44 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2024 Schwerpunkt Manage to Green Problematisch sieht er auch die vielen Bauvorschriften und Normen, die die Preise in die Höhe treiben und Sanierungen unrentabel machen. Dennoch: „Im Bereich der CO2-Zertifikate im Wohngebäudebereich wird sich in den nächsten Jahren sicher noch etliches tun, da ist noch einiges an Dynamik zu erwarten“, so Kaßler. WAS GEHT Die Wege, die Verwalter und Betreiber von Immobilien in der Praxis gehen, sind recht unterschiedlich. Ascherslebener Gebäude- und Wohnungsgesellschaft mbH (AGW) – Die AGW reagierte auf die steigenden Nebenkosten mit einem innovativen Projekt: Ab März 2022 wurde ein Plattenbau in Aschersleben zu einem energieautarken Mehrfamilienhaus umgebaut. Dieses Projekt soll die Energiekosten für die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner der 22 Wohnungen durch eine Pauschalmiete abdecken, die Strom, Wärme und Elektromobilität einschließt. Möglich wird dies durch die Installation von Photovoltaikmodulen auf dem Dach und an drei Fassaden sowie den Einsatz von Infrarotheizungen, die kostengünstig und wartungsarm sind. Ziel ist es, den Gebäudebestand energieeffizient zu gestalten, indem graue Energie vermieden und kreislauffähige Materialien verwendet werden. Dieses Pilotprojekt soll bei Erfolg auf weitere Gebäude ausgeweitet werden. Brennstofffreie Energieversorgung im „Kokoni One“ – Das ÖkoQuartier „Kokoni One“ in Berlin, entwickelt von der Incept GmbH und der Naturstrom AG, nutzt lokale erneuerbare Energiequellen für eine nachhaltige Versorgung. Geothermie und Photovoltaikanlagen liefern Wärme und Strom für die 84 Wohnhäuser, die teils in Holzbauweise errichtet wurden. Die Energiezentrale sorgt auch für Mieterstrom und beliefert die Wallboxen für E-Mobilität. Alsasco verhindert Stranded Assets – Mithilfe der Empfehlungen der Alasco-Plattform wurde ein Berliner Wohngebäude aus den 1970er Jahren saniert, das eine Fläche von 5.000 Quadratmetern umfasst. Dieses Objekt war bereits als Stranded Asset eingestuft. Durch eine gezielte Investition von etwa 1,2 Millionen Euro konnte dieses Risiko erfolgreich eliminiert und der Stranding-Zeitpunkt bis 2042 verschoben werden. Ein weiteres Beispiel ist ein Bürogebäude ebenfalls in Berlin mit einer kleinen Lebensmitteleinzelhandelsfläche, das aus den 2000er Jahren stammt und ebenfalls eine Gesamtfläche von 5.000 Quadratmetern aufweist. Ursprünglich wurde dieses Gebäude für 2037 als Stranded Asset klassifiziert. Durch Investitionen in Höhe von 560.000 Euro konnte dies vermieden werden. Die Modernisierung umfasste die Installation von effizienten Heiz- und Kühlsystemen, verbesserte Dämmmaßnahmen und die Integration von erneuerbaren Energiequellen. SOFTWARE TOOLS Die wowiconsult GmbH und der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen haben eine Kooperation geschlossen, um klimaneutrales Wohnen in Deutschland zu fördern. Die Energieeffizienz-Software „mevivoECO“ ermöglicht die schnelle und unkomplizierte Erstellung von Klimastrategien, unterstützt bei der Energieeinsparung sowie bei der verstärkten Nutzung erneuerbarer Energien. „BESONDERS PROBLEMATISCH SIND DIE UNTERSCHIEDLICHEN SICHTWEISEN VON MIETERN, SELBSTNUTZERN, VERKÄUFERN MEHRERER WOHNUNGEN IN EINER WEG UND KAPITALANLEGERN. SELBSTNUTZER WOLLEN SPAREN, WÄHREND KAPITALANLEGERN DER ENERGIEVERBRAUCH IHRER MIETER OFT EGAL IST.“ Martin Kaßler, Geschäftsführer des Verbands der Immobilienverwalter Deutschland Die Gesamtkosten für die Sanierung betrugen etwa 3.250 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche brutto, einschließlich aller Leistungen von der Demontage bis zu den fertigen Installationen (Kostengruppen 200 bis 700). Speziell in den Bereichen Rohbau und Technik (Kostengruppen 300 und 400) lagen die Kosten bei rund 2.510 Euro pro Quadratmeter brutto. Dies führt zu einem Betrag von etwa 180.000 Euro Sanierungskosten je Wohnung. Die Förderung für die Sanierung der 22 Wohneinheiten erfolgt nach dem KfW-EffizienzhausStandard 55, mit einer maximalen Fördersumme von ungefähr 1,485 Millionen Euro für alle Wohnungen. Das Projekt startete mit einer 15-monatigen Planungsphase, gefolgt von einer dreimonatigen Projektstudie. Für zukünftige Projekte wird eine verkürzte Planungs- und Genehmigungsphase von nur noch neun bis zehn Monaten angestrebt. Sanieren fast ohne Investition: Contracting – Mehr „Manage to Green“ geht mitunter auch ohne Investition, dafür aber mit langfristigen Betriebskosten. Die Fachklinik Weitenau etwa nutzte Contracting für eine neu aufgestellte Energieversorgungssanierung, die den CO2-Ausstoß um 75 Prozent reduzierte. Diese konnte durch den Einsatz eines Holzpelletkessels, effizienter Heizungspumpen und einer Photovoltaikanlage erreicht werden. Der Kessel wird von einem Contractor aufgestellt, finanziert und betrieben.
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