21 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2024 1 Selbst wenn bis zum Jahr 2030 1,5 Millionen Wohnungen barrierefrei gebaut oder umgebaut würden, gäbe es nach Prognosen im Jahr 2030 weiterhin eine Versorgungslücke von über zwei Millionen Wohnungen. Und angesichts der aktuellen Baukrise, die die Bautätigkeit ausbremst, wird die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage nach barrierefreien Wohnungen noch größer. Es besteht also dringend Handlungsbedarf. DIE MEHRKOSTEN BEI VERNÜNFTIGER PLANUNG SIND GERING Als Argument gegen die Schaffung von barrierefreiem Wohnraum wird häufig angeführt, dass zu hohe Mehrkosten entstehen. Doch gerade bei Neubauten gilt: Wird die Barrierefreiheit von Anfang an mitgeplant, sind die Mehrkosten gering. Das belegen verschiedene Bauprojekte. Ein Beispiel dafür ist das Projekt Wohnen am Schönwasserpark, Krefeld. Hier beliefen sich die zusätzlichen Kosten für die Barrierefreiheit auf nur 1,6 Prozent der Baukosten. Auch eine Studie von Terragon (siehe QR-Code) stellte fest, dass die Erhöhung der Baukosten für barrierefreies Bauen nur 1,26 Prozent beträgt (reine Baukosten, Kostengruppe 300/400 nach DIN 276). Auch im Bestand kann barrierefrei umgebaut werden, etwa in denkmalgeschützten Häusern oder im Plattenbau. Ein Beispiel für Letzteres ist das Projekt „Die Platte im Wandel der Zeit. Neues Wohnen in Grünau“ in Leipzig. Dort wurden das Gebäude inklusive aller Wohnungen sowie der Freiraum barrierefrei zugänglich und nutzbar. Dabei hat man typiren gehört zu den Aufgaben der Bundesfachstelle. Sie wurde 2016 mit der Novellierung des Behindertengleichstellungsgesetzes eingerichtet, berät und unterstützt seither die Bundesbehörden bei der eigenständigen Umsetzung der Barrierefreiheit. Sie beantwortet aber auch Fragen der Wirtschaft, von Landesbehörden, Verbänden sowie der Zivilgesellschaft. Barrierefreies Bauen ist wirklich nicht der Kostenfaktor, als der es häufig benannt wird – darüber aufzuklären ist eine der Aufgaben der Bundesfachstelle Barrierefreiheit. „BARRIEREFREIES BAUEN IST NICHT DER KOSTENFAKTOR, ALS DER ES HÄUFIG BENANNT WIRD.“ sierte und speziell für das Projekt vorgefertigte Elemente für den barrierefreien Umbau genutzt. FACHSTELLE INFORMIERT Dieses Projekt und noch weitere gute Praxisbeispiele von großen und kleinen Wohnungsbaugesellschaften im städtischen und ländlichen Raum hat die Bundesfachstelle Barrierefreiheit auf ihrer Fachkonferenz „Mehr barrierefreien Wohnraum schaffen!“ Anfang Februar 2024 vorgestellt. Denn auch Netzwerkarbeit und Veranstaltungen durchzufühDieser Link führt zur Bundesfachstelle TEXT Dr. Volker Sieger, Leiter der Bundesfachstelle Barrierefreiheit BARRIEREFREIER WOHNRAUM MUSS NICHT MEHR KOSTEN Weniger als zwei Prozent der Wohnungen in Deutschland sind barrierefrei oder altersgerecht. Bereits heute aber liegt der MEHRBEDARF bei weit über zwei Millionen Wohnungen dieser Art. Gleichzeitig gibt es den demografischen Wandel, unsere Gesellschaft wird immer älter. 1.
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