Immobilienwirtschaft 3/2024

41 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2024 „Manage to Green“-Strategie entwickelt, um das eigene Portfolio bis 2050 klimaneutral zu gestalten. Mit Instrumenten wie dem Sustainable Investment Check und dem Nachhaltigkeitsscoring „atmosphere“ sowie einem Energiemonitoring-Pilotprojekt werden Gebäude auf ihre Nachhaltigkeitspotenziale hin untersucht. Aber auch die Immobilienwirtschaft selbst treibt eigene Projekte voran. Die wowiconsult GmbH und der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen haben eine Kooperation mit ähnlicher Zielsetzung geschlossen, um klimaneutrales Wohnen in Deutschland zu fördern. Wowiconsult wird die GdW-Mitglieder dabei mit der Energieeffizienz-Software mevivoECO unterstützen. ERST DIE LOW-HANGING FRUITS PFLÜCKEN Die Software bietet einen detaillierten Überblick über Energieverbräuche, erstellt KlimaRoadmaps sowie Nachhaltigkeitsberichte und berechnet die Auswirkungen von Sanierungsmaßnahmen auf CO2-Emissionen und Kosten. Besonders praktisch und wichtig ist, dass aktuelle gesetzliche Vorgaben und Richtlinien berücksichtigt werden. Gerade die Digitalisierung kann helfen, Immobilien umweltfreundlicher zu bewirtschaften – und damit auch sozialer. „Letztlich geht es um Sozialverträglichkeit, das ist der Punkt“, sagt Benedict Marzahn, Vice President Product bei Alasco, einem Anbieter von Plattformen, die ein „Manage to Green“ nach ESG-Kriterien ermöglichen. Und: „Wenn die Immobilieneigentümer nichts tun, wird es schwierig, den Marktwert zu halten und Mieter zu finden, vor allem im gewerblichen Bereich. Gewerbliche Mieter wie Microsoft und Google sagen ganz klar, dass sie nur in ökologisch nachhaltige Gebäude ziehen.“ Aus ökologischer Sicht ist es immer besser, ein Gebäude zu sanieren, als neu zu bauen, da Neubauten emissionsintensiv sind. Aber es gebe auch ökonomische Grenzen: Wenn die Statik eines Gebäudes angepasst werden müsse, müsse man vielleicht doch über einen Abriss nachdenken, so Marzahn. Für das Immobilienmanagement bietet Alasco über eine eigens entwickelte Plattform eine Art Helikopterperspektive auf das Thema Dekarbonisierung. Verwalter können sehen, wo sie energetisch stehen, welche Maßnahmen zur Dekarbonisierung führen und wie wirtschaftlich diese sind. Dazu gehören Förderungen, Einsparungen und Umlagemöglichkeiten auf die Mieter. „Ein gängiges Beispiel ist die PV-Anlage. Mit Mieterstrommodellen lässt sich das schnell umsetzen. Oft wird dann zum Beispiel von alten Heizungsanlagen auf eine Wärmepumpe umgestellt. Auch einfache Maßnahmen wie die Umrüstung auf LED oder der hydraulische Abgleich alter Heizungen sind effektiv und kosten nicht viel“, so Marzahn. Langfristig sind umfassende Sanierungen zwar am kosteneffizientesten, aber auch teuer. Und sie erfordern oft eine Abstimmung mit den Mietern. Deshalb zögern „GERADE DIE DIGITALISIERUNG KANN HELFEN, IMMOBILIEN UMWELTFREUNDLICHER ZU BEWIRTSCHAFTEN – UND DAMIT AUCH SOZIALER. LETZTLICH GEHT ES UM SOZIALVERTRÄG- LICHKEIT, DAS IST DER PUNKT.“ Benedict Marzahn, Vice President Product Alasco Quelle: VDIV 3,1 Sanierungskosten Rücklagen Sind die Rücklagen in den von Ihnen betreuten WEG hoch genug, um die betreffenden Gebäude umfassend zu sanieren? 0,4 47,7 Ja, auf jeden Fall Eher ja Nein, eher nicht Nein, auf keinen Fall 48,7 Antworten in Prozent viele die Entscheidung so lange wie möglich hinaus. Dabei sei gerade die Mietersensibilisierung für den Energieverbrauch unglaublich wichtig. „Ich muss meinen Mietern klarmachen, was sie tatsächlich verbrauchen, und ihnen zeigen, wie sie Energie sparen können. Viele sind sich gar nicht bewusst, wie viel Energie sie verschwenden.“ Es gehe dabei auch um eine psychologische Auseinandersetzung mit den Mietern. Das sei ein wichtiger, oft unterschätzter Aspekt, um Energieeffizienz im Gebäude zu verbessern. Auch sei es wichtig, immer den richtigen Energieträger zu wählen und zu prüfen, ob die Sanierung noch zeitgemäß sei. Wenn nicht, könnte es notwendig sein, Investitionen zu verdoppeln oder zu verdreifachen, um den Wert zu erhalten oder zu steigern. Und als Faustformel: „Bei Gebäuden aus den 1960er bis 1980er Jahren ist es wichtig, sowohl Dämmung als auch Heizung zu betrachten. Ohne eine gute Dämmung könnte selbst eine neue Heizung nicht effizient sein.“ Unterschiede sieht Marzahn auch zwischen privaten und gewerblichen Mietern: „Überall dort, wo der private Mieter am Ende profitiert, kann ich den Leuten einiges zumuten. Wenn

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