gefahr von Überschwemmungen durch Wetterlagen oder durch den ansteigenden Meeresspiegel, aber auch um die Auswirkungen von Hitzestress“, erklärt Jäger. Bei den transitorischen Risiken gehe es unter anderem um Fragen, welche gesetzlichen Maßnahmen durch die Politik zu erwarten sind und welche Folgen beispielsweise die neue EU-Gebäuderichtlinie für die Werte der Immobilien und damit der Sicherheiten haben könnte. Für Jäger bedeutet das folglich: „Gemeinsam mit den Immobilieneigentümern beziehungsweise -käufern wird es für die Banken darum gehen, die Nachhaltigkeit der Finanzierung und das damit verbundene Risiko auch im Kontext der Strategie der Bank zu beurteilen.“ Die Nachhaltigkeitsfaktoren würden somit immer stärker in die Kreditvergabe einfließen – Zeit zu handeln! Ob Wohn- oder Gewerbeimmobilien – sie müssen bald vollständig klimaneutral sein. Landauf, landab beginnen die Eigentümer mit der BESTANDSAUFNAHME zur Nachhaltigkeit ihrer Immobilien. Berücksichtigt werden dabei auch soziale Aspekte und die Ausgestaltung der Unternehmensführung. Grüne Bestandsanierung kennt dabei viele Wege zum Ziel.
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