I M M O - P O R T R A I T ANDREAS MATTNER 1 FOTO IM FAUTEUIL Der sieht aus wie ein Thron. Doch auch bei kurzer Betrachtung der Szene sticht es ins Auge: Der darauf sitzt, sieht keinesfalls aus wie ein König 33 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2024 Menschen & Märkte Portrait Charaktereigenschaften zu tun, die er so beschreibt: „Ich habe immer aus der zweiten Reihe den Weg nach oben gefunden.“ Das war in der Hamburger Bürgerschaft nicht anders als bei der ECE. Teile und herrsche, so eine wichtige Maxime seines Lebens. Er muss aufgefallen sein. Als er während der Abizeit einige Wochen bei Opel am Fließband arbeitete („Reservereifen montieren, ich war nie der Stärkste“), wurde gerade er für ein Interview ausgewählt. Aber Auffallen war nur das eine. Seine Tochter sagte mal zu ihm: „Wenn du was wirst, wirst du nicht irgendwas, sondern immer Präsident.“ Das war beim Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA) nicht anders als beim Eishockeyclub Hamburg Freezers. PROGRAMMIERER, RADIOBAUER, MYTHOLOGE Zeit, einmal über seine Begabungen zu reden. Mattner liebt Zahlen. Vielleicht geht er mal als Mister 37 Prozent in die Annalen ein, war es ihm doch ein Bedürfnis, als ZIA-Präsident die Quote herauszuarbeiten, die der Staat beim Bau von Immobilien einsackt. Er hat ein großes Interesse an technischen Dingen, Elektrotechnik. Mit 14 Jahren fertigte er Schaltanlagen in der Firma, in der sein Vater tätig war. Verdrahtete sie. „Die kamen auch zum Einsatz.“ Er baute kleine Radios. Während seiner Studentenzeit lernte er Programmieren. Er entwickelte ein Computerprogramm, das Vornamen programmierte. Sagt, er habe sich damals schon mit Künstlicher Intelligenz beschäftigt, als es das Wort noch kaum gab. „Vordenker“ wäre somit auch eine originelle Titelidee. Das Programm spuckte den Namen seiner Tochter aus: Xenia Danae steht für seine Liebe zu griechischer Mythologie, die schon als Schüler begann. Er liebte Science Fiction, das Lesen überhaupt. Der erste Name seines Sohnes Ijon Alexander entstammt einem Roman. Der Held: Ijon, Sternwanderer. Er mochte die Arbeit mit Texten. Später wird er viel schreiben, fachlich brillant, wie es scheint, er schafft es in die „Neue Juristische Wochenschrift“. Im Februar traf ich ihn auf einer Veranstaltung. Er erzählte, dass er sich freue, ein Aufsichtsratsmandat abzugeben. Dafür komme etwas Neues. Nach welchen Kriterien er neue Mandate auswähle? Antwort: „Ich versuche, nur noch solche zu übernehmen, bei denen ich etwas lerne.“ Ich habe viel erfahren auf unserem Treffen im Mai, das locker zweieinhalb Stunden dauerte, habe Geschichten gesammelt, Bilder, aus denen Titelideen entstehen. Die alte Portrait-Latte „Gespräch nicht über eine Stunde“ habe ich locker gerissen und es nicht bemerkt. Als Titel erwäge ich: „Gestählter Navigator!“ Immerhin fand er als Hotdog-Fahrer während der Schulzeit meist das, was er suchte („Wenn Sie in Wuppertal eine Adresse finden, finden Sie sie überall!“). „Super-Brain“, nicht nur weil er in Hamburg in einem denkmalgeschützten Lazarettgebäude wohnt. Die Siedlung ist im Quartiersplan wie Gehirnhälften dargestellt. Der Titel könnte passen für einen, der von dort aus die Strippen zieht. „Immo-Hendrix“, aber Gitarre hat er zuletzt auf seinem 50. Geburtstag gespielt. Mit seinem Sohn. Und eigentlich ist er doch eher Schlagzeuger. Ich nehme keine der Ideen. Am Anfang unseres Gesprächs glaube ich noch, derjenige, der mir Tee trinkend gegenübersitzt, sei ein nur außergewöhnliches Wesen. Im großen Empfangszimmer steht ein Fauteuil, der aussieht wie ein Thron. Als die Fotografin dort ein Foto von ihm machen will, ist ihm das nicht recht. Nein, ein König sitzt da nicht. Eher ein Mensch im Sessel. Ein ausgeglichener („Prägung meiner Mutter“). Seine Frau macht Kaffee. Die erwachsenen Kinder samt Enkel wohnen im großzügigen Komplex. Jetzt ein Familientyp. Er hat etwas nachzuholen. Schwärmt von seiner Frau. Die habe den Laden zusammengehalten. Klingt nicht abgeschmackt. Ich tauche ein. Es wird offensichtlich: Da sitzt keiner, der seine Karriere plante. Mattner hat allerdings immer wieder neue Herausforderungen gesucht. Dass diese oft erfolgreich waren, hat mit TEXT Dirk Labusch FOTOS Melina Morsdorf Man könnte ihn vieles nennen. Generalist mit Tiefgang, Allinteressier- ter, Dauerlerner. Netzwerkverbinder nannte ihn einst Peter Harry Carstensen. Wird alles stimmen. Aber heute sei er gepriesen für sein großes Verdienst: Er hat die IMMOBILIENWIRTSCHAFT ZUSAMMENGEBRACHT. Darauf stimme ich ein Lied an. Leider solo. Er sollte mich eigentlich an der Gitarre begleiten. Hat aber abgesagt. Hat einfach zuviel zu tun ...
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