22 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2024 Menschen & Märkte Soziales Engagement Als der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine vor zwei Jahren begann, flohen viele Ukrainerinnen und Ukrainer nach Deutschland. Schon als die ersten Züge aus Kiew in Berlin ankamen, war klar, Unterkünfte braucht es viele. So wurden Messehallen zu Flüchtlingsunterkünften umfunktioniert und auch Turnhallen. Doch als permanente Lösung reichte das nicht aus. Das Start-up Wunderflats, das sich täglich mit Wohnungen auseinandersetzt, hat daher überlegt zu helfen. Dabei entstand die Initiative „HelfendeWände“. AUS ZIELEN WURDEN TATEN Das Ziel war es, Ukrainer mit Eigentümern und Vermietern aus Deutschland zu verknüpfen, die über ein Zimmer, eine Wohnung oder anderen bewohnbaren Raum verfügen, die sie kostenlos zur Verfügung stellen. Perspektivisch sollen alle Personen, die aus anderen Ländern nach Deutschland fliehen, über „HelfendeWände“ Wohnraum suchen können. Mit Beginn des Krieges entstand die Idee, am zweiten Tag stand schon die Website. Bereits an Tag drei stand Mitgründer Arkadi Jampolski am Bahnhof in Berlin und sammelte Elena ein. Sie war aus der Ukraine geflohen, und er hatte gerade zusammen mit einem Bekannten eine Wohnung gekauft und begonnen zu renovieren. Es gab noch keine Möbel, aber Elena hatte ein Dach über dem Kopf und musste nicht alleine als Frau in eine Flüchtlingsunterkunft ziehen. Nach Elena folgten weitere Personen, in genau dieser Wohnung. Für sie war es eine gute Zwischenlösung, um anzukommen. Denn von Amt zu Amt zu laufen und sich zurechtzufinden ist sehr stressig. Alle, die über leerstehenden Wohnraum verfügen, können sich engagieren. Auch Vermieterinnen und Vermieter, deren Objekte aufgrund von noch nicht begonnenen Renovierungsarbeiten leer stehen, können sich an „HelfendeWände“ wenden. Denn oft ist es so, dass ein bezugsfertiges Mietshaus gekauft wird, die neuen Eigentümer aber größere energetische Sanierungsarbeiten planen – die aufgrund fehlender Handwerker, Genehmigungen oder Förderungen erst in ein paar Monaten beginnen können. Zur Überbrückung des Leerstands können sich die Eigentümer bei „HelfendeWände“ registrieren; natürlich nur sofern keine wesentlichen Mängel an der Bausubstanz oder den Wohneinheiten vorliegen und die Einheiten tatsächlich bewohnbar sind. Sie legen selbst fest, für wie lange sie ihren Wohnraum zur Verfügung stellen möchten. Und vielleicht ergeben sich aus einer anfänglichen Zwischenmiete langjährige Mietverträge. WIE KÖNNEN SICH VERMIETER REGISTRIEREN? Auf helfendewaende.de können Vermieter in wenigen Minuten ein Benutzerkonto anlegen und ihr Inserat veröffentlichen, um Buchungsanfragen zu erhalten. Damit die Sicherheit aller Nutzenden der Plattform gewährleistet ist, müssen sowohl Anbietende als auch Wohnungssuchende ihre Identität über „Veriff“ verifizieren. Und falls eine der Parteien zusätzliche Unterstützung benötigt, wird direkt die Verbindung zum Projektpartner IPSO (International Psychosocial Organisation) hergestellt. 1 2 GEFLÜCH- TETE Zwei junge Ukrainer, die durch „Helfende Wände“ Wohnraum fanden 3 GRÜNDER Arkadi Jampolski holte die ersten Ankömmlinge aus der Ukraine selbst am Berliner Bahnhof ab TEXT Initiative HelfendeWände EINE MILLION VERMIETER AUF DER PLATTFORM SIND DAS ZIEL Krisen, Konflikte, Krieg – diese haben zuletzt viele Länder in und außerhalb Europas in Chaos gestürzt. Viele Menschen sind daher aus ihren Heimatländern geflohen, auf der Suche nach Sicherheit. Dazu gehört auch ein DACH ÜBER DEM KOPF, wenn auch nur für ein paar Tage. 2. 1 2 3 Hier können Sie Wohnraum anbieten
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