Immobilienwirtschaft 3/2024

40 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2024 Schwerpunkt Manage to Green Die Preise für energetisch sanierte Immobilien kletterten laut einer Erhebung von ImmoScout24 bis zum letzten Quartal 2023 um rund 2,2 Prozent. Bei Immobilien der Energieeffizienzklassen C bis H sanken die Preise um durchschnittlich sieben Prozent. Dies entspricht auch dem aktuellen Abwärtstrend in der Immobilienpreisentwicklung. Will man als Verwalter und Betreiber einer Immobilie nicht in diesen Sog geraten, hilft nur „Manage to Green“, also eine Immobilie durch bauliche und energetische Maßnahmen effizient zu steuern. Bei Gewerbeimmobilien haben das die Verantwortlichen längst erkannt. Eine Umfrage von Schneider Electric und dem Handelsblatt Research Institute zeigt, dass 43 Prozent der befragten Firmen durch digitale Technologien Energie und Ressourcen über 20 Prozent effizienter nutzen. Besonders größere Unternehmen berichten von Effizienzsteigerungen über 40 Prozent. Die Studie mit 326 Entscheidungsträgern aus der DACH-Region beweist den verstärkten Einsatz digitaler Modelle in Gebäudetechnik und -management. 35 Prozent nutzen etwa Building Information Modeling (BIM) bei Modernisierungen. 42 Prozent der befragten Unternehmen implementieren energieeffiziente Heiz- und Kühltechniken. Eine laufende Überwachung und Optimierung des Energie- und Ressourcenverbrauchs wird von 40 Prozent durchgeführt. Jeweils 33 Prozent setzen auf Gebäudeautomatisierungstechniken bzw. Wärmedämmung. Ein besonderer Fokus liegt auf der Planung und Steuerung des Energie- und Ressourceneinsatzes, was von 50 Prozent der Befragten als Einsatzgebiet genannt wird. Dicht gefolgt wird dies von der Gebäudeautomation, die die intelligente Steuerung von Licht, Klima und anderen Haustechniken umfasst und von 47 Prozent der Unternehmen genutzt wird. Weitere wichtige Bereiche sind die Steuerung des Bauprozesses und die Gebäudeverwaltung (Facility Management) mit 43 Prozent bzw. 36 Prozent sowie die digitale Sektorenkopplung mit 27 Prozent. Dennoch gibt es auch 15 Prozent der Unternehmen, die keine Maßnahmen zur Verbesserung der ökologischen Nachhaltigkeit ihrer Gebäude treffen. Und: 30 Prozent der Unternehmen haben in den letzten zwei Jahren Bauprojekte oder Modernisierungsprojekte bei Gebäuden verschoben, 16 Prozent haben diese gar ganz eingestellt, oft aufgrund höherer Finanzierungsaufwände. Doch Aufgeben ist keine Option. Hinzu kommt der politische Druck. Rund 42 Prozent der Immobilien gehören der Energieeffizienzklasse E oder schlechter an und sollen durch diverse politische und rechtliche Vorgaben schnell saniert werden. FINANZIERER UND BRANCHE MIT ERSTEN PROJEKTEN Eine aktuelle Studie von B+L Marktdaten Bonn für den Bundesverband energieeffiziente Gebäudehülle (BuVEG) zeigt, dass die Sanierungsquote im deutschen Gebäudebestand aktuell bei nur 0,83 Prozent liegt. Bisher nahm auch die Politik an, dass diese wenigstens bei (wenn auch einem mageren) ein Prozent liegt. Diese Entwicklung ist zudem rückläufig, da die Quote 2022 noch bei 0,88 Prozent lag. Die Daten zeigen auch, dass die Sanierungsquoten für Dächer bei 0,90 Prozent, für Fassaden bei 0,62 Prozent und für Fenster bei 1,37 Prozent liegen. Das soll mit einer Reihe von Gesetzen und Vorgaben der EU geändert werden. Doch wie so häufig gibt es hier widersprüchliche Regelungen und neu aufgetürmte Hindernisse. Die EU hat zwar mit der Taxonomie-Verordnung bestimmte Nachhaltigkeitskriterien für Gebäude festgelegt. Unklar bleibt jedoch, welcher Anteil der Gebäude in einem Fonds nachhaltig sein muss. Oder: Die Bundesregierung hat sich in ihrer aktuellen Gesetzgebung gegen die EU-Mindeststandards für Energieeffizienz entschieden. Das macht es auch den Geldgebern nicht leicht. Und ohne sie braucht man über „Manage to Green“ gar nicht nachzudenken. Trotzdem müssen sie in diesem Segment aktiv bleiben. Union Investment hat bereits 2018 eine D TEXT Frank Urbansky

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