Immobilienwirtschaft 3/2024

Die aufgezeigten Beispiele sind nicht als generelle Beurteilung zu verstehen. Denn in nahezu jeder Stadt finden wir auch Viertel, in denen die Schönheit in der Architektur überwiegt. In historischen Stadtteilen zum Beispiel. Ästhetik ist eben etwas vollkommen anderes als persönlicher Geschmack. Letzterer folgt individuellen Vorlieben und Empfindungen. Er ist vom Ego geprägt, da die Nachbarschaft und das Stadtteilganze nicht mit einbezogen werden. Das Bundesbaugesetz und lokale Vorgaben setzen dem Bauen zwar Grenzen. Allerdings wirken sie überhaupt nicht positiv auf ein ganzheitlich ästhetisches Stadtbild. WIE TUN STÄDTE DEM MENSCHEN GUT? Die Ästhetik in der Architektur ist wie eine eigene Gattung. Die Strukturen, Materialien, Licht, Farben, Formen und Räume spielen dabei eine entscheidende Rolle. Was bewirkt Farbe in diesem Kontext, wenn Raum, Flächen und Konturen den Dienst an der Schönheit versagen? „Farbe bekennen“ war einer der Leitsprüche eines bedeutenden innovativen Farbgeistes. Hans-Albrecht Schilling war Farbgestalter für den urbanen Raum und Designer. Er suchte unentwegt in seinen Projekten mithilfe der Farbe der Architektur etwas Fehlendes zu schenken. „Mich interessiert das städtebauliche Ensemble und die Frage, wie Städte visuell beschaffen sein müssen, damit sie den Menschen guttun.“1 Seit den 1950er Jahren schuf er Farben für Gebäude. Über 700 Gebäudefarben entwickelte und mischte er im Laufe seines langen Schaffens von Hand. „Farbgestaltung hat eine dienende Funktion; sie ist immer ein Teil der Gesamtästhetik.“2 Schilling verstand sich als Kompositeur von Farbräumen. Farbe kann erhöhen. Stellen wir uns ein Quartier oder gar eine ganze Stadt in zur Architektur und Umgebung ästhetisch passenden Farben vor. Viele unschöne Aspekte der Architektur könnten so harmonisiert werden. Hans-Albrecht Schilling stellte dies vielfach unter Beweis. „STELLEN WIR UNS EIN QUARTIER IN ZUR ARCHITEKTUR UND UMGEBUNG ÄSTHETISCH PASSENDEN FARBEN VOR. VIELE UNSCHÖNE ASPEKTE DER ARCHITEKTUR KÖNNTEN SO HARMONISIERT WERDEN.“ Rainer Monnet 127 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2024

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